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Ökologischer Pflanzenschutz – wie geht das?

Portraitaufnahme Freya Schäfer. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Freya Schäfer hat einen Master of Science in Gartenbauwissenschaften und ist Fachfrau für den Bereich Pflanzenschutz beim Forschungsinstitut für biologische Landwirtschaft. Oekolandbau.de befragte sie zu den vielfältigen Möglichkeiten des biologischen Pflanzenschutzes. Foto: Freya Schäfer

Wer kennt das nicht: Liebevoll gehegte und gepflegte Gemüsepflänzchen, gedüngt, gegossen … und dann von Blattläusen aufgefressen. Ganz schön frustrierend. Gibt es da ein Mittel, das den lästigen Besuchern das Leben auf unseren Pflanzen ungemütlich macht? Aber ist das, was da auf die Pflanzen gesprüht oder gegossen wird, für Menschen und Umwelt verträglich?

Im Großen, also in der Landwirtschaft, stellt sich dieselbe Frage. Pflanzenschutz ist hier ein großes Thema und wird immer wieder heiß diskutiert. Dabei geht es um Grenzwerte, Giftstoffe und Rückstände auf Salat und Co., die für Mensch, Tier und Natur zum Problem werden können.

Der ökologische Landbau versucht, andere Wege zu beschreiten. Die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln ist in den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau geregelt: Nur Mittel, die hier aufgeführt sind, dürfen verwendet werden.

Person kniet im Gewächshaus vor Pflanzen
Nützlinge sind aus dem biologischen Pflanzenschutz nicht wegzudenken. Auf Kärtchen wie hier werden sie zum Beispiel in den Gewächshäusern ausgebracht und sorgen für eine effektive und biologische Schädlingsbekämpfung. Foto: Thomas Stephan, BLE

Oekolandbau.de: Frau Schäfer, Pflanzenschutzmittel und Ökolandbau schließt sich das gegenseitig aus?

Schäfer: Im Grunde geht es bei dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ja um den Schutz der Pflanzen. In der Natur schützen sich die Pflanzen auf ganz unterschiedliche Art und Weise vor Schädlingen und Krankheiten. Sie bilden Stacheln oder dicke Zellwände gegen Fraßfeinde und senden Botenstoffe bei Schädlingsbefall aus, um Nützlinge herbeizurufen. Andere Pflanzen bilden bestimmte Substanzen, die für Insekten giftig sind, wie beispielsweise der Neembaum oder die Chrysantheme. Daher ist Pflanzenschutz etwas, was tagtäglich in der Natur vorkommt.

Oekolandbau.de: Wie sieht ökologischer Pflanzenschutz aus?

Schäfer: Man versucht, es erst gar nicht zu einem Schädlings- oder Krankheitsbefall kommen zu lassen - durch vorbeugende Maßnahmen und ein besonderes Augenmerk auf vitale und gesunde Pflanzen. Sollte es doch einmal passieren, so gibt es eine große Anzahl von natürlichen Feinden. Beispielsweise Schlupfwespen gegen Blattläuse oder Nematoden (winzige Fadenwürmer) gegen im Boden lebende Schädlinge sowie verschiedene Substanzen natürlichen Ursprungs, die im ökologischen Landbau eingesetzt werden können.

Oekolandbau.de: Welche Pflanzenschutzmittel sind im Biolandbau erlaubt?

Schäfer: Generell werden im ökologischen Landbau nur Mittel eingesetzt, die in der Natur auch natürlicherweise vorkommen, wie beispielsweise Neem vom Neembaum gegen Schadinsekten oder Ampelomyces quisqualis, ein spezieller Pilzstamm gegen den Echten Mehltauschadpilz. Im Unterschied dazu werden für den konventionellen Pflanzenschutz oft nur einzelne Wirkstoffe chemisch synthetisiert und somit neue Substanzen geschaffen, die es in der Natur so nicht gibt.

Oekolandbau.de: Ist biologischer Pflanzenschutz teuer?

Schäfer: Das hängt stark von der angebauten Pflanze und den Krankheiten/Schädlingen ab. Auf jeden Fall kann man sagen, dass der Aufwand, um Krankheiten und Schädlinge zu vermeiden, im ökologischen Landbau höher und somit auch teurer ist. Die Vorteile sind auf jeden Fall gesunde Pflanzen, die nicht mit Rückständen von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln belastet sind.

Oekolandbau.de: Frau Schäfer, vielen Dank für das Gespräch.


Letzte Aktualisierung: 10.10.2015