Lehrer


Nachgefragt: Was ist eigentlich... Ökoweinbau?

Nina Weis. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Nina Weis ist studierte Winzerin und hat großen Spaß an ihrem Beruf. Foto: Nina Weis

Nina Weis ist Oenologin (studierte Winzerin). Nach einigen Jahren praktischer Erfahrung auf einem Bioweingut in Rheinhessen hat sie 2012 ein Masterstudium "Ökologische Landwirtschaft" in Witzenhausen begonnen. Der Biowinzerei wird sie auf jeden Fall erhalten bleiben, denn sie liebt ihren Beruf.

Oekolandbau.de hat nachgefragt, was Frau Weis an ihrem Beruf gefällt.

Oekolandbau.de: Frau Weis, warum wollten Sie Winzerin werden?

Weis: Nach dem Abitur wusste ich noch nicht genau, was ich werden wollte. Für meinen zukünftigen Beruf war mir wichtig, dass die Arbeit vielseitig und irgendwie kreativ sein und nicht nur aus dem Sitzen am Schreibtisch bestehen sollte. Irgendwo habe ich dann vom Weinbau gelesen: Arbeit an der frischen Luft, sowohl technische als auch kreative Arbeit im Weinkeller und vielseitige Arbeiten mit dem Jahresverlauf. Ich beschloss, ein Praktikum zu machen, was sich insofern gut traf, als dass man für die Einschreibung an der Fachhochschule sowieso ein sechsmonatiges Praktikum vorweisen muss. Die Zeit, die ich bei einem Betrieb an der hessischen Bergstraße verbrachte, gab dann schließlich den Ausschlag, das Abenteuer Weinbaustudium zu wagen.

Blick auf einen mit Reben bewachsenen Weinberg. In der Mitte ist ein Blühstreifen. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Das Ökosystem Weinberg ist ein kompliziertes Wirkungsgefüge innerhalb der Lebensgemeinschaft aus Pflanzen, Tieren, Bakterien und Pilzen. Das Bestreben eines ökologischen Winzers ist es, mit diesem Ökosystem zu arbeiten. Foto: Thomas Stephan, BLE

Oekolandbau.de: Winzerin zu sein, was steckt da alles drin?

Weis: Winzerei ist sehr vielseitig. Die Aufgaben fangen bei den Reben draußen im Weinberg an, umfassen die Arbeit im Keller (die Überwachung der Gärung und die anschließenden Klärprozesse) sowie die Abfüllung und schließlich die Vermarktung. Mein früherer Chef sagte immer, als Winzer sei man alles: Vom Klempner über den Automechaniker und Computerfachmann bis hin zum Alleinunterhalter.

Oekolandbau.de: Muss man studiert haben, um als Winzer zu arbeiten, oder gibt es auch andere Wege?

Weis: Winzer und Weinküfer sind traditionelle Ausbildungsberufe, die man im dualen System in zwei bzw. drei Jahren ganz klassisch erlernen kann. Und: Es gibt Quereinsteiger, die weder studiert noch eine Lehre gemacht haben, sondern über eine gute Nase und das richtige Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem Material „reinrutschen“ und sich den Rest dann mehr oder weniger selbst beibringen.

Oekolandbau.de: Gibt es in Ihrem Bereich viele Frauen oder handelt es sich da eher um eine Männerdomäne?

Weis: Früher war das Weinbaustudium eine fast reine Männerdomäne. Höfe wurden zumeist noch über die männlichen Nachkommen vererbt und auch das körperliche Element spielte eine größere Rolle. Heute werden viele kraftintensive Arbeitsschritte von Maschinen erledigt. Als meine Chefin vor 30 Jahren in Geisenheim studierte, war sie noch ziemlich allein unter Männern. In meinem Semester hatten wir bereits einen Frauenanteil von bestimmt 40 Prozent.

Oekolandbau.de: Sie waren auf einem Bioweingut tätig - Was ist "Bio" am Biowein?

Weis: Biowinzerinnen und -winzer haben im Weinberg immer den Kreislaufgedanken im Blick. Sie versuchen, schädigende Einflüsse zu minimieren und dafür zu sorgen, dass die Reben sich selbst mit allem was sie brauchen, versorgen können. Das erreicht man durch einen sensitiven Umgang mit den Böden und Pflanzen, eine vielfältige Begrünung, den Verzicht auf schädigende Herbizide und Präventions- statt Reaktionsstrategien im Pflanzenschutz. Pflanzenstärkungsmittel erhöhen die natürliche Resistenz der Pflanzen und viel Handarbeit sorgt für das richtige Mikroklima, damit sich Schädlinge gar nicht erst ausbreiten können. Oft wird bei Biowinzerinnen und -winzer auch im Keller noch nach traditionellen Methoden gearbeitet; moderne, hochtechnologische Weinbehandlungsmittel findet man selten. Dem Wein wird im Keller ausreichend Zeit zur Entwicklung gegeben, sodass er auf natürlichem Wege durch das Lager auf der Hefe oder auch die sogenannte malolaktische Gärung stabilisiert wird.

Oekolandbau.de: Was gefällt Ihnen am besten an dieser Arbeit?

Weis: Die Abwechslung und die Arbeit an der frischen Luft sind toll. Man erlebt die Jahreszeiten viel intensiver, weil man mehr in ihrem Rhythmus arbeitet als in anderen Berufen. Und natürlich ist Wein auch ein tolles und sehr facettenreiches Produkt und die Beschäftigung damit wird niemals langweilig, weil man immer wieder aufs Neue versucht, in Abhängigkeit jedes einzelnen individuellen Jahrgangs die bestmöglichste Qualität aus den Trauben herauszukitzeln.

Oekolandbau.de: Würden Sie diesen Beruf jungen Menschen empfehlen?

Weis: Die Jobchancen sind im Moment auch für Quereinsteiger, also Winzerinnen und Winzer ohne eigenes Weingut, ganz gut. Da im Weinbau wie in der Landwirtschaft generell der Trend zur Betriebsvergrößerung anhält, sind viele Betriebe nicht mehr reine Familienbetriebe und so wurden in den letzten Jahren vermehrt Stellen für Fachkräfte geschaffen.

Man sollte auf jeden Fall körperlich belastbar sein und auch kein Problem damit haben, mal schmutzig zu werden. Wenn man darüber hinaus noch ein gewisses Interesse auch an Technik mitbringt und selbst gerne Weine verkostet, wird einem dieser Beruf sicher viel Spaß machen.

Vielen Dank für das Interview!


Letzte Aktualisierung: 10.10.2015