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Tierwohl: Eine Frage der Haltung

Kinder stehen an einem Zaun und betrachten Hühner
Kinder sind neugierig und fragen nach: Sie wollen wissen, wie es den Tieren geht, von denen ihre Lebensmittel stammen. Und das ist gut so. Foto: Thomas Stephan, BLE

"Ich esse nichts mehr, das mal ein Gesicht hatte!" So oder so ähnlich äußern sich inzwischen viele Verbraucherinnen und Verbraucher zum Thema Fleischverzehr, darunter nicht wenige Kinder und Jugendliche. Vegetarismus boomt und auch Milch steht immer mehr in der Kritik. Es ist anscheinend nicht mehr "wurscht", wie unsere Nutztiere gehalten werden. In Umfragen sprachen sich 85 Prozent der Teilnehmenden für verstärkten Tierschutz aus. Doch was genau ist darunter zu verstehen?  

Tierwohl-Initiative der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat das Problem erkannt. Sie will das Thema Tierwohl verstärkt in den Fokus rücken. "Tiere sind unsere Mitgeschöpfe. Ihr Wohlbefinden ist eine Verpflichtung für alle Menschen, die mit Tieren umgehen. Der Tierschutz steht seit 2002 als Staatsziel im Grundgesetz und ist damit eine verbindliche Leitlinie für das Regierungshandeln. Tierwohl ist zunehmend auch ein Anliegen der Gesellschaft." So die Einleitung des Papiers Eine Frage der Haltung – Neue Wege für mehr Tierwohl der Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Tierschutz-Label
Das Tierschutzlabel Premium erkennt man an zwei Sternen; die Einstiegsstufe an einem Stern.

Ziel dieser Initiative ist es, Verbraucherinnen und Verbrauchern wie auch den Tierhalterinnen und Tierhaltern einen verlässlichen Rahmen zu bieten, um mit ihren Konsum- und Investitionsentscheidungen die Tierhaltung in Deutschland wirksam zu verbessern. Das betrifft sowohl landwirtschaftliche Nutztiere als auch beispielsweise Versuchstiere in der Forschung. Das BMEL begrüßt dabei vor allem Initiativen und Maßnahmen, die den Verbraucherinnen und Verbrauchern die Möglichkeit geben, Tierschutz mit ihrem Einkaufskorb zu unterstützen. Dazu gehören etwa die Brancheninitiative Tierwohl von Handel und Erzeugern oder das vom BMEL geförderte Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes.  

10 Punkte für mehr Tierwohl

Es ist im wörtlichen Sinne eine Frage der Haltung: Die Initiative nimmt sowohl beispielsweise Stalleinrichtungen in der Nutztierhaltung als auch die Frage sogenannter kurativer Eingriffe, wie beispielsweise das nicht schmerzfreie Enthornen von Rindern, oder das Thema Schlachtung in ihr Blickfeld. Verbesserungen des Tierwohls sollen erarbeitet werden, die tierschutzfachliche, ethische und wirtschaftliche Aspekte miteinander in Einklang bringen. Dazu braucht es Wissen und Fachkompetenz. Seit Anfang 2015 wird dazu unter anderem ein Netz von Demonstrationsbetrieben im Rahmen eines Tierschutz-Kompetenzzentrums aufgebaut.  

Tierhaltung in der ökologischen Landwirtschaft

Ökolandwirtinnen und -landwirte sind dafür verantwortlich, die arteigenen Bedürfnisse ihrer Tiere zu kennen und sie bestmöglich zu berücksichtigen. Stallbau, Fütterung, Tiergesundheit und Tierzucht, das sind Eckpunkte, um die man sich gerade in der ökologischen Nutztierhaltung viele Gedanken macht. Denn in der ökologischen Landwirtschaft ist die Tierhaltung ein wichtiges Bindeglied im Betriebskreislauf Boden-Tier-Pflanze. Die Kopplung von Pflanzenbau und Tierhaltung trägt dazu bei, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und zu erhöhen. 

Die Tiere sollen gesund bleiben, sich wohl fühlen und ihre arteigenen Verhaltensweisen möglichst uneingeschränkt ausleben können. Forschungsergebnisse aus der Ethologie (Wissenschaft vom Verhalten der Tiere) dienen als Kriterien zur Verhaltensbeurteilung der einzelnen Tierarten. Dabei muss es stets darum gehen, einen guten Kompromiss zu finden - aus optimalen Bedingungen für das Tier und praktikablen Bedingungen für den landwirtschaftlichen Betrieb. 

Ein "ausgezeichnetes" Beispiel: Biohof Gasswies

Der Biohof Gasswies in Klettgau ist Mitglied vom Ökolandbauverband Bioland. Für seine muttergebundene Kälberaufzucht wurde das Ehepaar Rutschmann, das den Hof bewirtschaftet, dieses Jahr sogar im Rahmen des Bundesprogrammes Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft, kurz BÖLN, ausgezeichnet. In ihren Ställen haben die Kuh und ihr Kalb nach der Geburt die Zeit, sich kennenzulernen. So trinkt das Kalb die "Biestmilch" der Mutterkuh in den ersten Tagen seines Lebens und baut eine enge Bindung auf. In der Milchviehhaltung werden Mutterkuh und Kalb üblicherweise schon nach wenigen Tagen getrennt.


Letzte Aktualisierung: 25.06.2015