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Nachgefragt: Was ist eigentlich ein Bioanbauverband?

Zwei Männer begutachten Pflanzen auf einem Feld. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster
Fundierte und fachgerechte Beratung ist ein zentrales Anliegen der Verbände.
Foto: Thomas Stephan, BLE

6,5 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland werden biologisch bewirtschaftet. 66 Prozent dieser Fläche gehören zu verbandsgebundenen Betrieben. Was genau ist die Funktion dieser Bioanbauverbände?

Sich als Biolandwirtin oder Biolandwirt einem Bioanbauverband anzuschließen, ist nicht vorgeschrieben. Dennoch sind mehr als die Hälfte aller landwirtschaftlichen Ökobetriebe in Deutschland in den Verbänden organisiert. Bioland, Demeter und Naturland sind die größten Ökoanbauverbände, weitere Organisationen sind zum Beispiel Biokreis, der ECOVIN Bundesverband Ökologischer Weinbau, Gäa, Ecoland und Biopark. Deren jeweilige Ausrichtung ist teils geschichtlich oder philosophisch bedingt, teils aber auch regional entstanden. Während einige Verbände bundesweit oder sogar weltweit vertreten sind, haben andere eher regionale Bedeutung.

In den Ökoanbauverbänden sind sowohl Erzeugerbetriebe als auch Verarbeiter ökologischer Lebensmittel organisiert. Die Aufgaben, die die Verbände für ihre Mitglieder wahrnehmen, sind so vielfältig wie spannend.

Richtlinien

Alle Anbauverbände verpflichten ihre Mitglieder auf die Einhaltung verbandsinterner Richtlinien, die in unterschiedlichem Maße über die gesetzlichen Anforderungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau hinausgehen.

Diese Richtlinien legen beispielsweise fest, wie viel Vieh in Relation zur bewirtschafteten Ackerfläche auf einem Hof gehalten werden muss beziehungsweise darf. In der Verarbeitung von ökologischen Lebensmitteln erlauben die Richtlinien der Anbauverbände die Verwendung einer nochmals oft deutlich reduzierten Anzahl von Zusatzstoffen im Vergleich zu den EU-Rechtsvorschriften bei der Herstellung von Lebensmitteln.

Weitere verbandsinterne Regelungen betreffen etwa die Themen Verpackungen, Energie, den Bereich der Futtermittel oder auch die maximal zulässigen Transportwege für Schlachttiere.

Zertifizierung nach den Verbandsrichtlinien

Der Anbauverband vereinbart mit seinen Mitgliedern regelmäßige Kontrollen auf die Einhaltung der Richtlinien. Sowohl in den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau als auch in allen Verbandsrichtlinien ist vorgeschrieben, jeden Schritt der Produktion und jede Handlung im Betriebsablauf zu dokumentieren. Die Zertifizierung wird jährlich überprüft.

Beratung

Zwei Hände gefüllt mit Getreide- Tierfutter. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster
Welche Futtermittel sind erlaubt in der ökologischen Landwirtschaft? Hier ist die Fachkompetenz der Berater der Ökoanbauverbände gefragt.
Foto: Thomas Stephan, BLE

Beratung wird bei den Verbänden groß geschrieben. So haben die Verbände Naturland und Bioland beispielsweise ein bundesweites Experten-Netzwerk, das Einsteigerinnen und Einsteigern eine fundierte Umstellungsberatung anbietet und Mitglieder unterstützt bei Fragen zu Richtlinien oder Vermarktung und auch allgemein zu landwirtschaftlichen Themen und in der Verarbeitung. Der Verband Demeter bietet auch Beratung zu Fragen der biologisch-dynamischen Landwirtschaft an. Zu den weiteren Möglichkeiten, die sich mit der Mitgliedschaft in einem Anbauverband auftun, gehört die Teilnahme an verbandsinternen Fort- und Weiterbildungen und – ganz wichtig – der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen im Verband. Eigene Webseiten, monatlich erscheinende Magazine und Veröffentlichungen runden das Angebot ab.

Logos und Zeichen

Die biologischen Anbauverbände haben Verbands- und Warenzeichen eintragen und diese patentrechtlich schützen lassen. Mit dem Logo ihres Verbandes können die Mitgliedsbetriebe ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Verarbeitungsprodukte kennzeichnen. Viele Vermarktungswege werden durch die Verbandsmitgliedschaft und die verbandsnahen Erzeugergemeinschaften erschlossen: Einige Molkereien und Verarbeiter arbeiten mit bestimmten Verbänden zusammen und nutzen deren Warenzeichen.

Dachorganisationen

Nicht zuletzt vertreten die Verbände auch die Interessen der Ökobäuerinnen und Ökobauern in der Öffentlichkeit und bei Entscheidungsträgern.

Über die Anbauverbände ist der ökologische Landbau in verschiedenen nationalen und internationalen Dachverbänden organisiert. Die Arbeit der übergeordneten Vereinigungen ermöglicht es, die Entwicklung des Ökolandbaus auch über verbandliche und regionale Grenzen hinaus voranzubringen.

Vertreter der Ökoverbände gründeten gemeinsam mit ökologischen Lebensmittelverarbeitern und Vertretern des Handels im Jahr 2002 den "Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft" (BÖLW) als Spitzenverband für die gesamte Biobranche.


Letzte Aktualisierung: 10.10.2015