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Nachgefragt: Was ist eigentlich… Fruchtfolge im ökologischen Ackerbau?

Ann-Kathrin Spiegel. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Ann-Kathrin Spiegel, Mitarbeiterin des FiBL, kennt sich mit Fruchtfolgen im Ökolandbau aus.

Fruchtfolge – was ist das? Fragt man Schülerinnen und Schüler dazu, dann kann die Antwort auch mal so ausfallen: „Fruchtfolge, das bedeutet, man soll abwechselnd Äpfel, Birnen und anderes Obst essen, nicht immer das gleiche, das ist dann gesünder.“ Das meint jedenfalls Hannah, 12 Jahre.

Mit Obst hat die Fruchtfolge jedoch nicht viel zu tun, vielmehr mit einem Wechsel der Pflanzen, die auf einem Acker angebaut werden. Warum das gut ist und wie das genau aussieht, dazu haben wir Ann-Kathrin Spiegel befragt. Frau Spiegel ist Mitarbeiterin des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) und kennt sich im Bereich Ackerbau aus.

Oekolandbau.de: Frau Spiegel, im ökologischen Landbau gibt es den Begriff der "Fruchtfolge". Können Sie erklären, was das bedeutet?

Bauer auf seinem Acker

Spiegel: Bei der Fruchtfolge geht es um eine Form des "Managements" im Ackerbau, die vor allem, aber nicht nur, im ökologischen Landbau wichtig ist und zum Einsatz kommt. Der Begriff "Fruchtfolge" kommt von den verschiedenen Ackerfrüchten, die auf einem Acker angebaut werden: Frucht ist dabei kein Synonym für Obst, sondern der Begriff für alles, was vom Acker geerntet wird.

Die Fruchtfolge ist eine Art, die Felder zu bewirtschaften, die es in sehr einfacher Form im Landbau seit der Antike gibt. Verschiedene Feldfrüchte werden zeitlich abwechselnd auf einem Acker angebaut, das bringt bessere Erträge, als stets die gleiche Fläche für z. B. Getreide zu nutzen, denn die Bodenfruchtbarkeit wird erhalten.

Im Mittelalter war eine Dreifelderwirtschaft in Europa weit verbreitet. Erst Ende des 18. Jahrhunderts ging man dann zu einer flexibleren Gestaltung über. Heute sind auch sehr weite Fruchtfolgen möglich, in einer neungliedrigen Fruchtfolge werden neun verschiedene Kulturen angebaut. Die Fruchtfolgen können sehr unterschiedlich gestaltet sein.

Oekolandbau.de: Wie sieht so eine Fruchtfolge denn aus?

Spiegel: Der Biobauer plant im Voraus, welche Pflanzen er in einer Fruchtfolge anpflanzen wird. Das hängt von vielen Faktoren ab, denn nicht überall wächst alles gleich gut. Da ist zum einen das Klima: Ist es eher kühl oder wärmer, wie oft regnet es? Ein weiterer Faktor ist die Beschaffenheit der Böden, die sehr unterschiedlich sein kann. So gibt es Böden, die sich nicht für Weizen eignen, andere nicht für die Ackerbohne.

Saisonale Einflüsse, z. B. ein ungewöhnlich trockenes Frühjahr, fließen auch in die Fruchtfolgeplanung des Landwirtes ein. Dann kann beispielsweise spontan eine Änderung in der langfristig geplanten Fruchtfolge gemacht werden. Eine Rolle spielt auch, welche Maschinen ein Hof hat, um die Ackerfrucht zu pflegen und zu ernten. Und ganz wichtig: Der Landwirt muss die Vermarktungsmöglichkeiten für seine Ernte abschätzen. Wenn er keinen Abnehmer für Dinkel hat, kann er ihn auch nicht in seine Fruchtfolge einplanen.

Oekolandbau.de: Warum ist die Fruchtfolge so nützlich im Landbau?

Spiegel: Es gibt viele gute Gründe für Fruchtfolgen. Für den Biobauern ungeheuer wichtig ist das Thema Nährstoffe. Die verschiedenen Feldfrüchte nutzen bestimmte Nährstoffe und hinterlassen bzw. mobilisieren im Boden wiederum eine Reihe anderer Nährstoffen, die von der nächsten Feldfrucht genutzt werden können.

Die Fruchtfolge hilft, Unkräuter zu unterdrücken. Verschiedene Unkräuter wachsen z. B. gerne zusammen mit Weizen. Mit der Fruchtfolge werden die optimalen Wachstumsbedingungen für das Unkraut unterbrochen, es wird quasi automatisch weniger.

Das Gleiche trifft auch auf die Schädlinge und Krankheiten zu. Sie treten weniger auf, wenn immer wieder andere Pflanzen auf dem Acker angebaut werden.

Oekolandbau.de: Das klingt sehr kompliziert!

Spiegel: Stimmt, Landwirte brauchen viel Wissen und Fachkompetenz. Viele haben Agrarwissenschaften studiert, das muss man allerdings nicht unbedingt. Die Ausbildung an den Fachschulen beinhaltet so ein Wissen natürlich ebenfalls. Aber auch die Weitergabe des Wissens in den Bauernfamilien ist wichtig sowie ein guter Draht zu den Kollegen, die über die speziellen Bedingungen vor Ort Bescheid wissen.

Oekolandbau.de: Vielen Dank für das Gespräch.


Letzte Aktualisierung: 28.09.2015