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Hintergrund

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Foto: BLE, D. Menzler

Die gezielte Auswahl von Tieren zur Fortpflanzung ist, im Hinblick auf spezifische Eigenschaften, die in der Weiterverarbeitung und Direktvermarktung unmittelbare Bedeutung haben, stets ein Kompromiss zwischen dem Zuchtziel und den organisatorischen Möglichkeiten. Auch in der Tierzucht für die ökologische Tierhaltung ist dies so. Diese steht noch am Anfang, aber erste Ansätze sind bereits vorhanden. 

Im Vergleich mit der konventionellen Tierzucht hat es eine spezifische Rassen- und Zuchtauswahl im Ökolandbau bisher nicht gegeben. Die ökologische Tierzucht steckt daher erst in den Anfängen. Im Ökolandbau werden in der Regel die gleichen Rassen eingesetzt, wie sie in der konventionellen Tierhaltung üblich sind. Die in der ökologischen Haltung wichtige Doppelnutzung (Milch und Fleisch, Eier und Fleisch) der Tiere ist jedoch in der konventionellen Zucht aus wirtschaftlichen Gründen in der Regel nur von untergeordneter Bedeutung. Prinzipien der ökologischen Tierhaltung sind die Rassezucht, der Natursprung, die Ablehnung biotechnologischer Vermehrungspraktiken (künstliche Besamung ist aber erlaubt) und die standortangepasste und langlebige effiziente Nutzung der Tiere.

Grundsätzlich ist die Haltung von Hochleistungsrassen im Ökolandbau möglich, erfordert jedoch höhere Managementqualität der Tierhalterinnen und Tierhalter, da ihnen einige Betriebsmittel (beispielsweise höchstwertiges Futter, reine Stallhaltung, Medikation) nicht zur Verfügung stehen und Vorgaben wie Auslauf und Weidegang Auswirkungen auf Tierwohl und Tierleistung haben. Ökologische Tierzucht ist wegen der hohen Herausforderungen im Management ein immer bedeutenderer Gegenstand von Diskussionen. Welche Rassen können welche Leistungen ohne Probleme in Tiergesundheit und Tierwohl erbringen und was ist die Management-Herausforderung.

Eine eigenständige Zuchtarbeit ist in der ökologischen Tierhaltung aufgrund der teilweise geringen Populationsgrößen organisatorisch schwierig. Daher baut die ökologische Zuchtauswahl zurzeit zwar auf den Ergebnissen und Zuchtlinien der konventionellen Züchtungsorganisationen auf, selektiert aber – soweit es möglich ist – nach eigenen Zuchtwertvorstellungen. Denn die Bedingungen, unter denen Tiere im Ökolandbau gehalten werden, stellen andere  Ansprüche an diese. Durch die mehr an den Umweltbedingungen orientierte Haltung und Versorgung mit nicht perfekt ausbalancierten eigenem Futter ergeben sich beispielweise hinsichtlich Grundfutteraufnahme oder Futterverwertung neue Anforderungen an die Tiere.

Die sogenannte Genotyp-Umwelt-Interaktion ist im Ökolandbau anders zu bewerten und bislang offen: Welches genetische Potenzial kann auf Biobetrieben mit welchen Kosten und Management-Herausforderungen genutzt werden?

In dieser Unterrichtseinheit setzen die Schülerinnen und Schüler sich intensiv mit dem Thema Züchtung im ökologischen Landbau auseinander. Unter anderem sollen sie hierbei aus den Grundsätzen der artgerechten Tierhaltung Zuchtziele und Zuchtverfahren für die ökologische Tierhaltung ableiten. Dabei wird nach Tierart (Rinder, Schweine, Geflügel) und Nutzungszielen (Milch, Fleisch, Naturschutz) unterschieden. Weitere Informationen zu den Prinzipien des ökologischen Landbaus sind im Portal unter Prinzipien des Ökolandbaus zu finden. Spezielle Informationen rund um das Thema Tierhaltung und Tierzucht stehen unter Tierhaltung zur Verfügung.