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ECOVIN.Jungwinzertagung 2020 – Multi-Viti-Kulti – Biodiversität auf allen Kanälen

Rund 70 junge Winzerinnen und Winzer kamen zur 6. ECOVIN.Jungwinzertagung vom 28. Februar bis 1. März 2020 in die Jugendherberge in Kaub, Hessen zusammen. Die ausgebuchte Tagung stand dieses Jahr unter dem Motto "Multi-Viti-Kulti – Biodiversität auf allen Kanälen".

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Die Teilnehmenden stellten sich diesem spannenden und breit gefächerten Thema mit viel Offenheit und Neugierde. Neue Denkanstöße gab es bei der Tagung durch Workshops und Beiträge erstklassiger Referentinnen und Referenten aus der Weinbranche und der Wirtschaft. Das Thema fand sich auch in der abendlichen Weinprobe und den Diskussionsrunden wieder. Es gab auch dieses Jahr viele Möglichkeiten zum gegenseitigen Austausch und zur Vernetzung zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Referentinnen und Referenten.

Die ECOVIN.Jungwinzertagung ist für und von Jungwinzerinnen und -winzern entwickelt. Das ehrenamtlich arbeitende Organisationsteam wählte in diesem Jahr das Motto "Multi-Viti-Kulti – Biodiversität auf allen Kanälen" zum Gegenstand der Tagung.

Am Freitagabend startete die Tagung nach einem ersten Kennenlernen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einem Impulsvortrag von Johannes Kiefl (Kampagne Meine Landwirtschaft, Berlin) über Agrarpolitik in Zeiten von Klimawandel und Artensterben. Der Vortrag, bei dem verständlich erläutert wurde wo die Problematik der aktuellen Agrarpolitik Deutschlands sowie der EU im Detail liegt, sorgte bereits am ersten Abend für konstruktiven Ideenaustausch und bildete ein sicheres Fundament für alle kommenden Vorträge. 

Der Samstag war mehreren Workshops gewidmet, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen individuellen Zugang zu den verschiedenen Fachthemen finden konnten. Stefan Schwarzer (Schloss Tempelhof, Kreßberg) gab anhand des Großprojektes Schloss Tempelhof eine Einführung in das Konzept der Permakultur. Dabei war ihm wichtig Permakultur als ganzheitliches Konzept zu verstehen. Prof. Dr. Ilona Leyer (Hochschule Geisenheim, HGU), Vera Wersebeckmann (Doktorandin an der HGU) und Michael Baumann (Beratungsdienst Ökologischer Weinbau e.V., Freiburg) bearbeiteten zusammen mit den TeilnehmerInnen das Thema Biodiversität. Es wurden konkret umsetzbare Maßnahmen zur Biodiversitätsförderung im Weinberg herausgearbeitet. Jürgen Michel (Haseler Mühle, Neunkirchen) erläuterte in seinem Workshop Herausforderungen bei der Herstellung regionaler Wildblumenvermehrung. Er gab viele praktische Tipps zu Begrünungsmischungen und zu deren Ansaat.

Einen gelungenen Abschluss des Tages bildete die Weinprobe am Abend, die sich passend zum Tagungsthema mit vergorenen Getränken aus Äpfeln, Birnen und Quitten beschäftigte. Bei der Moderation der Probe unterstützte Andreas Schneider vom Obsthof am Steinberg (Frankfurt), der durch seine Praxiserfahrung wertvolle Einblicke in die Herstellung von Apfelwein geben konnte. Verkostet wurden (Apfel-)Weine und Schaumweine der Manufaktur Jörg Geiger (Schlat, Baden-Württemberg), Griesel Sekt (Bensheim, Hessische Bergstraße), Weingut Wörner (Edesheim, Pfalz), Bioweingut Ollinger-Gelz (Perl-Sehndorf, Saarland), Weingut Odinstal (Wachenheim, Pfalz), Mustea Quittenhof (Untereisenheim, Franken), Jacques Perritaz (Treyvaux, Schweiz) und Christoph Hoch (Krems, Österreich) sowie von Andreas Schneiders eigenem Betrieb. Die anschließende Party sorgte mit gemischter musikalischer Begleitung für ausgelassene Stimmung unter allen Teilnehmenden.

Am Sonntag lautete das Thema "Quergedacht", das durch vier Kurzvorträge verschiedenster progressiver Konzepte aufgenommen wurde. In den Tag starteten Felix Dittrich (Universität Trier – Projekt Diverfarming, Trier) und Dr. Cord Treseler (Weingut Dr. Frey, Saar) mit ihrem Kurzvortrag zur Nutzung des Unterstockraumes für die Etablierung einer Mischkultur. Sie zeigten dabei, wie Oregano und Thymian in die Rebzeile integriert werden und welche Vorteile dies mit sich bringen kann. Danach stellten die Gründerinnen und Gründer Philipp Neveling, Deandra Anderson, Markella Samartzidou ihr neues Start-Up zur Mehrwegnutzung von Keg-Fässern im Weinbereich vor. Mit diesem Gegenentwurf zur Einwegflasche wollen sie in Gastronomie und Catering für weniger Ressourcenverschwendung durch Einweg-Glasflaschen sorgen. Nach einer kurzen Pause erzählte Jan Bleeke (Weingut Staffelter Hof, Kröv) von seinen Erfahrungen mit WOOFing und seiner Idee zur Gründung von Projekten nach dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft. Er warf die Frage auf, ob ein Weingut dringend am Markt agieren muss um wirtschaftlich zu sein. Zuletzt berichtete Gabriel Huber (Weinbau der Lebenshilfe, Bad Dürkheim) von seiner alltäglichen Arbeit mit Menschen mit Einschränkung. Die Zuhörerinnen und Zuhörer erörterten anschließend die Frage, inwieweit sich der Grundgedanke der Eingliederung auf andere Weingüter übertragen lässt.

In der abschließenden Diskussionsrunde wurde deutlich, dass die jungen Winzerinnen und Winzer interessiert und bereit sind, viele Impulse aus den Vorträgen des Wochenendes in die Praxis mitzunehmen. Dabei war für viele Teilnehmende wichtig nicht nur den ökologischen Gedanken, sondern auch den sozialen Gedanken weiter zu denken und ein ganzheitliches Konzept zu verfolgen.

Das Fazit der 6. ECOVIN.Jungwinzertagung ist in jeglicher Hinsicht äußerst positiv. Das inspirierende Wochenende aus inhaltlich bereichernden Beiträgen, intensivem Austausch und sensorischer (Apfel-)Weinvielfalt gliederte sich somit in die erfolgreiche Reihe vorangegangener Tagungen ein. Die ECOVIN.Jungwinzertagungen hat sich für die jungen Winzerinnen und Winzer als gefragte Institution etabliert.

Das Organisationsteam der ECOVIN.Jungwinzertagung wurde unterstützt durch die Sponsoren: 2B FermControl, Biofa AG, Braun Maschinenbau GmbH, Deutscher Kork-Verband e.V., ERO GmbH, Klug Fachgroßhandel für Kellereibedarf GmbH, Ernst Moeschle Behälterbau GmbH, Richard Wagner GmbH + Co. KG, Scharfenberger GmbH & Co. KG, VollherbstDruck GmbH.

Quelle: Ecovin

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