Service


19.02.2019

BÖLW: Bio-Branchenbilanz

Logo BÖLW

Nach aktuellen BÖLW-Schätzungen legte die heimische Öko-Fläche in 2018 um 109.863 Hektar (+8,0 Prozent) auf insgesamt 1.483.020 Hektar zu - 8,9 Prozent der gesamten Landwirtschaftsfläche bewirtschaften damit Deutschlands Biobäuerinnen und -bauern.

"2018 stellten jeden Tag fast fünf Bauern ihren Betrieb auf Ökologische Landwirtschaft um. Auch auf der neuen Öko-Fläche, die einer Größe von über 150.000 Fußballfeldern entspricht, punkten die Bio-Betriebe auf jedem Hektar mit Boden-, Gewässer-, Tier- und Klimaschutz", kommentiert Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), die Branchen-Bilanz des deutschen Bio-Sektors anlässlich des Starts der BIOFACH. Wie viel Bio für Umwelt und Gesellschaft leistet, zeigte zuletzt die umfassende Studie des staatlichen Thünen-Institutes (Thünen Report 65).

Nach aktuellen BÖLW-Schätzungen legte die heimische Öko-Fläche in 2018 um 109.863 Hektar (+8,0 Prozent) auf insgesamt 1.483.020 Hektar zu - 8,9 Prozent der gesamten Landwirtschaftsfläche bewirtschaften damit Deutschlands Biobäuerinnen und -bauern. "Bio bietet immer mehr Landwirten, ihren Beschäftigten und Familien eine Zukunftsperspektive", sagte Röhrig mit Blick auf die erneut starke Umstellungsdynamik.

Fast zwölf Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe waren zum Jahreswechsel Bio-Höfe, insgesamt wirtschafteten 31.122 Betriebe ökologisch. Allein 2018 entschieden sich 1.727 für den Einstieg in die Öko-Landwirtschaft. Gleichzeitig mussten in Deutschland weiterhin zu viele Betriebe ihre Türen für immer schließen – in 2018 sank die Zahl aller Höfe um etwa 3.100 auf 266.690.

"Fast 11 Milliarden Euro investierten die Kunden 2018 in Bio-Lebensmittel und unterstützten die Transformation hin zu einer enkeltaugliche Landwirtschaft und Ernährung", kommentiert der BÖLW-Geschäftsführer die starke Bio-Nachfrage an der Ladenkasse. "Immer mehr Menschen wollen heimische Bauern ebenso stärken wie Klimaschutz, Biene und Feldhase, artgerechte Haltung von Kühen, Huhn und Co. sowie die Gesundheit ihrer Familien und der Umwelt." Nach der Berechnung des 'Arbeitskreises Biomarkt' wurden 2018 mit Biolebensmitteln und -getränken ein Umsatzplus von 5,5 Prozent und ein Marktvolumen von insgesamt 10,91 Milliarden Euro (2017: Milliarden Euro) erreicht.

Der Naturkostfachhandel konnte seinen Umsatz auf insgesamt 2,93 Milliarden Euro ausbauen (inklusive Non-Food: 3,46 Milliarden Euro und machte am gesamten Bio-Markt einen Anteil von etwa 27 Prozent aus.

Auch im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) griffen immer mehr Menschen zu Bio-Kost bei ausgeweiteten Sortimenten, wo der Umsatz auf insgesamt 6,43 Milliarden Euro (+ 8,6 Prozent) kletterte.

In den sonstigen Geschäften kauften die Kunden Bioprodukte im Wert von 1,55 Milliarden Euro (2017: 1,51 Milliarden Euro).

Der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein appellierte an die Bundesregierung, jetzt entschieden zu handeln, damit die Bio-Dynamik verstetigt wird. Bio-Markt und ökologische Landwirtschafts-, -Verarbeitungs- und -Handelsbetriebe müssten sich im Einklang entwickeln. Dann profitiere Gesellschaft und Umwelt am besten von den Leistungen von Ökolandwirtschaft und Biolebensmitteln. "Damit noch mehr Unternehmen die Bio-Chance nutzen, damit Natur, Umwelt und Betriebe profitieren und die Bundesrepublik ihre Umwelt- und Klimaziele erreichen kann, müssen die agrar- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen kohärent und konsequent aufeinander abgestimmt werden", fordert Löwenstein.

Es gelte nun, das neue Bio-Recht sinnvoll auszugestalten, in entsprechende Forschung und Entwicklung zu investieren, Umweltleistungen verlässlich zu honorieren und die Absatzentwicklung heimischer Bio-Produkte stärker voranzubringen.

Mit der 'Zukunftsstrategie ökologischer Landbau' (ZöL) habe die Bundesregierung 2017 erste Impulse gesetzt, die nun verwirklicht und weiterentwickelt werden müssten. Ein besonders wichtiger Hebel sei dabei, den Anteil von Bio in der Außer-Haus-Verpflegung zu erhöhen. Löwenstein: "Als erster, logischer Schritt muss die Bundesregierung für das 20 Prozent Öko-Ziel bis 2030 mit 20 Prozent Bio in ihren eigenen Kantinen beginnen."

Einen wichtigen Baustein kann auch die von Bund und Ländern getragene Gemeinschaftsaufgabe 'Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur' (GRW) bilden. Dazu muss die GRW konsequent jene kleinen und mittleren Unternehmen stärken, die ökologisch wirtschaften und so die notwenige Transformation der Ernährungswirtschaft voran bringen sowie die heimische Wertschöpfung mit Bio-Produkten aus Deutschland stärken.

Von entscheidender Bedeutung für Bio sei die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP), betonte der BÖLW-Vorsitzende. Die GAP müsse schrittweise so umgebaut werden, dass Bäuerinnen und Bauern für Leistungen entlohnt würden, welche die Gesellschaft von ihnen benötigt und für die der Markt die Landwirtinnen und Landwirte nicht bezahlt. Dazu müssten 70 Prozent der Steuergelder künftig die Bäuerinnen und Bauern honorieren, die freiwillig mehr tun für Umwelt, Klima, Artenvielfalt. Löwenstein ergänzt: "Schon jetzt muss Bundesministerin Klöckner Mittel aus den Flächenzahlungen (1. Säule) in die Agrarumweltprogramme (2. Säule) umschichten. Sonst geht den Bundesländer das Geld für Agrarumweltprogramme, den Umbau der Tierhaltung und Öko aus. Auch 2019 sollten alle interessierten konventionellen Bauern auf Bio umstellen können. Das geht nur, wenn ihre Öko-Leistungen auch honoriert werden."

Auch müsse die Düngeverordnung effektiv revidiert werden. "Das Dünge-Recht muss sich am Verursacherprinzip orientieren. Und diejenigen adressieren, die für Nitratausträge verantwortlich sind. Hauptursache für die Nitratprobleme sind die zu hohe Viehdichte, Gülleimporte und zu viel Kunst-Dünger in Regionen mit intensivem Ackerbau. In ganz Deutschland fördern Wasserwerke Bio-Bauern, weil Öko-Landwirtschaft die Wasserverschmutzung mit Nitrat vermeidet. Die Düngeverordnung darf deshalb nicht ausgerechnet die Bio-Betriebe ausbremsen", mahnt Löwenstein.

Alle Branchenstatistiken finden Sie in der Broschüre „Zahlen, Daten, Fakten – Die Bio-Branche 2019“.