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22.10.2019

Die Landwirtin des Jahres 2019 kommt aus dem Bioland

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Linda Kelly überzeugte mit ihrem Biohof die Jury des CeresAward, der jährlich vom deutsche Landwirtschaftsverlag verliehen wird. Der Energielandwirt des Jahres ist ebenfalls Bioland-Mitglied.

Als erste Frau überhaupt erhielt Bioland-Landwirtin Linda Kelly am 16. Oktober 2019 die Auszeichnung "Biolandwirtin des Jahres 2019". Zum sechsten Mal verlieh der dlv Deutscher Landwirtschaftsverlag, den sogenannten CeresAward, bei dem der "Landwirt des Jahres" sowie elf Kategoriensiegerinnen und -sieger aus sämtlichen Bereichen der Landwirtschaft gekürt werden. Auch in der Kategorie "Unternehmerin des Jahres" machte Kelly den ersten Platz.

"Ich bin so stolz und dankbar für diese Anerkennung meiner Arbeit", freut sich Linda Kelly. "Das Schöne daran ist, dass der ökologische Landbau und insbesondere der Lupinenanbau zugleich auch meine Leidenschaft sind. Es macht mir unendlich Spaß hier immer wieder neue Ideen zu entwickeln. Wenn diese dann noch gut angenommen werden und ich merke, die Leute finden es gut, was ich mache, ist das einfach nur wundervoll."

Auch Stephanie Strotdrees, Vizepräsidentin von Bioland und ehemalige Gewinnerin der Kategorie "Biolandwirtin des Jahres" (2014) freut sich mit Kelly: "Nicht nur, dass sie in ihrer Kategorie den ersten Platz gemacht hat, sondern auch, dass sie als erste Frau überhaupt den Gesamttitel bekommen hat freut mich als Berufskollegin besonders. Frauen leisten so viel in dieser Männerdomäne Landwirtschaft! Ich wünsche mir, dass diese Auszeichnung viele Landwirtinnen motiviert, ihre Frau zu stehen und stolz darauf zu sein, was sie tagtäglich auf die Beine stellen."

Landwirtin des Jahres – voller Energie und Tatendrang

Der Biohof von Linda Kelly und ihrer Familie liegt in der Nähe des Bodensees. Auf 170 Hektar Ackerfläche bauen sie Weizen, Gerste, Leguminosen, Körner- und Silomais nach Bioland-Richtlinien an. Kellys Leidenschaft liegt bei den Süßlupinen. Anbau, Verarbeitung, Vermarktung – alles macht die 36-Jährige Linda Kelly für ihre "Lupinello-Produkte" selbst. Zusätzlich kümmert sie sich um Marketing, Pressearbeit, Social Media, Hofführungen und Rezeptentwicklung. Im Lupinello Onlineshop können Kunden Lupinenkaffee, -flocken und -mehl bestellen. Insgesamt bewirtschaftet sie gemeinsam mit ihrem Vater und ihrem Mann eine Fläche von 292 Hektar, davon 170 Hektar Ackerfläche, 120 Hektar Grünland und 2 Hektar Wald. Der Start mit den Süßlupinen war nicht einfach. "Anfangs haben meine Mutter und ich die Lupinen in einer Pfanne geröstet. Das hat vielleicht gequalm"“, erinnert sich Linda Kelly. Später kauften sie einen Industrieofen. Inzwischen baut Linda Kelly auf rund 6 Hektar Lupinen an. Sie probiert immer wieder neue Rezepte aus. "Gerade habe ich eine Gesichtscreme aus Süßlupinen kreiert", sagt sie.

Auch Energielandwirt des Jahres kommt aus dem Bioland

Biogas ist nicht gleich Biogas. Bioland-Landwirt Wolfram Wiggert vom Haslachhof in Löffingen im Schwarzwald zeigt, wie man daraus eine Erfolgsgeschichte für die Umwelt macht.
"Bei unserem Mitglied Wolfram Wiggert treffen Nachhaltigkeit, traditionelles Wissen und Kreislaufwirtschaft auf modernste Technik. Gerade in Zeiten der Klimakrise ist es umso bedeutender effizient und ressourcenschonend zu wirtschaften. Ihm gelingt es nicht nur mit seinem Betrieb CO2-neutral zu sein, sondern auch noch CO2 über Humusaufbau im Boden zu speichern", begeistert sich Strotdrees.

"Wir sind richtig stolz auf das, was wir machen. CO2 zu binden und natürlich weniger zu emittieren, sind unabdingbare Voraussetzungen, um der Klimakrise zu begegnen. Daher freuen wir uns sehr, den Titel "Energielandwirt des Jahres" geholt zu haben und dass dem Thema dadurch noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird", freut sich Wiggert.

Wer auf den Betrieb von Wolfram Wiggert und seiner Frau Eva kommt, meint einen klassischen Biogasbetrieb zu besuchen. Neben dem Biogas tragen auch gut durchdachte Fruchtfolgen viel zur Wertschöpfung auf dem Betrieb bei. Luzernegras, Dinkel, Hafer, Einkorn, Grünroggenmais, Getreide-leguminosen-GPS. Ein Teil der Fruchtfolge sorgt für den nötigen Stickstoff der Folgefrucht. Der Aufwuchs der Stickstoffsammler wird nicht gemulcht, sondern in der Biogasanlage zu flüssigem Dünger veredelt. "Unsere Biogasanlage hat eine Bemessungsleistung von 500 kW, ist aber fünffach überbaut, um den Strom immer dann zu liefern, wenn er am meisten gebraucht wird. Damit die Wärme aber den ganzen Tag über für das Nahwärmenetz zur Verfügung steht, landet sie in einem großen Pufferspeicher", berichtet Wiggert mit strahlenden Augen.

"Unser neuester Clou ist die Abgasreinigung bei der Biogasanlage. Was bei Dieselmotoren Standard ist, versuchen wir einfach bei der Biogasanlage." Die Abgasreinigung mit einem SCR-Katalysator ist eine der ersten im Land und soll helfen, die Technik serienreif zu bekommen. Die Biogasanlage ist CO2-neutral. Zum Vergleich: Ein Braunkohlewerk benötigt circa ein Kiolgramm CO2 pro Kilowattstunde Strom und eine vergleichbare Biogasanlage rund 300 Gramm CO2 pro Kilowattstunde.

Wahl zum Biolandwirt des Jahres knapp

Spannend war es für Bioland auch in der Kategorie "Biolandwirt des Jahres". Gleich zwei Bioland-Betriebe waren nominiert. Bioland-Bäuerin Carolin Dietz aus Harthausen und Landwirt Thomas Riesterer aus Münstertal haben den Titel nur knapp verpasst. Riesterer hat den Anspruch auf seinem Schindelmatthof jedes Tier komplett, vom Schwanz bis zur Nase, zu verwerten. Dietz zaubert auf ihrer Ziegenhütte feinste Ziegenmilchprodukte von der Schwäbischen Alb.
Die Verleihung fand im Rahmen der "Nacht der Landwirtschaft" am 16. Oktober 2019 im Kosmos in Berlin statt.

Quelle: Bioland