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07.11.2019

Lebensmittelverschwendung reduzieren: Neue digitale Plattform für Tafeln

Logo Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Beim ersten Nationalen Dialogforum zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung am 06. November 2019 stellte Bundesministerin Julia Klöckner die Eco-Plattform zur effektiveren Weitergabe von Lebensmitteln vor.

Mit diesem Digitalisierungsprojekt fördert das Ministerium den Aufbau einer Online-Plattform, die es Unternehmen aus Industrie und Handel einfacher machen wird, nicht verkaufte Lebensmittel an die Tafeln weiterzugeben. Mittels einer Smartphone-App, die als Schnittstelle fungiert, werden Angebots- und Bedarfsdaten erhoben und damit die Grundlage für eine effizientere Zuordnung von Lebensmittelspenden an und zwischen den Tafeln geschaffen. Dadurch soll die Menge der vor der Entsorgung geretteten Lebensmittel in Deutschland um bis zu 40 Prozent erhöht werden.

Julia Klöckner: "Die Tafeln haben sich deutschlandweit große Verdienste bei der Rettung und Verteilung wertvoller Lebensmittel erworben. Es gibt eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Handel und den Einrichtungen. Diese wollen wir durch die Digitalisierung des Abgabesystems weiter optimieren. Mit unserer Förderung einer digitalen Plattform zur Weitergabe sorgen wir für eine bessere Vernetzung und Vereinfachung der Arbeit von Spendern und Empfängern. 1,5 Millionen Euro nehmen wir dafür in die Hand. Das ist gut investiertes Geld, ein entscheidender Schritt. Wir brauchen solche innovativen Lösungen, um die Lebensmittelverschwendung effektiv zu reduzieren."

Hintergrund:

Im Februar hat das Bundeskabinett die Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung der Bundesernährungsministerin verabschiedet. Ziel ist es, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung zu halbieren und dabei alle Sektoren in den Blick zu nehmen – Primärproduktion, Lebensmittelverarbeitung, Groß- und Einzelhandel, Außer-Haus-Verpflegung, private Haushalte. In Dialogforen pro Sektor werden konkrete Maßnahmen zur Reduzierung erarbeitet, Zielmarken definiert und ihre Umsetzung transparent gemacht.

Landwirtschaft etwa kann noch bedarfsgerechter produzieren, Nachernteverluste vermeiden. Lebensmittelherstellerinnen und -hersteller sind angehalten, Produktionsprozesse zu optimieren. Durch gezielte Wissensvermittlung soll bei den Endverbraucherinnen und Endverbrauchern mehr Bewusstsein und Achtsamkeit erzeugt werden, in der Gastronomie besteht zum Beispiel die Möglichkeit, Portionsgrößen anzupassen. Der Handel kann übrig gebliebenen Lebensmittel noch zielgerichteter an soziale Einrichtungen abgeben.

Um die Akteure dabei zu vernetzen, hat die Ministerin das 1. Nationale Dialogforum zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung eingerichtet. Mit diesem sorgt das Ministerium für eine Vernetzung der Akteure entlang der Lebensmittelversorgungskette. Geschaffen wird ein Forum zum Austausch, auf dem jährlich auch über die Fortschritte beim Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung berichtet wird. 

Erfassung des Lebensmittelabfallaufkommens in Deutschland

Das Johann Heinrich von Thünen-Institut (TI) hat im Auftrag des BMEL zusammen mit der Universität Stuttgart das Aufkommen der Lebensmittelabfälle über die gesamte Lebensmittelversorgungskette für Deutschland berechnet. Dabei wurden Vorgaben seitens der Europäischen Union berücksichtigt, die künftig für die Vergleichbarkeit von Lebensmittelabfallmengen sorgen und Ausgangspunkt für die kontinuierliche Berichterstattung gegenüber der EU bis 2030 sind. Die Daten des TI wurden am 12. September 2019 veröffentlicht. Laut der im September 2019 vorgestellten Studie "Lebensmittelabfälle in Deutschland – Baseline 2015" beträgt die Gesamtabfallmenge rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle.

  • Die Primärproduktion hat daran einen Anteil von 12 Prozent (1,4 Millionen Tonnen)
  • Bei der Verarbeitung fallen 18 Prozent (2,2 Millionen Tonnen) an.
  • Im Handel entstehen 4 Prozent (0,5 Millionen Tonnen) der Lebensmittelabfälle
  • Die Außer-Haus-Verpflegung macht 14 Prozent (1,7 Millionen Tonnen) aus.
  • Der Großteil der Lebensmittelabfälle entsteht mit 52 Prozent (6,1 Millionen Tonnen) in privaten Haushalten. Das sind 75 Kilogramm pro Kopf.

Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft