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24.11.2016

Europäische Tagung zu Kupfer als Pflanzenschutzmittel

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Kupferpräparate werden im Ökologischen Landbau benötigt, um einen wirtschaftlichen Anbau auch unter schwierigen Witterungsbedingungen zu gewährleisten. Das war das Fazit einer Europäischen Tagung, die Ende November 2016 im Julius Kühn-Institut (JKI) in Berlin stattfand.

Kupferpräparate werden im Ökologischen Landbau weiter benötigt, um einen wirtschaftlichen Anbau auch unter schwierigen Witterungsbedingungen zu gewährleisten. Dennoch bieten vor allem die Züchtung sowie bestehende und neu entwickelte Präparate Chancen, den Kupfereinsatz noch weiter zu reduzieren. Das war das Fazit von über 100 Wissenschaftlern und Beratern auf der Europäischen Tagung "Kupfer als Pflanzenschutzmittel", die Ende November 2016 im Julius Kühn-Institut (JKI) in Berlin stattfand. Initiator der vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) geförderten Veranstaltung war neben dem JKI der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW).

Im Mittelpunkt des Fachgesprächs standen die Ergebnisse der Kupferminimierungsstrategie, auf die sich ökologische und konventionelle Anbauverbände in Absprache mit der Politik geeinigt haben. Ziel der Strategie ist es, die eingesetzten Kupfermengen durch praxisnahe Forschung kontinuierlich zu verringern.

Wie wichtig Kupferpräparate im Bioweinbau sind, unterstrich Beate Fader, Beraterin am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Rheinhessen. "2016 war witterungsbedingt ein Desaster für viele Biowinzer", sagte Fader. Allein im Mai seien die Niederschlagsmengen zehn Mal höher gewesen als im gleichen Vorjahreszeitraum. Der Schwellenwert für Peronospora-Pilzsporen im Boden wurde von Ende Mai bis Ende Juni 2016, also in der Hauptwachstums- und Blühphase, 27 Mal überschritten. Das machte bis zu 15 Spritzungen erforderlich, zum Teil alle drei bis vier Tage. Trotz kurzfristiger Notzulassung einer erlaubten Kupfermenge von vier statt drei Kilogramm pro Hektar, sei die Flexibilität in Sachen Kupfereinsatz unter diesen Extrembedingungen an ihre Grenzen gestoßen. "Wir brauchen deshalb unbedingt ein Kupferkonto, am besten mit 20 Kilogramm Kupfer pro Hektar auf fünf Jahre", appellierte Fader. Ansonsten drohe eine Rückumstellungswelle, wie eine aktuelle Umfrage unter 120 Winzern gezeigt habe.

Auch für Kartoffelbauern sei das aktuelle Anbaujahr schwierig gewesen, bestätigte Eckhard Reiners, Ressortleiter beim Bioland-Verband. "Viele Bauern sagten mir, ein Jahr mit einem so extremen Krautfäuledruck hätten sie noch nicht erlebt." Deshalb seien nach vielen Jahren erstmals wieder deutlich mehr als zwei Kilogramm Kupfer pro Hektar im Kartoffelanbau ausgebracht worden. Bewährt hätten sich dabei vor allem die neuen Kupferhydroxidmittel, die bei geringerer Reinkupfermenge eine gleich gute Wirkung wie die älteren Mittel auf Kupferoxychloridbasis erzielten.

Große Hoffnung setzt Reiners auf die Resistenzzüchtung gegen Krautfäule. Vor allem in den Niederlanden habe es hier im letzten Jahr sehr große Fortschritte gegeben. Der Pomologe Hanns-Joachim Bannier aus Bielefeld forderte eine völlige Neuausrichtung der Apfelzüchtung zur Reduzierung der Kupfermengen: "Alle heute weltweit relevanten Sorten basieren auf der Genetik von nur fünf Ausgangssorten, die durchweg extrem anfällig gegen Schorf, Mehltau und andere Krankheiten sind." Statt auf Widerstandsfähigkeit habe man mit Aufkommen der ersten Spritzmittel in den 1930er Jahren fast nur noch auf Ertrag und Lagerfähigkeit gesetzt. Bannier plädierte deshalb für einen Systemwechsel, bei dem man alte vitale Sorten wie etwa Alkmene im Geschmack und bei der Lagerfähigkeit verbessert, statt mühsam die Anfälligkeit der heutigen, empfindlichen Sorten zu verringern.

Zum aktuellen Stand der Gefährdung von Bodenlebewesen durch Kupfer stellte Dr. Nadine Herwig eine laufende BÖLN-Studie vor. Dabei wurde in Rebflächen eine mögliche Gefährdung von Regenwürmern durch Kupferpräparate untersucht. Es habe sich gezeigt, dass Kupfer nur ein Faktor von vielen ist, der die Verbreitung von Regenwurmpopulationen beeinflusst. Unter dem Strich gäbe es auf Basis der bisherigen Ergebnisse keine Bedenken für eine Kupferanwendung mit den aktuell zulässigen Aufwandmengen.

Dr. Friedhelm von Mering, politischer Referent des BÖLW, bezeichnete die derzeitige Situation in Bezug auf die Kupferminimierungsstrategie insgesamt jedoch als "frustrierend". Viele, im ökologischen Anbau bewährte Produkte wie Kaliumphosphonate oder schwefelsaure Tonerde, die den Kupferaufwand reduzieren, seien auf EU-Ebene noch nicht wieder zugelassen. Zudem reichten die Mittel für die Forschung im Ökolandbau nicht aus, um zum Beispiel wichtige Züchtungsprojekte oder Prognosemodelle weiterverfolgen zu können. "Wenn die Rahmenbedingungen so bleiben, wird keine weitere Mengeneinsparung beim Kupfereinsatz möglich sein", sagte von Mering.

Das war auch der Tenor der abschließenden Diskussion. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels sei immer häufiger mit Wetterextremen wie in 2016 zu rechnen. Deshalb sei es notwendig, den Betrieben beim Kupfereinsatz mehr Spielräume und auch mehr Alternativen an die Hand zu geben. Dazu gehörten neben einer intensiveren Züchtungsarbeit für Resistenzen und neue Sorten auch die Aufnahme von Phosphonaten in die EU-Ökoverordnung. Sonst  bestehe die Gefahr, dass zumindest ein Teil der Betriebe aus wirtschaftlichen Zwängen rückumstellt.

Quelle: Pressemitteilung des BÖLN