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13.04.2018

Effekte des Ökolandbaus auf Klima, Umwelt und Gesundheit

Logo Universität Göttingen - Effekte des Ökolandbaus auf Klima, Umwelt und Gesundheit

Laut einer Studie der Universität Göttingen könne nur die Kombination von ökologischen und konventionellen Anbautechniken eine global nachhaltige Landwirtschaft garantieren.

Agrarökonominnen und -ökonomen untersuchten den Einfluss des Ökolandbaus auf Umwelt, Klima und Gesundheit in unterschiedlichen Teilen der Welt.

Dabei fanden sie heraus, dass der Anbau von Biolebensmitteln zu viel Ackerfläche benötige, um sich weltweit positiv auf die Artenvielfalt auswirken zu können. Zudem sei er in ärmeren Ländern zur Ernährungssicherung ungeeignet. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Annual Review of Resource Economics erschienen. 

Im Vergleich zur industriellen Landwirtschaft wird der Anbau von Biolebensmitteln gemeinhin als schonender für Mensch, Tier, Umwelt und Klima wahrgenommen. Viele Studien bescheinigen dem Ökolandbau im Vergleich mit der konventionellen Landwirtschaft größere Artenvielfalt und geringere Schadstoffbelastungen auf dem Acker. Um herauszufinden, ob der Ökolandbau auch vor dem Hintergrund der globalen Herausforderungen als grundsätzlich nachhaltig eingestuft werden kann, werteten Dr. Eva-Marie Meemken und Prof. Dr. Matin Qaim von der Universität Göttingen rund 150 Einzelstudien und Meta-Analysen zu den Effekten des Ökolandbaus in unterschiedlichen Teilen der Welt aus. Dabei zeigte sich, dass Biolebensmittel im Vergleich mit Produkten aus konventioneller Landwirtschaft keinen unterschiedlichen Effekt auf die Gesundheit haben. 

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entdeckten zudem, dass die Vorteile des Biolandbaus für Umwelt und Klima nicht gelten würden, wenn man die Effekte pro Produkteinheit statt pro Hektar Ackerfläche vergleicht. Für ökologische Lebensmittel benötige man wegen der niedrigeren Erträge mehr Ackerfläche als für die gleiche Menge konventioneller Produkte. So würden sich die Umwelt- und Klimavorteile des Ökolandbaus relativieren und sich sich für einige Parameter sogar umkehren. "Die Ertragsunterschiede müssen berücksichtigt werden, weil die globale Nachfrage nach Lebensmitteln weiter wächst", betont Qaim. "Bisher wird weltweit nur ein Prozent der Ackerfläche nach den Regeln des Ökolandbaus bewirtschaftet. Wollte man zukünftig die ganze Welt mit Bioprodukten ernähren, bräuchte man deutlich mehr Fläche, was nur auf Kosten von Wäldern und anderen natürlichen Lebensräumen möglich wäre."

Des Weiteren seien Biolebensmittel zur Ernährungssicherung in Entwicklungsländern ungeeignet, da sie im Schnitt erheblich teurer als konventionelle Produkte seien. "Für einheimische Grundnahrungsmittel gibt es in Entwicklungsländern aufgrund der niedrigen Einkommen bisher kaum einen Markt für teurere Bioprodukte", so Meemken. 

Die Autorinnen und Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass der Ökolandbau zwar in bestimmten Situationen vorteilhaft sei, aber nicht als Leitbild für global nachhaltige Landwirtschaft und Ernährungssicherung gelten könne. Eben so wenig könne die industrielle Landwirtschaft mit ihrem hohen Einsatz von Chemikalien als Modell für Nachhaltigkeit dienen. "Benötigt werden produktive und zugleich umweltfreundliche Systeme. Solche Systeme standörtlich angepasst zu entwickeln, erfordert die intelligente Kombination von Methoden des Ökolandbaus und der konventionellen Landwirtschaft – auch unter Berücksichtigung ganz neuer Technologien", so Meemken und Qaim. 

Originalveröffentlichung: Meemken, E.-M., Qaim, M. (2018). Organic agriculture, food security, and the environment. Annual Review of Resource Economics

Quelle: Pressemitteilung der Georg-August-Universität Göttingen