Service


Nachrichten

06.12.2018

Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner zur Bodenzustandserhebung

Logo BMEL -

Zum ersten Mal hat das Bundeslandwirtschaftsministerium deutschlandweit und repräsentativ eine Inventur der landwirtschaftlichen Böden durchgeführt.

Die Übergabe des Abschlussberichtes an die Bundesministerin erfolgte am Weltbodentag durch den Direktor des Thünen Instituts für Agrarklimaschutz, Prof. Dr. Heinz Flessa. 

Um einschätzen zu können, wo Deutschland bei der landwirtschaftlichen Landnutzung steht, hat das BMEL eine deutschlandweite Inventur der organischen Kohlenstoffvorräte in landwirtschaftlich genutzten Böden veranlasst. In diesem Zusammenhang steht die Erarbeitung einer Grünland- und einer Ackerbaustrategie im BMEL. Deshalb hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft das Thünen-Institut mit der "Bodenzustandserhebung Landwirtschaft" beauftragt, um auch den Zusammenhang von Boden und Klima genauer zu untersuchen. In enger Zusammenarbeit mit über 3.100 Landwirtinnen und Landwirten wurden in sechs Jahren, zwischen 2012 und 2018, mehr als 120.000 Bodenproben genommen und analysiert. Letzte Beprobungen erfolgten noch bis Herbst 2018. Gemessen wurden Sauerstoffversorgung, Humusbildung und organische Kohlenstoffvorräte. Mit interessanten Ergebnissen: Weltweit ist im Boden viermal mehr Kohlendioxid gespeichert als in der oberirdischen Vegetation und zweimal mehr Kohlendioxid als in der Luft. Die Böden sind weltweit nach den Ozeanen der zweitgrößte Kohlenstoffspeicher der Erde. 

Bundesagrarministerin Julia Klöckner: "Die Bodenzustandserhebung hilft uns, den Boden besser zu verstehen. Die Bodenzustandserhebung ist eine Premiere: Daten und Fakten zeigen, wie bedeutend der Agrarboden für den Klimaschutz und für die Klimaanpassung ist – ein Potenzial, das häufig unterschätzt wird. Im Gegensatz zu allen anderen Wirtschaftssektoren können Landnutzung und Forstwirtschaft Kohlenstoff speichern und damit als natürliche Treibhausgassenke fungieren. Das Ergebnis des Berichtes ist sehr eindrucksvoll, denn es belegt, dass insgesamt über zwei Milliarden Tonnen Kohlenstoff in den landwirtschaftlichen Böden Deutschlands gespeichert sind. Diese besondere Rolle der Land- und Forstwirtschaft gilt es, stärker zu nutzen und zu fördern. Land- und Forstwirtschaft nutzen den Boden, schützen ihn aber auch. Mit gezieltem Aufbau von Humus und Bodenleben lässt sich die Bodenfruchtbarkeit steigern und gleichzeitig Kohlenstoff einlagern – Kohlenstoff aus dem Kohlendioxid der Luft, der über die Photosynthese der Pflanzen in den Pflanzen und im Boden gespeichert wird. Bemerkenswert: Die Wald- und Agrarökosysteme speichern zusammen so viel organischen Kohlenstoff wie Deutschland bei dem derzeitigen Emissionsniveau in 23 Jahren als CO2 emittiert. Die Zahlen verdeutlichen die Verantwortung, diese Vorräte an organischem Kohlenstoff durch eine nachhaltige Nutzung zu sichern und, wo möglich, zu mehren. Der Ackerboden ist zudem ein empfindlicher Organismus: Unter einer Fläche von einem Hektar leben 15 Tonnen Bodenlebewesen. 

Wir können uns glücklich schätzen, dass Deutschland eine der fruchtbarsten Agrarregionen weltweit ist. Dabei sollte uns bewusst sein, dass der Boden eine nicht erneuerbare Ressource ist. Um die hohe Fruchtbarkeit unserer Böden in Deutschland zu erhalten, müssen wir sie nachhaltig bewirtschaften. Sie sichern unsere Ernährung. Gesunde und fruchtbare Böden können auch dazu beitragen, den Klimawandel aufzuhalten. Deshalb setzt sich mein Ministerium bei der jetzt stattfindenden UN-Klimakonferenz in Polen dafür ein, dass der globale Bodenschutz einen größeren Stellenwert bekommt und wegweisende Ansätze mit Mitteln aus der internationalen Klimafinanzierung auf den Weg gebracht werden."

Hintergrund: 

Deutschland hat sich durch die Ratifizierung der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen dazu verpflichtet, das durch Menschen verursachte Quellen und Senken von Treibhausgasen und die Vorräte an Kohlenstoff in Böden und Biomasse zu berichten. Ein aktueller und einheitlicher Datensatz, der den Kohlenstoffgehalt der Böden für das gesamte Bundesgebiet misst, fehlte bislang. Mit der Bodenzustandserhebung Landwirtschaft wird erstmalig eine deutschlandweite, konsistente und repräsentative Inventur der Kohlenstoffvorräte in den obersten 100 cm landwirtschaftlich genutzter Böden durchgeführt. Die Böden sind weltweit nach den Ozeanen der zweitgrößte Kohlenstoffspeicher der Erde. Die Bodenzustandserhebung wird in Zukunft alle zehn Jahre stattfinden, um mögliche Veränderungen der Kohlenstoffvorräte und Bodeneigenschaften zu erfassen. Sie wird damit zu einer wichtigen Grundlage für die weitere Bodenschutz- und Klimapolitik.

Quelle: Pressemitteilung des BMEL