Verarbeiter


Verbände für Bio-Verarbeiter in Deutschland und Europa

Die Verbandslandschaft der Bio-Branche ist geprägt von den Anbauverbänden, wie Naturland, Bioland und vielen anderen. Zentrale Aufgabe war und ist der Informationsaustausch untereinander, aber auch mit den nachgelagerten Wirtschaftsbereichen, weshalb schon immer auch Bio-Verarbeiter an den Anbauverbänden beteiligt waren. Über die Jahre haben sich jedoch eigene Zusammenschlüsse etabliert, welche sich spezifischer mit Themen der Herstellung und Verarbeitung von Biolebensmitteln auseinander setzen.

Mit einer Stimme sprechen

Aufgabe von Verbänden ist neben dem bereits genannten Informationsaustausch der Mitglieder häufig auch die Ausgestaltung und Mitwirkung an Verordnungen und Gesetzen, um die Handlungsspielräume der Unternehmen zu wahren und einen fairen Wettbewerb untereinander und mit konventionell wirtschaftenden Unternehmen zu erlangen. Dabei ist die Abstimmung der Interessenslagen der Verbandsmitglieder zentraler Inhalt, denn je klarer und eindeutiger die Stellungnahmen Richtung Behörden und Politik ausfallen, desto größer sind die Chancen gehört zu werden. Weiterhin leisten Verbände wichtige Arbeit, indem sie Aufgaben übernehmen, die im Tagesgeschäft der Unternehmen einfach nicht leistbar sind. So kosten beispielsweise die Informationsbeschaffung oder das Auseinandersetzen mit spezifischen Themen viel Zeit.

Profitieren von der Gemeinschaft

Eine Mitgliedschaft in einem Branchenverband bietet dementsprechend eine weite Bandbreite an Informationen zu aktuellen politischen und gesetzgeberischen Entwicklungen, sowie verarbeitungsrelevanten Fragen. Wer zudem auf der Suche nach Kontakt und Netzwerk zu Gleichgesinnten ist, wird in einem Verband häufig fündig. Auch bieten viele die Möglichkeit sich in Arbeitsgruppen zu spezifischen Themen auszutauschen und voneinander zu lernen. Wer sich also mit etwas mehr Zeit und Engagement einbringen will und kann, hat hier viele Mitwirkungsmöglichkeiten.

Deutschland

Verbandsmitglieder der AöL in der Diskussion. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Der Austausch zwischen den Mitgliedern, sowie die gemeinsame Findung von Positionen ist zentraler Bestandteil von Branchenverbänden, damit diese die Interessen der Unternehmen Richtung Politik vertreten können. Foto: AöL, Anne Baumann

Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller e.V. (AöL) 

Die Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL) ist eine Arbeitsgemeinschaft von über 100 Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft. Ihre Mitglieder stammen aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und den Niederlanden.  

Wie ist die AöL organisiert?
  • Arbeitskreise der Mitglieder zu den Themen Markt und Verbraucher, Nachhaltigkeit, Recht- und Richtlinien, Rohstoffsicherung, Brot und Backwaren, Tier und Fleisch, Jungunternehmer und Österreich, sowie Arbeitsgruppen zu Verpackung, Veggie/Vegan und Bio kommunizieren
  • Veröffentlichung von Info- oder Positionspapieren (Beispiel: Positionspapier zum Thema Qualität und Sicherheit, Informationsschreiben zur Acrylamidverordnung oder dem Umgang mit Pesitizidrückständen)
  • Vernetzung mit anderen europäischen Verbänden
  • Mitarbeit in nationalen und europäischen Projekten
  • Haupt- und Mitveranstalter von Seminaren und Tagungen  Ansprechpartner unter anderem für Fragen zur Verarbeitung und Kennzeichnung von Bio-Produkten
  • Fragen zu Marketing-, Rohstoff- und Nachhaltigkeitsthemen im Unternehmen
  • Fragen zur Prozessqualität ökologischer Lebensmittel
  • Fragen zur Umsetzung der Vorgaben der EU-Richtlinien für ökologischen Landbau 

Bundesverband Naturkost Naturwaren e.V. (BNN)

Im BNN sind mehr als 200 Unternehmen der Naturkost- und Naturwarenbranche organisiert. Einen großen Anteil stellen selbstständige Naturkost-Einzelhändler sowie Einzelhandelsfilialisten. Die nächstgrößere Gruppe bilden die Naturkost-Verarbeiter, gefolgt vom -Großhandel und den -Importeuren. 

Wie ist der BNN organisiert?
  • Monitoring für Obst, Gemüse und Trockensortiment
  • Erarbeitung und Weiterentwicklung von Qualitätsrichtlinien, beispielsweise Sortimentsrichtlinien für den Naturkost-Fachhandel
  • Etablierung des BNN-Orientierungswerts für Pestizide
  • Bereitstellung von Unterstützung im Bereich der Qualität (Beispiel: Aromenempfehlung, Strategie zur Reduktion von Weichmachern oder Leitfaden zum Einsatz von Serviceverpackungen)
  • Erhebung von Marktdaten im Naturkost-Fachhandel
  • Angebot von Seminaren und IHK-zertifizierten Weiterbildungen durch das Bildungswerk BNN
  • Ansprechpartner unter anderem für Fragen zum Markt für Naturkost und Naturwaren, zu Empfehlungen und Richtlinien für Produkte im Naturkosthandel und zum BNN-Orientierungswert
  • Monitoring für Obst- und Gemüse, sowie Trockensortiment im Naturkosthandel (Schwerpunkt Pestizidanalysen)
  • Fragen zur Weiterbildung von Mitarbeitern im Naturkosthandel
  • Hersteller, Groß- und Einzelhändler, die Unterstützung in Sachen Qualität, Kommunikation, Branchenvertretung oder Weiterentwicklung suchen
  • Kontakt über die Bio-Branche hinaus

Neben diesen Bioverbänden, in welche Bio-Hersteller direkt Mitglied werden können, um sich über spezifische Themen zur Herstellung ökologischer Lebensmittel auszutauschen, gibt es auch weitere Branchenverbände, die für alle (konventionelle und ökologische) Unternehmen offen sind. Diese sind nicht auf Bio spezialisiert, beschäftigen sich aber auch mit bio-relevanten Themen. 

Die folgenden Verbände stellen nur eine Auswahl dar.

Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL) 

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL)  ist der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft. Ihm gehören circa 500 Verbände und Unternehmen der gesamten Lebensmittelkette – Industrie, Handel, Handwerk, Landwirtschaft und angrenzende Gebiete – sowie zahlreiche Einzelmitglieder an. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit Themen rund um das Thema Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (beispielsweise Aromen, Kennzeichnung, Gentechnik, Rückstände und viele mehr).

Die Freien Bäcker. Zeit für Verantwortung e.V.

Die Freien Bäcker ist ein Zusammenschluss von handwerklich arbeitenden Bäckerinnen und Bäckern. Der Verband besteht seit 2011 und hat sich der Bewahrung der Souveränität sowie der Weiterentwicklung des Bäcker-Handwerks verschrieben. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die Schaffung von Lebens-Mitteln – von ‚Mitteln zum Leben‘ – und die ganzheitliche Qualität der von den Mitgliedern hergestellten Brote und Gebäcke. 

Unternehmensgrün

UnternehmensGrün e.V. ist ein ökologisch orientierter Unternehmensverband. Seit 1992 engagieren sich hier Unternehmen, die Verantwortung für Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft verbinden. Der Verband ist nicht nur für Unternehmen der Lebensmittelbranche offen,  beschäftigt sich aber stark mit Themen wie Nachhaltigkeit, weshalb hier auch einige Bio-Hersteller engagiert sind. 

Europa

International Federation of Organic Agriculture Movements – EU Gruppe (IFOAM EU)  

Die IFOAM EU ist der europäische Dachverband der Bio-Branche und repräsentiert mit über 190 Mitgliedern die gesamte Wertschöpfungskette. Sie engagiert sich für ökologische, soziale und ökonomisch nachhaltige Systeme, die auf den Prinzipien der ökologischen Landwirtschaft beruhen.

Wie ist die IFOAM EU organisiert?
  • Vertretung der europäischen Interessen der Bio-Branche gegenüber der EU
  • Enger Kontakt zu den europäischen Gremien, mehrere Sitze in Expertengruppen der EU-Kommission
  • Veröffentlichung von gemeinsamen Positionspapieren, offenen Briefen an Politiker und Informationen über den europäischen Bio-Markt
  • Veranstalter von europäischen Konferenzen und Kongressen für die Bio-Branche
  • Arbeitsgruppen der Mitglieder zu verschiedenen Themen (Landwirtschaft, Verarbeitung, Kontrollwesen, Politik, Bio-Recht, Kommunikation)

Speziell für Herstellerinteressen gibt es die Arbeitsgruppe Interest Group Organic Processing (IGOP). Die Gruppe diskutiert über verarbeitungsrelevante Themen und erarbeitet gemeinsame Positionen. Ansprechpartner unter anderem  für

  • Fragen rund um die europäische Bio-Gesetzgebung und den europäischen Bio-Markt
  • Fragen zu politischer Öffentlichkeitsarbeit der Bio-Branche in der EU
  • Interessenten, die sich auf europäischer Ebene engagieren oder austauschen wollen 

Organic Processing and Trade Association Europe e.V. (OPTA) 

Die in 2017 gegründete OPTA ist ein Zusammenschluss von in Europa ansässigen und international tätigen Bio-Handels- und Verarbeitungsunternehmen. Er will die Weiterentwicklung der biologischen Lebensmittel- und Landwirtschaft in Europa in enger Zusammenarbeit mit Kundschaft, Biobäuerinnen und -bauern und anderen Teilen der Wertschöpfungskette unterstützen und sich als Austauschplattform sowie Interessensvertretung für Bio-Hersteller, die europaweit tätig sind, aufbauen. Da der Verband noch so jung ist, bietet er interessierten Unternehmen besonders viele Gestaltungsmöglichkeiten. 

Kontakt über die Bio-Branche hinaus

Als Pendant zum BLL in Deutschland gibt es auch auf EU-Ebene Verbände, die für die gesamte Lebensmittelwirtschaft tätig sind. Diese sind wie in Deutschland nicht auf Bio spezialisiert, beschäftigen sich aber auch mit biorelevanten Themen.

FoodDrinkEurope

FoodDrinkEurope ist der Dachverband der Lebensmittelindustrie in der EU. Ziel des Verbandes ist es, allen europäischen Lebensmittelunternehmen zu ermöglichen, den Bedürfnissen der Konsumentinnen und Konsumenten, sowie der Gesellschaft nachzukommen. Und das unabhängig von ihrer Größe. Zudem möchte der Verband Möglichkeiten für ein nachhaltiges Wachstum aufzeigen. Weiterhin beschäftigt er sich mit allen Lebensmittelrelevanten Themen von Forschung, Recht und Lebensmittelsicherheit, über Ernährung, Nachhaltigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR). 


Letzte Aktualisierung: 24.01.2018