Verarbeiter


Welche rechtlichen Grundlagen gelten für Bioverarbeiter?

Wenn Sie Biolebensmittel herstellen und vermarkten wollen, müssen Sie die Vorgaben der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau einhalten und sich von einer zugelassenen Kontrollstelle kontrollieren und zertifizieren lassen.

Für die Biolebensmittelherstellung wird in den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau insbesondere Folgendes geregelt:

  • Zutaten: Es dürfen (bis auf einige Ausnahmen) nur biozertifizierte Rohstoffe eingesetzt werden. Die zulässigen konventionellen Zutaten dürfen einen Anteil von fünf Prozent nicht überschreiten. Die zulässige Zusatz- und Hilfsstoffe sind in einer Positivliste im Anhang VIII gelistet.
  • Gentechnikausschluss: Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) und aus oder durch GVO hergestellte Erzeugnisse dürfen nicht als Lebensmittel, Verarbeitungshilfsstoff oder Mikroorganismus verwendet werden.
  • Qualitätssicherung im Wareneinkauf und bei der Warenannahme: Biorohstoffe müssen auf Rechnungen und Lieferscheinen des Verkäufers eindeutig als Bioprodukte gekennzeichnet sein.
  • Dokumentation: Rezepturen, Eingangs- und Ausgangsrechnungen, Produktionsaufzeichnungen und Inventurlisten zur Überprüfung des Warenflusses im Unternehmen müssen dokumentert werden.
  • Trennung von konventionellen und biologischen Zutaten und Produkten: Lagerung, Produktion und Transport von ökologischen Rohwaren beziehungsweise verarbeiteten Produkten sind so zu gestalten, dass eine Verwechslung, Vermischung oder Kontamination mit Produkten und Stoffen, die nicht den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau entsprechen, ausgeschlossen ist. Lagerstätten und Produktionsräume und -geräte, die für ökologische und nicht ökologische Erzeugnisse genutzt werden, müssen vor der Nutzung für Biowaren gereinigt werden. Die Wirksamkeit der Reinigungsmaßnahmen ist zu prüfen und zu dokumentieren.

Wie werden Biolebensmittelhersteller kontrolliert?

Im Rahmen des Kontrollverfahrens nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau wird mindestens einmal jährlich eine Betriebskontrolle durchgeführt. Risikobezogen können weitere, unangekündigte Kontrollen durchgeführt werden. Die Kontrolle für Verarbeitungsunternehmen umfasst

  • die Besichtigung sämtlicher Betriebsgebäude,
  • die Überprüfung des Betriebsmittelzukaufs,
  • eine Plausibilitätsprüfung der verkauften Mengen,
  • die Überprüfung der Deklaration,
  • eine Überprüfung der Trennung zwischen ökologischer und konventioneller Produktion,
  • die Überprüfung der Rezepturen, des Rohwareneinkaufs und des Warenflusses in der Verarbeitung.

Die Kontrollstelle hält die Ergebnisse der Inspektion in einem Prüfbericht fest. Der Betrieb erhält eine Kopie dieses Berichtes und nach der Bearbeitung durch die Kontrollstelle die Auswertung mit Erläuterungen oder gegebenenfalls Auflagen. Bei positivem Abschluss der Kontrolle erhält das Unternehmen eine befristete Biobescheinigung.

Hier finden Sie mehr Informationen zur Kontrolle von Verarbeitungsbetrieben.

Welche Zutaten dürfen bei der Herstellung von Biolebensmitteln verwendet werden?

In Biolebensmitteln müssen mindestens 95 Gewichtsprozent der Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs aus ökologischer Erzeugung stammen. Maximal fünf Prozent der Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs können unter bestimmten Bedingungen aus konventioneller Erzeugung stammen. Hier finden Sie mehr Informationen zur Verwendung von konventionellen Zutaten.

Die Verwendung von Lebensmittelzusatzstoffen, Mikronährstoffen oder Verarbeitungshilfsstoffen ist auf ein Minimum beschränkt. In der Verordnung (EG) Nr. 889/2008 werden die erlaubten Stoffe in Anhang VIII spezifiziert.

Hier finden Sie mehr Informationen zu den zugelassenen Zutaten in der Ökoverarbeitung.

Betriebe, die privatrechtliche Lizenzverträge zur Nutzung eines Warenzeichens eines Bioverbandes (beispielsweise Demeter, Bioland oder Naturland) abgeschlossen haben, sind bei der Auswahl ihrer Rohstoffe stärker reglementiert. Hier sind nur die Rohstoffe einzusetzen, die den jeweiligen Verbandsstandards entsprechen. Bei einzelnen Verbänden ist die Verarbeitung von Nitritpökelsalz grundsätzlich nicht oder nur eingeschränkt möglich.

Welche Kosten entstehen beim Einstieg in "Bio"?

Eine Reihe von betriebsinternen Überlegungen sind erforderlich, bevor eine Bioproduktschiene etabliert werden kann. Hinzu kommen einige Veränderungen im Produktionsablauf sowie in der Herstellungstechnologie.

In der Planung und betriebswirtschaftlichen Rechnung müssen folgende Kostenfaktoren berücksichtigt werden:

  • Mitarbeiterausbildung,
  • Führung einer getrennten Lagerhaltung (eventuell Schaffung zusätzlicher Lagermöglichkeiten) und ständige Kennzeichnung der Ware,
  • Trennung der Bio- von konventioneller Produktion,
  • Produktentwicklung für Bioprodukte,
  • Organisation der Biorohstoffbeschaffung,
  • Beschaffung von Zutaten und Zusatzstoffen,
  • Entwicklung einer eigenständigen Marketingstrategie für die Bioprodukte
  • Eigenständige Warenpräsentation,
  • Organisatorische Vorbereitung für den Einstieg in die Bioproduktion (zum Beispiel Entwicklung eines Grundsortiments von Biorezepturen, Zuständigkeit eines Mitarbeiters für den Biobereich, Reinigung der Betriebsanlagen und Betriebsräume mit Öko-Reinigungsmitteln)
  • Kosten der Kontrolle.

Letzte Aktualisierung: 29.02.2016