Verarbeiter


Grundlagen

Getreidemotte
Bei starkem Befall mit Getreidemotten kann es zu Masseverlusten von bis zu 50 Prozent kommen.
Foto: JKI

Schädlingsmanagement statt Schädlingsbekämpfung

Ökologische Rohstoffe zur Lebensmittelverarbeitung werden unter erheblichen Einschränkungen von chemischen Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmitteln zum Beispiel ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel erzeugt - einem der wichtigsten Grundsätze des Ökolandbaus. Die Erhaltung dieser erzeugten Qualität bezieht sich auch auf die Lagerung und Verarbeitung dieser hochwertigen Rohstoffe. Es ist daher selbstverständlich, ohne "Chemieeinsatz" auszukommen. Das ist im Bereich der Schädlingsbekämpfung in Lebensmittel verarbeitenden Betrieben unter Umständen schwierig. Gerade in Betrieben, die neben ihrem konventionellen Angebot auch Biolebensmittel herstellen, kann die Problematik des Kontaktes von konventionellen Schädlingsbekämpfungsmitteln mit Ökoprodukten auftreten.

Gesetzliche Grundlagen

Die gesetzliche Regelung der Schädlingsbekämpfung ist nicht eindeutig. Eine Vielzahl von Gesetzen regelt diesen Bereich. Folgende Gesetze sind für die Schädlingsbekämpfung in Betrieben, die ökologische Lebensmittel verarbeitend, hauptsächlich relevant:

  • EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau
  • Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB)
  • EU-Lebensmittelhygiene Verordnung (EG Nr. 852/2004) - bis zur Einführung nationaler Durchführungsbestimmungen gilt Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV)
  • Pflanzenschutzgesetz

Im Falle einer Verbandszugehörigkeit sind für den Betrieb die privatrechtlichen Regelungen der Anbauverbände bedeutsam. Die einzelnen Verbände geben für den Verarbeiter in ihren Richtlinien Auskunft über erlaubte Mittel und Methoden.

Die Anbauverbände Demeter und Bioland haben in ihren Verarbeitungsrichtlinien explizit detaillierte Regelungen zum Vorratsschutz und zur alternativen Schädlingsbekämpfung erarbeitet. Diese können als richtungweisend bezeichnet werden.

Im rechtlichen Bereich tritt folgende Schwierigkeit auf: Verschiedene Rechtsauffassungen bzgl. der Auslegung der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau im Hinblick auf die Anwendung von Lagerschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln sind möglich, denn die EU-Vorschriften regeln die Schädlingsbekämpfung nur für den Erzeugerbereich und nicht für den Verarbeitungsbereich. Hierdurch entstehen verschiedene Interpretationsmöglichkeiten bei der Auswahl und Anwendung der Mittel und bestehen Unsicherheiten über die Zulässigkeit.

In den gesetzlichen Regelwerken ist die jährliche Kontrolle gemäß den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau festgelegt. Für diese jährliche Überprüfung ist es wichtig, von jeder Bekämpfungsmaßnahme ein Protokoll anzufertigen.