Verarbeiter


Einführung in das Qualitätsmanagement

Die Forderung nach hochwertigen und sicheren Lebensmitteln sowie lückenloser Rückverfolgbarkeit führen zu einer verstärkten Bedeutung eines Qualitätsmanagementsystems (QM-Systems) in lebensmittelverarbeitenden Unternehmen. Diese Forderung betrifft auch Unternehmen der Biobranche. Hier wird nun zusätzlich zu den bereits bestehenden Verpflichtungen der Zertifizierung nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau ein Zertifikat über ein bestehendes QM-System verlangt. Nur so ist es möglich, sich im Wettbewerb mit anderen Biounternehmen hervorzuheben und langfristigen Erfolg zu sichern.

Um mit den Begriffen Qualität und Qualitätsmanagement richtig umgehen zu können, muss man sie erst verstehen.

Qualität

Der Begriff Qualität wird als "Übereinstimmung mit den Anforderungen" (Crosby, 1979) beschrieben.

Die Anforderungen werden dabei von den Kunden festgelegt und nicht vom Produzenten selbst. Die aktuelle Rechtslage sieht den Schutz des Verbrauchers an oberster Stelle, somit ist jedes Unternehmen in der Lebensmittelkette gezwungen, die vorgegebenen Standards einzuhalten und sich rechtlich und fachlich diesbezüglich abzusichern. Eine Möglichkeit der Absicherung ist die Umsetzung verschiedener Normen und die Zertifizierung, als Beweis für die Einhaltung der Anforderungen der einzelnen Normen.

Qualitätsmanagement

Hinter dem Begriff "Qualitätsmanagement" steht das systematische Planen, Umsetzen und Dokumentieren aller Tätigkeiten, die vor, während und nach der Herstellung eines Produktes Einfluss auf dessen Qualität haben. Es sollte also nicht nur die Endkontrolle eines Produktes im Vordergrund stehen, sondern die stetige Qualitätskontrolle im Verlauf der Produktentstehung, vom Rohstoff über die Produktion bis hin zur Lagerung und dem Verkauf.

Um ein Qualitätsmanagementsystem (QM-System) einzuführen und durch ein unabhängiges Institut zertifizieren lassen zu können, muss das Unternehmen die Anforderungen der DIN EN ISO 9001:2000 erfüllen. Der Begriff DIN EN ISO setzt sich aus folgenden Bestandteilen zusammen:

  • DIN: Deutsches Institut für Normung, Erarbeitung nationaler Normen
  • EN: Europäische Norm, Deutschland ist Mitglied im CEN: Europäisches Komitee für Normung, Ausarbeitung europäischer Normen
  • ISO: International Organisation für Normung, weltweite Vereinigung

Somit ist die Normenreihe DIN EN ISO 9000:2000 eine international gültige Norm.

Struktur und Aufbau der DIN EN ISO 9000:2000

  • 9000:2000 QM-Systeme, Grundlagen und Begriffe
  • 9001:2000 QM-Systeme, Anforderungen
  • 9004:2000 QM-Systeme Leitfaden zur Leistungsverbesserung

Problematik bei der Umsetzung in der Praxis

Bei der Einführung und Umsetzung eines QM-Systems in Unternehmen der Biobranche tauchen immer wieder Probleme auf, die es zu bewältigen gilt:

1. Hoher Zeitaufwand für die Einführung und Umsetzung

Durch das QM-System wird die lückenlose Dokumentation aller verwendeten Materialien vorgeschrieben. Dies führt zwangsläufig zu einem erhöhten Arbeitsaufwand, der sich jedoch sehr schnell auszahlen wird, da bei Kundenanfragen schnell und einfach auf die jeweiligen Dokumente zurückgegriffen werden kann.

2. Verfahren werden nicht oder nur ungenügend eingehalten und umgesetzt

Eingeführte und von der Norm geforderte Verfahren werden oft nicht als sinnvoll betrachtet und deshalb nicht in ausreichendem Maße umgesetzt, obwohl sie einen großen Nutzen für die Abläufe im Unternehmen haben.

3. Das QM-System wird häufig zu schnell aufgebaut und nicht an die Unternehmensgröße angepasst

Wird das QM-System zu schnell aufgebaut und nicht an die Unternehmensstruktur angepasst, kann es nicht den gewünschten Erfolg bringen.

4. Das Verständnis für die Anwendung der Dokumente fehlt

Den Mitarbeitern fehlt oft das Verständnis für die Anwendung neuer Dokumente, z.B. das Ausfüllen von Reinigungschecklisten, Formblättern, usw.

5. Das Qualitätsbewusstsein der Mitarbeiter fehlt bzw. ist unzureichend

Ein QM-System kann nur mit Hilfe aller Mitarbeiter eingeführt und dauerhaft realisiert werden. Durch Workshops, Qualitätszirkel und regelmäßige Schulungen muss versucht werden, den Mitarbeitern ein Gefühl für die Wichtigkeit der eingeführten Maßnahmen und für die Qualität ihrer Arbeit, und dadurch der Produktqualität, zu vermitteln.

All die genannten Probleme müssen durch die Unternehmensleitung ernst genommen werden und es sind Maßnahmen zu ergreifen, um ihnen entgegenzuwirken. Nur so ist es möglich, ein funktionierendes QM-System aufzubauen, sinnvoll umzusetzen und den erwünschten Erfolg damit zu erzielen.

Struktur eines prozessorientierten QM-Systems

Aus der folgenden Abbildung werden die bedeutende Rolle des Kunden und das Zusammenwirken der Prozesse in einem QM-System deutlich.

Zusammenwirken der Prozesse in einem QM-System; Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Zusammenwirken der Prozesse in einem QM-System

Unter den Kunden sind dabei nicht nur die Endverbraucher zu verstehen, sondern auch die verarbeitenden Betriebe und der Lebensmittelhandel.

Die Kundenanforderungen bilden den Input, der zur Produktrealisierung führt. Während des Produktionsprozesses findet ein ständiger Prozess der Messung, Analyse und Verbesserung statt. Die Unternehmensleitung muss für die Bereitstellung der benötigten Mittel (personelle, finanzielle, materielle), den reibungslosen Ablauf der Prozesse und deren Überwachung sorgen. Durch den Produktrealisierungsprozess sollen Produkte entstehen, die die Kundenanforderungen bestmöglichst erfüllen und zu einer hohen Kundenzufriedenheit führen.

Der gesamte Prozess soll zu einer ständigen Verbesserung des QM-Systems beitragen.