Verarbeiter


Bio made in USA - Abkommen zur Gleichwertigkeit

USDA Organic Logo
Für den amerikanischen Biomarkt unerlässlich: das Logo des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums für Bioprodukte. Bild: United States Department of Agriculture (USDA)

Seit Juni 2012 sind die Ökostandards der EU und der USA als gleichwertig anerkannt. Europäische Produzenten und Verarbeiter können also jetzt nach US-Bio-Standard erzeugte Rohstoffe ohne besonderen bürokratischen Zusatzaufwand einführen und verwenden - und umgekehrt.

Klaus Tepel vom Zertifizierungsunternehmen ABCERT erwartet keine massiven Einfuhren aus den USA. Es gehe eher um einen "Nischenmarkt". Aus ganz schlichtem Grund: Sowohl die USA als auch die EU sind "aufnehmende Märkte", die Nachfrage übersteigt das heimische Angebot, da bleibt nicht viel Spielraum für gegenseitige Einfuhren.

Trotz der grundsätzlichen Anerkennung der Standards als gleichwertig bestehen nicht unerhebliche Unterschiede: So sind Antibiotika in der ökologischen Nutztierhaltung in den USA untersagt, während sie beim Ökolandbau in Europa unter bestimmten Voraussetzungen und in Maßen erlaubt sind. Die Milcherzeugung ist dabei ein wesentliches Thema, denn der Export von nach US-Bio-Standard hergestellten Milchprodukten, wie etwa Milchpulver für die Keksherstellung, über den Atlantik hinweg kann für Milchverarbeiter ein lukrativer Markt sein. Verschiedene Molkereien in Deutschland, Österreich und der Schweiz verzichten bereits auf den Antibiotika-Einsatz für einen Teil ihrer Milcherzeugung als Zusatznutzen für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Vorreiter ist dabei die Gläserne Molkerei in Münchehofe südlich von Berlin: 20 der 110 Biobauern, die an die Gläserne Molkerei liefern, sind seit einigen Jahren zusätzlich nach dem National Organic Program (NOP), dem Bio-Standard der USA, zertifiziert. Denn die Brandenburger liefern Milchpulver und Butter als Rohstoff für die deutsche und schweizerische Bio-Keks- und Bio-Schokoladenindustrie, die ihre Ware wiederum auch in den USA verkauft.

Nicht nur Milchprodukte sind betroffen

Etui mit Homöopathika. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Nicht nur Tierwohl und betriebswirtschaftliche Gründe sprechen für den Einsatz von naturheilkundlichen Verfahren für die Tiergesundheit. Der amerikanische Standard zur Zertifizierung von Lebensmitteln verbietet den Einsatz von Antibiotika im Ökolandbau. Foto: Thomas Stephan, BLE

Der klaren Regelung beim Antibiotika-Einsatz stehen andere Vorschriften gegenüber, die nun unter den Tisch fallen: So beklagt etwa die britische Tierschutzorganisation Compassion in World Farming, dass bei US-Biofarmern keine Tierbesatzgrenzen bestünden oder Enten keinen Wasserzugang haben müssten. Tatsächlich sind manche US-Vorschriften vergleichsweise allgemein formuliert. Doch Fachleute verweisen darauf, dass die US-Inspektoren beim "animal welfare" rigide verfahren.

Zulässig im US-Import sind auch verschiedene hierzulande untersagte Zusatzstoffe. So können US-Lebensmittel in die Bioläden kommen, die mit Vitaminen, Mineralstoffen oder Spurenelementen angereichert sind. Allerdings: Für die europäische Ökobranche und die europäischen Verbraucher passen Vitaminanreicherung und Ökolebensmittel nicht zusammen.

Was die Regelungen für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) angeht, bestehen wesentliche Unterschiede zwischen den Regelungen in den USA und der EU. Trotz des Äquivalenzabkommens gelten weiter die EU-Gentechnikgesetze, die Verbraucher vor der Einfuhr gentechnisch verunreinigter Produkte nach Deutschland schützen.

Für den Verbraucher könnte es also undurchsichtiger werden auf dem Markt. Für die europäischen Biolebensmittelverarbeiter jedoch kann dies auch als eine Chance zur positiven Abgrenzung gegenüber amerikanischen Produkten gewertet werden.

NOP-Kontrollbescheinigung

Ähnlich wie bei Importen von Bio-Ware in die EU, muss auch Bio-Ware, die aus der EU in die USA exportiert werden soll von einer Kontrollbescheinigung begleitet werden. Ebenso wie bei der EU steht auch hierfür ein vorgeschriebenes Formular der USDA (amerikanische Landwirtschaftsbehörde) zur Verfügung. Dieses muss von der für das europäische Unternehmen zuständigen Öko-Kontrollstelle ausgestellt werden.

Eine zusätzliche NOP-Zertifizierung ist für ein europäisches Unternehmen nicht notwendig, sofern

  • ein Nachweis vorliegt, dass in der Tierhaltung für tierische Produkte keine Antibiotika eingesetzt wurden
  • die Produkte in der EU hergestellt werden oder der letzte Herstellungs- oder Verpackungsschritt in der EU erfolgt
  • die Ware von der NOP Kontrollbescheinigung begleitet wird

Tierische Produkte aus Aquakultur sind grundsätzlich von dem Abkommen ausgeschlossen. Weitere Informationen, auch zur Kennzeichnung der Ware stellt die USDA hier auf englisch zur Verfügung.


Letzte Aktualisierung: 31.08.2017