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Kennzeichung von Biolebensmitteln

Die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau regeln detailliert die Kennzeichnung von Bioprodukten und von Produkten mit ökologischen Komponenten. Sie definieren zum einen die Produktionsvorschriften für Erzeugnisse, die uneingeschränkte Biohinweise tragen dürfen. Zum anderen ermöglichen sie auch die eingeschränkte Kennzeichnung von Produkten, bei denen nur einzelne Komponenten in biologischer Qualität eingesetzt werden.

95-Prozent-Regelung bei Bioprodukten

Oberes Vorderseitenetikett und unteres Rückseitenetikett einer Biofenchelsalami. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Bei Bioprodukten ist eine uneingeschränkte Bioauslobung möglich. Bild: nach A. Beck 2008

Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen verarbeitete Produkte, deren landwirtschaftliche Zutaten zu mindestens 95 (Gewichts-)Prozent aus ökologischem Landbau stammen, mit einem uneingeschränkten Biohinweis versehen werden. Bei ihrer Herstellung müssen die Bedingungen des Artikels 27 Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 889/2008 eingehalten werden. Zudem dürfen lediglich die in den Anhängen VIII und IX gelisteten Stoffe verwendet werden. Nicht in Anhang IX gelistete landwirtschaftliche Zutaten dürfen nur nach Genehmigung der BLE verwendet werden. 

Die bisher gültige 70-Prozent-Regelung gibt es seit dem 1. Januar 2009 nicht mehr. Es wird nur noch unterschieden zwischen der Kennzeichnung in der Verkehrsbezeichnung verarbeiteter Lebensmittel und der im Zutatenverzeichnis. Für die Kennzeichnung in der Verkehrsbezeichnung müssen mindestens 95 Gewichtsprozente der Zutaten aus ökologischer Landwirtschaft stammen und für verarbeitete Lebensmittel die Anforderungen des Artikels 19 erfüllt werden.

Eine Bioauslobung darf nur dann erfolgen, wenn alle Bestandteile des Produktes die Bestimmungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau einhalten. Die Bezeichnungen einschließlich der in Handelsmarken verwendeten Bezeichnungen dürfen nicht für den Verbraucher irreführend verwendet werden. Aufgeführt sein muss bei der Bioauslobung verpackter Erzeugnisse immer die Codenummer der Kontrollstelle oder Kontrollbehörde des Unternehmens, das die letzte Erzeugungs- oder Aufbereitungshandlung vorgenommen hat.

Zudem ist für vorverpackte Lebensmittel die Verwendung des Gemeinschaftslogos vorgeschrieben. Sofern eine Auslobung von Erzeugnissen mit Bezug auf die ökologische Produktion erfolgt, ist ab dem 01.07.2010 im Sichtfeld des Gemeinschaftslogos der Ort der Erzeugung der landwirtschaftlichen Rohstoffe zu kennzeichnen. Diese Kennzeichnung unterscheidet die folgenden Formen:

  • "EU-Landwirtschaft": bei landwirtschaftlichen Ausgangsstoffen, die in der EU erzeugt wurden.
  • "Nicht-EU-Landwirtschaft": bei landwirtschaftlichen Ausgangsstoffen, die in Drittländern erzeugt wurden.
  • "EU-/ Nicht-EU-Landwirtschaft": bei landwirtschaftlichen Ausgangsstoffen, die zum Teil in der EU und zum Teil in einem Drittland erzeugt wurden.
  • Angabe eines Landes: Wenn alle landwirtschaftlichen Ausgangserzeugnisse aus einem Land stammen, kann die Angabe "EU" oder "Nicht-EU" durch die Angabe dieses Landes ersetzt oder ergänzt werden.

Auslobung von Ökozutaten im Zutatenverzeichnis

Oberes Vorderseitenetikett und unteres Rückseitenetikett von konventionellen Haferkeksen aus Biohaferflocken. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Bei Produkten mit einzelnen Biokomponenten darf der Hinweis auf den ökologischen Landbau nur im Zutatenverzeichnis vorgenommen werden.#Bild: nach A. Beck 2008

Diese Art der Kennzeichnung war in der alten EG-Öko-Verordnung nicht vorgesehen und gilt erst seit dem Inkrafttreten der neuen EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau am 1. Januar 2009. Hierfür müssen folgende Bedingungen erfüllt werden:

  • Das Unternehmen muss sich dem Ökokontrollverfahren unterstellen.
  • Die Produktion muss räumlich oder zeitlich getrennt von der Produktion nicht ökologischer Lebensmittel durchgeführt werden (Artikel 19, Absatz 1 der EG-Verordnung Nr. 834/2007).
  • Das Erzeugnis muss überwiegend aus Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs hergestellt sein. Hinzugefügtes Wasser und Kochsalz werden nicht berücksichtigt.
  • Als Zusatzstoffe und Verarbeitungshilfsstoffe dürfen nur die in Artikel 27, Absatz 1 der EG-Verordnung Nr. 889/2008 und in deren Anhang VIII aufgeführten Stoffe eingesetzt werden.
  • Eine  ökologische Zutat darf nicht zusammen mit der gleichen nicht ökologischen Zutat oder einer Zutat aus der Umstellung im selben Produkt verwendet werden.

Bei diesen Produkten darf keine Bioauslobung im selben Sichtfeld wie die Verkehrsbezeichnung erfolgen. Auch die Nutzung des Gemeinschaftslogos ist nicht gestattet. Eine Bioauslobung darf nur im Zutatenverzeichnis erfolgen. Dabei müssen folgende Punkte berücksichtigt werden:

  • Im Zutatenverzeichnis sind die Zutaten von ökologischer Qualität entsprechend zu kennzeichnen.
  • Die Bezeichnungen und Prozentangaben müssen in derselben Farbe, Größe und Schrift wie die übrigen Angaben im Zutatenverzeichnis erfolgen.
  • Die Codenummer der für das Unternehmen zuständigen Ökokontrollstelle ist auf dem Produkt anzugeben.

Auslobung von Jagd- und Fischereierzeugnissen mit Ökozutaten

Oberes Vorderseitenetikett und unteres Rückseitenetikett eines geräucherten Wildlachses. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Bezeichnungen und Prozentangaben müssen in derselben Farbe, Größe und Schrift wie die übrigen Angaben erfolgen.#Bild: nach A. Beck 2008

Diese Art der Kennzeichnung war in der alten EG-Öko-Verordnung nicht vorgesehen und gilt seit Inkrafttreten der neuen EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau am 1. Januar 2009. Hierfür müssen folgende Bedingungen erfüllt werden:

  • Das Unternehmen muss sich dem Ökokontrollverfahren unterstellen.
  • Die Hauptzutat ist ein Wild- oder Fischereierzeugnis, alle weiteren Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs sind von ökologischer Qualität.
  • Die Produktion muss räumlich oder zeitlich getrennt von der Produktion nicht ökologischer Lebensmittel durchgeführt werden.
  • Als Zusatzstoffe und Verarbeitungshilfsstoffe dürfen nur die in Artikel 27, Absatz 1 der EG-Verordnung Nr. 889/2008 und in deren Anhang VIII aufgeführten Stoffe eingesetzt werden.
  • Eine ökologische Zutat darf nicht zusammen mit der gleichen nichtökologischen Zutat oder Zutat aus der Umstellung im selben Produkt verwendet werden.

Bei diesen Produkten darf eine Bioauslobung im selben Sichtfeld wie die Verkehrsbezeichnung erfolgen. Die Nutzung des Gemeinschaftslogos ist jedoch nicht gestattet. Es müssen folgende Punkte berücksichtigt werden:

  • Im Verzeichnis sind die Zutaten von ökologischer Qualität entsprechend zu kennzeichnen.
  • Die Bezeichnungen und Prozentangaben müssen in derselben Farbe, Größe und Schrift wie die übrigen Angaben im Zutatenverzeichnis erfolgen.
  • Die Codenummer der für das Unternehmen zuständigen Ökokontrollstelle ist auf dem Produkt anzugeben.

Kennzeichnung von Umstellungswaren

Waren, die im Rahmen der Umstellung auf den ökologischen Landbau erzeugt wurden, können unter bestimmten Umständen mit Hinweisen auf die ökologischen Produktionsverfahren vermarktet werden. Dies ist jedoch nur bei pflanzlichen Erzeugnissen möglich, für die ein Umstellungszeitraum von mindestens zwölf Monaten vor der Ernte eingehalten wurde. Eine Auslobung bei tierischen Erzeugnissen ist nicht möglich. Für eine Kennzeichnung als Umstellungsware müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Das Produkt darf nur eine Zutat pflanzlichen Ursprungs enthalten, beispielsweise Apfelsaft.
  • Der Hinweis auf den ökologischen Landbau darf nur in der folgenden Form gewählt werden: "Erzeugnis aus der Umstellung auf den ökologischen Landbau" oder "Erzeugnis aus der Umstellung auf die biologische Landwirtschaft". Eine andere Formulierung ist unzulässig. Dieser Hinweis darf hinsichtlich Farbe, Größe und Schriftart nicht stärker hervortreten als die Verkehrsbezeichnung des Erzeugnisses.
  • Die Codenummer der für das Unternehmen zuständigen Ökokontrollstelle ist auf dem Produkt anzugeben.

Wichtig ist, dass Umstellungswaren keine Biowaren sind. Deshalb ist auch die Nutzung des Biosiegels oder des Gemeinschaftslogos für diese Produkte nicht zulässig.


Weitere Informationen

Berechnung des Anteils der Ökozutaten

Die Berechnung des Anteils der ökologischen Zutaten an den Gesamtzutaten wurde geändert. Im Anhang VIII der EG-Verordnung Nr. 889/2008 sind  die Lebensmittelzusatzstoffe mit Sternchenkennzeichnung in der Spalte "Code" ausgewiesen, die gemäß Artikel 23 Absatz 4 Buchstabe a Ziffer ii der EG-Verordnung Nr. 834/2007 zu den Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs zu rechnen sind.

Mehr Infos zur Zutatenberechnung

Verwendung der Kontrollen-Codenummern

Art. 58 der EG-Verordnung Nr. 889/2008 legt fest, dass künftig unmittelbar unter dem Gemeinschaftslogo die Codenummer der Kontrollstelle angegeben werden muss. Der geografische Herkunftshinweis muss wiederum im selben Sichtfeld wie die Codenummer stehen.

Mehr Informationen zur Biokontrolle

Das neue EU-Bio-Logo zur Kennzeichnung ökologischer Lebensmittel

Seit dem 01.07.2010 besteht Kennzeichnungspflicht mit dem Gemeinschaftslogo auf vorverpackten und verarbeiteten ökologischen Lebensmitteln. Es darf nur für ökologische Lebensmittel, die mindestens 95 Gewichtsprozent Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs enthalten, verwendet werden.

Mehr Informationen zum neuen EU-Logo finden Sie hier.

Das Bio-Siegel

Die Nutzung des mittlerweile sehr bekannten deutschen Biosiegels ist weiterhin möglich. Dieses Zeichen steht allen Erzeugern und Verarbeitern kostenlos zur Verfügung. Das Logo kann für alle 95-Prozent-Bioprodukte, unabhängig von der Herkunft der Rohstoffe, eingesetzt werden. Die Nutzung des Zeichens ist bei der Informationsstelle Biosiegel anzuzeigen.

Informationen zur Nutzung des deutschen Biosiegels finden Sie hier

 

 

Letzte Aktualisierung: 18.08.2015