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Anforderungen an die Verpackung von Bioprodukten

Tiefkühlprodukte, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Auch Bioprodukte werden meist verpackt vermarktet. Foto: Dominic Menzler, BLE

Bioerzeugnisse werden üblicherweise verpackt vermarktet. Die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau beinhalten allerdings keine konkreten Anforderungen an Verpackungen. Einzig im Anhang III wird darauf hingewiesen, dass Verpackungen so verschlossen sein müssen, dass der Inhalt ohne Manipulation oder Zerstörung der Verpackung (bzw. eines Siegels oder einer Plombe) nicht entnommen werden kann. Eine solche Verpackung macht weitere Maßnahmen zur Sicherung von Behältnissen und Transportmitteln überflüssig.

Verbände regeln mehr

Die Ökoverbände gehen in ihren Richtlinien teilweise einen Schritt weiter und geben Positivlisten für Verpackungsmaterialien an. Zudem wird in einigen Richtlinien auf die Notwendigkeit eines sparsamen Umgangs mit Ressourcen und einer Minimierung von Umweltbelastungen durch Herstellung, Benutzung und Entsorgung von Verpackungsmaterialien hingewiesen.

Kein Pfandsystem für Bioprodukte

Joghurt in Gläsern, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Biojoghurt wird häufig in Pfandgläsern angeboten. Foto: Thomas Stephan, BLE

Mehrweg-Pfandsysteme für Bioprodukte haben sich nur bei wenigen Milcherzeugnissen (vorwiegend Milch und Joghurt) etabliert. Die eingesetzten Gebinde sind Mehrweg-Flaschen und -Gläser, welche auch für konventionelle Erzeugnisse genutzt werden und Teil der Mehrweg-Pools MMP und Kölner Form sind.

Mehrweg-Poollösungen, wie sie in den Anfangszeiten der Naturkostbewegung auch für andere Produktgruppen etabliert wurden ("Acht für Alle"), sind mittlerweile wieder abgeschafft. Insbesondere im Frischebereich hat sich der Einsatz von Napfkisten und zusammenklappbaren Steco-Kisten bewährt. Diese stehen jedoch in direkter Konkurrenz zu Einwegverpackungen.

Innovative Einwegverpackung für Bioprodukte

Ausgießen aus Milchbeutel
Diese innovative Verpackungslösung wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Foto: Brodowin

Die Suche einer kleinen Molkerei nach einer zukunftsträchtigen Einwegverpackung war Ausgangspunkt für die Einführung eines innovativen Schlauchbeutels. Dieser Milchbeutel besteht aus einem neuartigen Material, das weit weniger Öl, Energie und Wasser verbraucht als etablierte Kunststoffe. Zudem ist er für den Verbraucher einfach und praktisch zu handhaben. Die Meierei des Ökodorfes Brodowin wurde für ihr Engagement und die Implementierung dieser für Deutschland neuen Vepackungstechnologie mit dem 1. Preis des Innovationspreises 2007 in der Kategorie Handwerk ausgezeichnet.

Verpackung soll schützen

Verpackungen müssen den logistischen Anforderungen des modernen Biohandels genügen, vor allem aber die Ware vor Umwelteinflüssen, Beschädigung, Verunreinigung und Mengenverlust schützen. Die Vergangenheit zeigte jedoch, dass die Verpackung die verpackte Ware auch negativ beeinflussen kann.

Im November 2007 berichtete die Zeitschrift "test", dass in Bioschokolade Spuren des Konservierungsmittels Orthophenylphenol gefunden wurden. Recherchen ergaben, dass die betroffenen Chargen ohne Innenwickel verpackt worden waren. Die Schokolade kam in direkten Kontakt mit dem Verpackungspapier. Der im Papier enthaltene fettlösliche Konservierungsstoff migrierte in die Schokolade.

Im Herbst 2005 berichtete die Presse, dass bei Produktuntersuchungen das als Weichmacher in Kunststoffen eingesetzte toxische DEHP (Di(2-ethylhexyl)phthalat) mehrfach in Bioolivenöl gefunden wurde. Ursache der Kontamination waren Plastikschläuche, die zum Transport des Öls eingesetzt worden waren. Da trotz lebensmittelrechtlicher Zulassung das fettlösliche DEHP in das Öl migrieren konnte, mussten die Anbieter von Bioolivenöl Dichtungen, Schläuche und alle anderen Kunststoffteile austauschen. Als Reaktion auf die Weichmacher-Funde beschloss der Branchenverband BNN zusammen mit Verarbeitungs- und Handelsunternehmen, jede Charge, die zukünftig an den Naturkosthandel geliefert wird, zuvor umfassend analysieren zu lassen. Für Weichmacher wurde ein bracheninterner Grenzwert festgelegt.

Neue Verpackungsstoffe für die Zukunft

Die kontrovers diskutierte Nanotechnologie bietet neue Möglichkeiten für die Optimierung von Verpackungsmaterialien. So können diese beispielsweise antibaktieriell wirken, oder durch spezielle Sensoreigenschaften den Frischegrad des Inhalts anzeigen. Eine weitere Möglichkeit sind Kunststoffverpackungen welche die Frische von Lebensmitteln länger erhalten können (z.B. gasdichte, leichte PET-Flaschen). Die ökologische Lebensmittelwirtschaft wird sich mit den Chancen und Risiken dieser Verpackungstechnologien auseinandersetzen und entscheiden müssen, ob diese mit ihren Grundprinzipien für die ökologische Herstellung von Lebensmitteln vereinbar sind. Die Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL) hat jetzt ein Internettool entwickelt, mit dem Lebensmittelhersteller eine Entscheidungshilfe im Umgang mit biobasierten Kunststoffen an die Hand bekommen sollen. Das Tool erfasst Informationen und bewertet diese. Es hilft, bei der Vielzahl der heute vorhandenen Biokunststoffvarianten Antworten auf wichtige Fragestellungen im Bereich Ökologie, Sozialverträglichkeit, Sicherheit & Technik sowie Qualität zu bekommen.


Letzte Aktualisierung: 30.09.2015