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Vegetarische und vegane Produkte kennzeichnen: Das V-Label

Kennzeichnung vegetarischer Produkte.
Das V-Label für vegetarische Produkte.
Grafik: Vegetarierbund Deutschland e.V.

Vegetarische und vegane Ernährung boomt. In Deutschland leben laut dem Vegetarierbund Deutschland e.V. (VEBU e.V.) im Jahr 2015 fast acht Millionen Menschen vegetarisch und circa 900.000 vegan. Das sind etwa elf Prozent der Bevölkerung. Die Zahl der Vegetarier hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verzehnfacht, 1983 ernährten sich laut dem Marktforschungsinstitut GfK nur 0,6 Prozent aller Deutschen vegetarisch.

Obwohl die Nachfrage nach vegetarischen Lebensmitteln groß ist, ist es für den Endverbraucher nicht immer ganz einfach, vegetarische beziehungsweise vegane Lebensmittel auf den ersten Blick zu erkennen. Vegetarisch bedeutet nicht nur, dass im Produkt keine tierischen Bestandteile enthalten sind, sondern auch, dass bei der Verarbeitung keine tierischen Hilfsmittel eingesetzt wurden. So werden zum Beispiel Säfte teilweise durch Gelatine geklärt. Der Einsatz solcher Hilfsmittel ist für den Verbraucher nur bedingt ersichtlich. Das "V-Label" schafft hier Abhilfe und ermöglicht Verarbeitern, sich vom Markt abzuheben. Das Zeichen wird als Orientierungshilfe für Vegetarier und Veganer auf Lebensmittelverpackungen und Speisekarten eingesetzt. Das Label existiert in vier verschiedenen Kategorien:

  • "vegetarisch" (mit Eiern und Milch)
  • "milchfrei" (ohne Milch, mit Eiern)
  • "eifrei" (ohne Eier, mit Milch)
  • "vegan“ (ohne tierische Inhaltsstoffe)

Wie bekommt man als Verarbeiter das V-Label?

Grafik: Zahl an Vegetariern in Deutschland. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster
Die Zahl der Vegetarier in Deutschland steigt stetig.
Grafik: Vegetarierbund Deutschland e.V.

Das V-Label ist eine international geschützte Marke der Europäischen Vegetarier Union zur Kennzeichnung von vegetarischen und veganen Lebensmitteln. In Deutschland wird das Zeichen ausschließlich vom VEBU e.V. vergeben. Lizenzgebühren fallen in geringer Größe an. Genaue Angaben zu den Kosten können direkt beim VEBU e.V. angefragt werden.

Folgende Kriterien müssen erfüllt werden:

  • Der Nahrungsmittelproduzent muss die vollständige Zusammensetzung eines Produktes gegenüber dem Lizenzgeber offen legen.
  • Sämtliche Zutaten des Produktes müssen vegetarisch sein.
  • Es dürfen keine Schlachtprodukte als Verarbeitungshilfsstoffe zugesetzt werden (zum Beispiel keine Gelatine oder Fischblase zur Klärung von Wein, Essig, Fruchtsäften).
  • Der Betrieb akzeptiert Kontrollen der Produktionsstätten.

Die Zertifizierung erfolgt schriftlich durch ein Spezifikationsformular, das der Betrieb beim VEBU e.V. einreichen muss. Nach Prüfung und Genehmigung dürfen Produzenten das Zeichen auf der Verpackung des lizenzierten Produktes verwenden sowie für Werbemaßnahmen und Drucksachen. Zudem ist der Hersteller verpflichtet, jede Änderung der Zutaten oder Deklaration des Produktes dem VEBU e.V. zu melden.

Vorteile der Zertifizierung für Bioproduzenten

Durch das V-Label, das von einer unabhängigen Institution vergeben wird, kann ein Produkt mit einer Art "Gütesiegel" gekennzeichnet werden und erhält somit mehr Glaubwürdigkeit gegenüber aufgeklärten Kunden, die gezielt vegetarische beziehungsweise vegane Produkte suchen.
Das V-Label ist neben Deutschland auch in der Schweiz, Österreich, Belgien, Spanien, Frankreich, Kroatien, Niederlande und Serbien verbreitet. Dadurch erlangt das V-Label eine größere Bekanntheit beim Endverbraucher und somit eine höhere Marktdurchdringung.
Zudem werden alle lizenzierten Produkte in der Mitgliedszeitschrift des Vegetarierbundes "natürlich vegetarisch" sowie auf der Internetseite vorgestellt. Hierdurch entsteht ein zusätzlicher Werbeeffekt.
Bisher gibt es über 250 Unternehmen, die das V-Label für ihre Produkte nutzen. Unter ihnen sind zum Beispiel Allos, Neumarkter Lammsbräu, Tartex oder Voelkel.


Karl Ludwig Schweisfurth: Der Metzger, der kein Fleisch mehr isst… (2014),
oekom verlag, 19,95 €,
ISBN-13: 978-3865814708

Letzte Aktualisierung: 18.08.2015