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Halal-Zertifizierung

Rinderhälfte, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Insbesondere im Fleischbereich gelten besondere Halal-Kriterien. Foto: T. Stephan

Private Halal-Zertifizierungsverfahren

Eine zentrale, standardisierte Prüf- und Zertifizierungsstelle für Halal-Produkte gibt es in Deutschland bisher nicht. Die Vergabe der unterschiedlichen Halal-Siegel erfolgt freiwillig und teils auch nach unterschiedlichen Kriterien. Ein allgemein anerkanntes Halal-Gütesiegel, das von der Mehrheit der Muslime und dem Handel akzeptiert wird, gibt es nicht. Damit ist es für die Verbraucherin und den Verbraucher nur schwer erkennbar, welchen Kriterien das jeweils vorliegende Siegel entspricht. Die Zertifizierungsverfahren basieren, vergleichbar der Ökokontrolle, auf einer Prozesszertifizierung. Probennahme und Analysen von Waren können vom Zertifizierungsunternehmen hinzugezogen werden, wenn diese als Indikator für Verstöße gegen die Zertifizierungsgrundlage genutzt werden können. Die Halal-Zertifizierungsverfahren stehen allen Lebensmittelverarbeitern offen. In Deutschland gibt es circa zehn Zertifizierungsstellen für Halal-Produkte. In der Regel erfolgt ein jährliches Audit, die Zertifizierung wird produktbezogen vergeben. Die bekanntesten Zeichen sind Halal Europe, Halal Control oder EHZ – Europäisches Halal Zertifizierungsinstitut.

Anforderungen

Halal-Lebensmittel dürfen nur aus halal-konformen Rohstoffen hergestellt werden, eine Vermischung von zulässigen und nicht zulässigen Rohstoffen ist zu vermeiden. Kreuzkontaminationen in Produktion und Lager sind zu vermeiden. Halal-Erzeugnisse müssen zu jeder Zeit als solche eindeutig zu identifizieren sein, auch muss ihre Herkunft zurückverfolgt werden können.

Halal-Fleischerzeugnisse

Einen besonderen Schwerpunkt haben die Zertifizierungen auf dem europäischen Markt im Bereich der Fleischwirtschaft. Begründet ist das zum einen, dass Muslimen nicht der Verzehr sämtlicher Tierarten gestattet ist, zum anderen, da zur Schlachtung explizite Vorgaben bestehen: Tiere dürfen nur dann geschlachtet werden, wenn diese für den Konsum durch den Menschen bestimmt sind.

  • Bei jeder Halal-Zertifizierung muss ein Muslim anwesend sein. Manche Zertifizierer fordern, dass dieser die eigentliche Schlachtung vornimmt.
  • Die Schlachtung muss stets im Namen Gottes (meint, im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen) vollzogen werden.
  • Die zu schlachtenden Tiere dürfen zu keiner Situation Stress oder Ängsten ausgesetzt werden.
  • Bei der Schlachtung dürfen nur scharfe und möglichst schmerzlose Instrumente eingesetzt werden.

Das Fleisch von folgenden Tierarten gilt als haram und ist somit, unabhängig vom Schlachtverfahren und den Haltungsbedingungen, nicht konform:

  • Schweine
  • Esel

Blut gilt ebenfalls als haram. Halal-zertifiziertes Fleisch stammt somit von Tieren, die bei der Schlachtung komplett ausgeblutet sind. Bei der Verarbeitung von Fleischerzeugnissen dürfen ausschließlich Halal-Erzeugnisse eingesetzt werden.
Eine Zertifizierung der Rohstoffe ist wünschenswert, bei Nichtverfügbarkeit kann jedoch, in Absprache mit dem Zertifizierer auf andere Rohstoffe zurückgegriffen werden. Insbesondere bei Risikoprodukten, wie beispielsweise Gewürzextrakten, muss ein schriftlicher Nachweis erbracht werden, dass die Herstellung ohne Einsatz von Alkohol erfolgte.


Letzte Aktualisierung: 18.08.2015