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Die neue Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV)

Brotregal, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Auch für Bäckereien gilt die Allergenkennzeichnung loser Ware ab 13. Dezember 2014. Foto: Thomas Stephan, BLE

Seit dem 14. Dezember 2014 ist sie gültig: die neue Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) der Europäischen Union (EU). Die bisherigen Kennzeichnungsvorschriften der EU werden abgelöst und weiter vereinheitlicht. Die wichtigsten Änderungen sind die Allergeninformation auch bei loser Ware und die Pflicht zur deutlichen Kennzeichnung von Lebensmittel-Imitaten. Ziel der neuen LMIV ist, die Transparenz von Lebensmitteln für den Verbraucher zu steigern.

Ökolandbau.de fasst die wichtigsten Änderungen zusammen:

Allergenkennzeichnung bei verpackter und unverpackter Ware:

Stoffe oder Erzeugnisse, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen, müssen im Zutatenverzeichnis aufgeführt und hervorgehoben werden, sodass sie sich von anderen Zutaten eindeutig abheben. Dies kann erfolgen durch Änderung der Schriftart, Schriftstil oder Hintergrundfarbe.

Es handelt sich hierbei um folgende Allergene:

  • Glutenhaltiges Getreide (namentlich Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Kamut oder Hybridstämme davon)
  • Krebstiere
  • Eier
  • Fische
  • Erdnüsse
  • Sojabohnen
  • Milch (einschließlich Laktose)
  • Schalenfrüchte (namentlich Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Kaschunüsse, Pecannüsse, Paranüsse, Pistazien, Macadamia- oder Queenslandnüsse)
  • Sellerie
  • Senf
  • Sesamsamen
  • Schwefeldioxid und Sulfite (ab zehn Milligramm pro Kilogramm oder Liter)
  • Lupinen
  • Weichtiere (zum Beispiel Schnecken).

Stoffe, die durch die Verarbeitung oder den Herstellungsprozess ihr allergenes Potenzial verlieren, müssen nicht gekennzeichnet werden. Zu diesen Ausnahmen gehört zum Beispiel Glucosesirup auf Weizenbasis.

Bis alle Etiketten an die neue LMIV angepasst sind, kann für eine Übergangszeit ein Verkauf von Produkten mit alter Kennzeichnung stattfinden.

Diese Regelung gilt zukünftig auch für unverpackte Ware. Dies bedeutet, dass in den Verkaufsräumen an gut sichtbarer Stelle ein deutlicher Hinweis erfolgen muss, wo und wie Kunden die Allergeninformation erhalten können. Die Verordnung sieht vor, dass neben der schriftlichen Informationsmöglichkeit für die Unternehmen auch eine mündliche Information möglich ist. Basis dafür muss allerdings eine schriftliche Dokumentation sein, die sowohl nachfragenden Verbrauchern als auch den zuständigen Kontrollbehörden leicht zugänglich ist. Es bleibt den Lebensmittelproduzenten freigestellt, ob sie schriftlich oder mündlich über Allergene informieren. Produkte, die vor dem 13. Dezember nach altem Recht in Verkehr gebracht oder gekennzeichnet wurden, können unbefristet abverkauft werden.

Schriftgröße der Pflichtangaben:

Alle verpflichtenden Informationen müssen an einer gut sichtbaren Stelle, gut lesbar und mindestens in 1,2 Millimeter großer Schrift - bezogen auf die Höhe des kleinen "x", also den mittleren Buchstabenteil - gedruckt werden. Ist die größte Oberfläche der Verpackung kleiner als 80 Quadratzentimeter, muss die Schrift mindestens 0,9 Millimeter groß sein.

Einfrierdatum:

Bei eingefrorenem Fleisch, eingefrorenen Fleischzubereitungen und eingefrorenen unverarbeiteten Fischereierzeugnissen muss das Einfrierdatum angegeben werden. Aufgedruckt wird die Angabe "Eingefroren am …" mit der Nennung des Datums der Ersteinfrierung.

Herkunftskennzeichnung:

Ab April 2015 muss unverarbeitetes und vorverpacktes Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch mit dem Aufzuchtort und dem Schlachtort des Tieres verpflichtend gekennzeichnet werden.

Nährwerttabelle, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Ab dem 13. Dezember 2016 ist die Nährwertkennzeichnung auf verpackten Produkten verpflichtend. Foto: fovito, Fotolia

Nährwertkennzeichnung:

Die Darstellungsform der Nährwerttabelle ist seit 13. Dezember 2014 festgelegt, auch wenn sie bisher noch freiwillig ist. Zur besseren Vergleichbarkeit müssen die Nährstoffgehalte immer bezogen auf 100 Gramm oder 100 Milliliter angegeben werden. Zusätzliche Angaben pro Portion sind auch weiterhin zulässig. Die Tabelle muss Angaben zum Energiegehalt und zu den Mengen an Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz enthalten.

Vitamine und andere Nährwerte (zum Beispiel Ballaststoffe) müssen dann angegeben werden, wenn sie auf der Verpackung herausgestellt werden. Zusätzlich zur Nährwerttabelle können die Angaben zum Energiegehalt und zu den Mengen an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz unter bestimmten Voraussetzungen auch auf der Vorderseite wiederholt werden.

Die Nährwerttabelle ist ab 13. Dezember 2016 auf allen verpackten Lebensmitteln verpflichtend. Ausgenommen sein sollen unter anderem unverarbeitete Erzeugnisse, die nur aus einer Zutat oder Zutatenklasse bestehen genauso wie verarbeitete Erzeugnisse, die lediglich einer Reifungsbehandlung unterzogen wurden und die nur aus einer Zutat oder Zutatenklasse bestehen. Lebensmittel, einschließlich handwerklich hergestellter Lebensmittel, die durch den Hersteller in kleinen Mengen direkt an den Endverbraucher abgegeben werden, sollen ebenfalls nicht betroffen sein. Dies gilt zum Beispiel für Direktvermarkter oder das Lebensmittelhandwerk.

Imitate und zusammengefügte Erzeugnisse:

Bei der Verwendung von Lebensmittel-Imitaten (zum Beispiel Pflanzenfett anstelle von Käse) muss der ersatzweise verwendete Stoff in unmittelbarer Nähe des Produktnamens mit einer Mindestschriftgröße von 75 Prozent der Größe des Produktnamens angegeben werden. Fleisch- oder Fischerzeugnisse, die den Anschein erwecken könnten, es handele sich um gewachsene Stücke, die aber aus kleineren Stücken zusammengesetzt sind, müssen den Hinweis "aus Fleischstücken zusammengefügt" oder "aus Fischstücken zusammengefügt" tragen.

Verkauf über Onlineshops:

Werden Lebensmittel mittels Fernabsatz (Online-Shop oder Versandhandel) verkauft, müssen Pflichtkennzeichnungen wie die Zutatenliste und die Nährwertkennzeichnung dem Käufer schon vor Abschluss des Vertrages zur Verfügung stehen. Eine Ausnahme gilt für das Mindesthaltbarkeitsdatum, das erst zum Zeitpunkt der Lieferung angegeben werden muss.


Letzte Aktualisierung: 22.01.2015