Verarbeiter


Fairtrade-Rohstoffe in Bioprodukten

Cappuccino-Tasse
Fairtrade-Kaffee stammt zu 78 Prozent aus ökologischem Landbau. Foto: Dominic Menzler, BLE

Bio und Fairtrade sind eine perfekte Kombination. Zahlreiche Biohersteller setzen bereits Fairtrade-Rohstoffe ein. Zwei Drittel der in Deutschland verkauften Fairtrade-zertifizierten Produkte kommen aus ökologischem Landbau. Bei Fairtrade-Kaffee ist der Bioanteil mit 78 Prozent überdurchschnittlich hoch, bei Fairtrade-Bananen beträgt der Anteil an Bioware sogar 88 Prozent.

Anforderungen an die Produktzusammensetzung

Bei Monoprodukten sind die Regeln für die Zertifizierung klar. Doch welche Anforderungen muss man beachten, um Fairtrade-Rohstoffe in verarbeiteten Produkten, sogenannten „Fairtrade-Mischprodukten“, einzusetzen und diese mit dem Fairtrade-Logo labeln zu dürfen? Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  • Alle Bestandteile, die als Fairtrade-zertifizierte Rohstoffe verfügbar sind, werden als solche eingesetzt
  • Alle Fairtrade-zertifizierten Bestandteile bilden mindestens 20 Prozent, gemessen am Normalgewicht/-volumen, aller Ausgangsinhaltsstoffe vor der Verarbeitung. Hinzugefügtes Wasser und/oder Milchprodukte bleiben bei der Berechnung unberücksichtigt, wenn ihr Anteil mehr als 50 Prozent des Endproduktes ausmacht.

Die Hersteller von Fairtrade-Mischprodukten im Lebensmittel-Bereich dürfen das Fairtrade-Siegel auf der Vorderseite der Verpackung anbringen. Der Prozentsatz Fairtrade-zertifizierter Inhaltsstoffe muss auf der Rückseite der Verpackung erläutert werden. Voraussetzung dafür ist eine Fairtrade-Zertifizierung durch FLO-CERT (www.flocert.net) sowie ein Lizenzvertrag mit TransFair e.V. (Fairtrade-Partner-Firma werden).

Bio und Fairtrade in der Praxis

Als erste Molkerei hat die Andechser Molkerei Scheitz im Jahr 2013 Fairtrade-zertifizierte Produkte auf den Markt gebracht: Joghurt in den Sorten Kaffee und Latte Macchiato und einen Bioquark Milchkaffee. Die Milchprodukte enthalten sowohl Fairtrade-Kaffee als auch Fairtrade-Rohrzucker.

Auch Naturland bietet seit 2011 die Naturland Fair Zertifizierung an, eine freiwillige Zusatzqualifizierung für Naturland zertifizierte Erzeuger und Verarbeiter. Ein Beispiel hierfür ist die GEPA-Bioschokolade mit fairer Milch aus den Milchwerken Berchtesgadener Land. Mit der Naturland Fair Zertifizierung kann auch fairer Handel heimischer Rohwaren zertifiziert werden, dies ist mit dem Fairtrade-Siegel nicht möglich. Dieses gilt nur für die Länder des Südens.

Mehr Informationen

Fair & Bio - zwei Seiten einer Medaille

Einen echten Mehrwert bieten Produkte, die sowohl fair gehandelt als auch Bio sind. Sie bieten Antwort auf die Bedürfnisse der Käuferinnen und Käufer, etwas für die eigene Gesundheit zu tun und gleichzeitig Umweltschutz und soziale Fragen zu beachten.
Fair & Bio ergänzen sich

Faires Wirtschaften

Die Bio & Fair-Bewegung ist noch jung und verfügt bisher nicht über allgemeingültige Standards und Kontrollinstrumente. In Zukunft wird es neben angemessenen Preisen für Produzenten, Verarbeiter und den Handel vermehrt um Aspekte wie Transparenz, gegenseitigen Respekt und Verbindlichkeit in den Handelsbeziehungen gehen. Die Verbindung von Fairness mit der regionalen Herkunft der Lebensmittel und dem Umgang mit den Angestellten wird an Bedeutung gewinnen.
Bio & Fair - Bewegung

Fair gehandelt – mit Sicherheit!

Das Geschäft mit Produkten aus Fairem Handel boomt. Mit dem Angebot wachsen auch die Zeichen und Siegel, die das besondere Qualitätsmerkmal "Fair" deklarieren. Doch der Begriff des "Fairen Handels" ist rechtlich nicht geschützt, die Kriterien hinter den unterschiedlichen Deklarationen sind nicht einheitlich definiert. Woran aber erkennt man zuverlässig fair gehandelte Produkte im Regal?
Fair gehandelte Produkte erkennen

Interview mit Ingo Schlotter: Gemeinsam für nachhaltiges Wirtschaften

Bio und Fair - ein starkes Team! Ökologische und soziale Kaufargumente stehen bei den deutschen Kunden hoch im Kurs: Inzwischen sind über 70 Prozent der fair gehandelten Lebensmittel auch kontrolliert ökologisch erzeugt. Doch was ist mit den restlichen 30 Prozent der fairen Lebensmittel ohne Ökosiegel? Oekolandbau hat Ingo Schlotter, Vertriebsbeauftragter und Berater der Weltläden von der dwp in Ravensburg, dazu befragt.
Ingo Schlotter im Interview

Nachhaltig genießen mit fairen Produkten

Der Absatz mit fair gehandelten Produkten hat sich innerhalb der letzten vier Jahre verdoppelt. Im Geschäftsjahr 2012 erreichte der faire Handel erstmals die Marke von 650 Millionen Euro und verzeichnete eine Steigerung von rund 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Kaffee ist nach wie vor das stärkste Fairtrade-Produkt, gefolgt von Blumen, Fruchtsaft und Bananen. Gründe für den Erfolg sind die größere Produktvielfalt, mehr Fairtrade-Hersteller, ein größeres Engagement im Handel und in der Gastronomie sowie die verstärkte Verbrauchernachfrage.
Fairtrade-Produkte


Éric St-Pierre: Fairtrade: Eine Reise um die Welt (2013)
Grubbe Media GmbH, 39,95 Euro
ISBN-13: 978-3942194105

Letzte Aktualisierung: 04.02.2015