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TRACES - Neue Kontrollbescheinigung beim Import von Bioprodukten

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Das Programm TRACES dient in der EU zur Rückverfolgung verschiedener Produkte. Grafik: EU Kommission (verändert)

Um einen ordnungsgemäßen Import von Bioprodukten aus Drittländern (Nicht-EU-Ländern) durchzuführen, ist die Vorlage einer Kontrollbescheinigung bei Einfuhr in die europäische Union Pflicht. Bisher wurde diese Kontrollbescheinigung von der Kontrollstelle des Ausführers im Drittland nach dem Muster in den Vorgaben der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau erstellt.

Um den Verwaltungsaufwand bei Einfuhren von Bioprodukten zu erleichtern und die Herkunftssicherung ökologisch erzeugter Waren zu verbessern, hat die EU in ihrem Aktionsplan für die Zukunft der ökologischen Erzeugung in der Europäischen Union angekündigt, ein elektronisches Zertifizierungssystem einzuführen. Dieses System wurde nun erstellt und in das bereits bestehende TRAde Control and Expert System (TRACES) integriert.

Die elektronische Kontrollbescheinigung in TRACES

Das System TRACES wurde 2004 in der EU eingeführt, um den Tierverkehr innerhalb, sowie aus und in die EU, zu erfassen und nachzuverfolgen. Über die Jahre sind weitere Produktgruppen in das System aufgenommen worden. Zentrales Ziel von TRACES ist es, die Arbeit verschiedener Behörden und Zertifizierungsstellen zu vernetzen und zu vereinfachen. Es bietet eine Nachverfolgbarkeit in alle Richtungen und ein besseres Risikomanagement durch schnelle Reaktionen auf eine mögliche Gefährdung der Lebensmittelsicherheit oder andere Schwierigkeiten. Das System ist zum Beispiel mit dem Rapid Alert System for Food and Feed (RASFF) der EU verlinkt.

Mit der Änderungsverordnung 2016/1842 vom 14. Oktober 2016 wird TRACES nun auch für den Import von Bioprodukten in die EU genutzt. Das System ist seit dem 19. April 2017 zur Erstellung der Kontrollbescheinigung in elektronischer Form aktiv und sieht eine Übergangsfrist von sechs Monaten vor. Seit dem 19. Oktober 2017 muss TRACES zur Erstellung der Kontrollbescheinigung genutzt werden. Mit der Änderungsverordnung wurde gleichzeitig auch ein neues Muster der Kontrollbescheinigung eingeführt, welches bereits seit dem 19. April 2017 zu nutzen ist.

Ausstellung und Bestätigung im Importvorgang

Die Kontrollbescheinigung wird auf Grundlage des neuen Musters mit Hilfe von TRACES erstellt. Beim Original der Kontrollbescheinigung handelt es sich um eine ausgedruckte und von Hand unterzeichnete Kopie der in TRACES erstellten Bescheinigung. Alternativ ist auch eine digitale Kontrollbescheinigung möglich, die mit einer elektronischen Signatur gemäß oder vergleichbar mit der Verordnung (EU) 910/2014 versehen wurde. Eine solche Signatur ist bisher jedoch noch kaum anerkannt. Ausgestellt wird die Kontrollbescheinigung von der Kontrollstelle oder Kontrollbehörde im Drittland, die den Erzeuger oder Verarbeiter des Erzeugnisses oder, falls abweichend, den Unternehmer, der den letzten Arbeitsgang zur Aufbereitung ausführt, kontrolliert.

Neben den ausstellenden Kontrollstellen erhalten auch alle Importeure, erste Empfänger, Zoll- sowie Kontrollbehörden Zugang zu TRACES. Dies ermöglicht es, dass auch ein Importeur eine neue Kontrollbescheinigung erstellen, mit den notwendigen Informationen versehen und anschließend zur Bestätigung und Ausstellung an die Kontrollstelle im Drittland weiterleiten kann. Das System bietet dabei viele automatische Angaben, sodass potentielle Fehlerquellen verringert werden. Zum Beispiel wird bei Auswahl des Produktes automatisch der zugehörige KN-Code ausgewählt. Die Kontrollbehörden, Kontrollstellen, Zollbehörden und ersten Empfänger bestätigen dann jeweils bei der Prüfung der Ware, ob die Angaben mit den Informationen in TRACES übereinstimmen und bestätigen dies. Handelt es sich beim Original der Kontrollbescheinigung um die ausgedruckte Version auf Papier, so wird, wie bisher auch, die Bestätigung mit einem Sichtvermerk auf der Kontrollbescheinigung vorgenommen. Nach abgeschlossenem Importvorgang verbleibt das Original der Kontrollbescheinigung bei dem Importeur.

Traces - Der Weg der Kontrollbescheinigung

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Der Weg der Kontrollbescheinigung in TRACES von der Erstellung bis zum finalen Abschluss des Importvorganges. Foto: EU Kommission (verändert)

Zugang zu TRACES

Um den Umgang mit TRACES zu erleichtern, hat die EU zwei Ebenen eingeführt. Die Produktivebene, auf welcher die tatsächlichen realen Kontrollbescheinigungen bearbeitet werden, sowie eine Trainingsebene, in welcher alle Beteiligten das System kennenlernen und Test-Kontrollbescheinigungen ausfüllen können. Alle am Import beteiligten Unternehmen müssen sich  auf der Produktivebene registrieren. Nach der Registrierung werden sie durch die zuständigen Behörden validiert. Dies wirkt Betrug entgegen, da so nur Unternehmen auf einer Kontrollbescheinigung stehen können, welche sich nachweislich im Kontrollverfahren befinden. Erst nach erfolgreich abgeschlossener Registrierung können die Unternehmen Kontrollbescheinigungen erstellen, beziehungsweise auf Kontrollbescheinigungen aufgeführt werden.

Hinweis: Als Unternehmen sollten Sie sich um eine zeitnahe Registrierung auf der Produktivebene bemühen, wenn Sie noch nicht in TRACES registriert sind, da die Validierung durch die zuständigen Behörden ein wenig Zeit in Anspruch nimmt.

Für die Trainingsebene hat die EU bereits feststehende Zugangsdaten erstellt. Die Trainingsebene ist unter folgender Adresse erreichbar:
https://webgate.training.ec.europa.eu/tracesnt/login

Die Zugangsdaten können bei den zuständigen  Kontrollstellen, der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (Ali Öksüz, Sibylle Stahr-Sedaghat) oder der TRACES-Abteilung der EU-Kommission angefragt werden.


Letzte Aktualisierung: 06.11.2017