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Der Klimawandel und sein Einfluss auf die Bio-Verarbeitung

Rooibos Plantage. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Rooibos Plantagen in Südafrika sind seit 2017 stark von Dürren betroffen. Foto: Rooibos Limited

Im Jahr 2008 hat die Bundesrepublik Deutschland die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) beschlossen. Verschiedene Handlungsfelder müssen sich mit den Folgen der Klimaveränderungen beschäftigen und Lösungen finden. Die Landwirtschaft und damit auch alle nachgelagerten Wertschöpfungsteilnehmer sind davon direkt betroffen.

Der Ökolandbau hat durch seine umweltfreundliche Bewirtschaftungsweise einen großen Vorteil, da Bio-Böden höhere Humusgehalte aufweisen und durch die biologische Vielfalt und Fruchtfolgen der Bodenerosion entgegen wirken. Dennoch sind auch Biobäuerinnen und -bauern nicht vor den Klimafolgen geschützt.

Auswirkungen auf Deutschland und Europa

Für Deutschland erwarten Klimaforscherinnen und -forscher zukünftig trockenere Sommer und feuchtere Herbste und Winter. Extreme Wettersituationen werden noch mehr zunehmen, auch mit Überflutungen wird vermehrt gerechnet. Vegetationsperioden verschieben sich nach vorne und sind damit anfälliger für Spätfröste. Dies wurde 2017 besonders in der Apfelernte spürbar. Durch die Zunahme der Temperaturen ist auch mit stärkerem Schädlingsbefall und Krankheitsauftritten zu rechnen, Seuchen breiten sich in Tierbeständen schneller aus.

Für den Süden Europas wird mit weniger Regen und mehr Dürreperioden gerechnet.

Auswirkungen auf Nicht-EU-Länder

Die Hauptbetroffenen der Klimaveränderungen sind die Landwirtschaftsbetriebe in den tropischen Gebieten. Besonders betroffen sein werden Afrika, sowie Teile Südamerikas und Asiens. Studien deuten darauf hin, dass die Ernteerträge von Grundnahrungsmitteln wie Reis, Weizen, Mais und Soja zurückgehen werden. Dies wird sich direkt auf die Weltmarktpreise auswirken.

Im asiatischen und afrikanischen Raum ist schon heute eine Intensivierung des Sommer-Monsuns spürbar. In manchen Regionen fällt ein üblicher zweiter Monsun komplett weg. Dadurch können auch ganze Ernteperioden ausfallen. Der intensivere Sommer-Monsun erhöht das Risiko von Überschwemmungen der Felder, sowie Zerstörung der Transportwege durch Erdrutsche.

Einfluss auf die Bio-Verarbeitung

Diese landwirtschaftlichen Veränderungen haben direkten Einfluss auf die Rohstoffbeschaffung der Bio-Hersteller, um ihre Produktion sicherzustellen. Durch die Wetterveränderungen können Erntemengen verringert sein oder im Falle von Extremsituationen auch ganz ausfallen. Dadurch kann es zu einer Wanderung der Rohstoffproduktion in andere Regionen kommen, in denen Fragen nach sozialen Standards, Korruption und Bio-Integrität eine ganz andere Rolle spielen. Langjährige Lieferverbindungen werden damit in Frage gestellt.

Zusätzlich zu der Mengenverfügbarkeit hat der Klimawandel auch Einfluss auf die Qualität der Rohwaren. Gehalt und Zusammensetzung der Inhaltsstoffe ändern sich aufgrund der veränderten Niederschlagsmuster und Temperaturanstiege. Im Getreide hat dies zum Beispiel Einfluss auf die Backeigenschaften. Bei Ölsaaten und Nüssen lassen sich Veränderungen in den Fettsäurezusammensetzungen feststellen.

Partnerschaften stärken

Sonnenblumenanbau. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Klimaveränderungen bieten auch Chancen den Anbau und die Verarbeitung von wärmeliebenden Erzeugnissen zu verstärken. Foto: Thomas Stephan, BLE

Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden und langfristig die Rohstoffbeschaffung zu sichern, sollten Bio-Verarbeiter daher im engen Kontakt mit ihren zuliefernden Partnern stehen. Viele Unternehmen haben langjährige Lieferbeziehungen mit ihren Handelspartnern und wollen gemeinsam eine Lösung finden, anstatt sich nach Bedarf einen anderen Partner zu suchen. Bei lange bestehenden und guten Partnerschaften werden Informationen über aktuelle Wetterbedingungen und deren voraussichtlichen Einfluss auf die Ernte auch frühzeitig weitergegeben. Dadurch können sich Bio-Hersteller auf die Situation vorbereiten.

Den eigenen Rohstoff kennen

Je nach Menge des Rohstoffbedarfs, aber auch des Rohstoffes selbst ist eine breitere Aufstellung in der Lieferantenauswahl dennoch sinnvoll. Ansonsten kann im Notfall der eigene Handelskontrakt mit nachgelagerten Unternehmen nicht mehr erfüllt werden. Regional unabhängige Produkte, wie zum Beispiel Getreide können im Notfall auch von anderen Lieferpartnern angefragt werden. Ein Produkt, wie beispielweise Tee, welches in vielen Fällen spezifisch in einer Region angebaut wird, ist dann schlicht nicht mehr verfügbar.

Folgende Fragen können im Umgang mit diesen Herausforderungen helfen:

  • Wie ist meine Unternehmensphilosophie im Umgang mit Lieferanten?
  • Welche Probleme treten aktuell wo auf?
  • Sind langfristige Probleme absehbar?
  • Ist der benötigte Rohstoff am Markt gut verfügbar?
  • Habe ich weitere Lieferantinnen und Lieferanten an der Hand?
  • Kann mein Unternehmen einen Mengenengpass oder Qualitätseinbußen verkraften?
  • Ist mein Unternehmen bereit, gegebenenfalls Umsatzeinbußen zu akzeptieren, dafür aber die bestehenden Partnerschaften beizubehalten?

Chance für Neues

Die Veränderungen bieten aber auch Potential. Im Pflanzenbau ist zum Beispiel der Anbau von anderen Sorten, die an die klimatischen Änderungen angepasst sind, eine Möglichkeit auf die Veränderungen zu reagieren. Auch der Anbau von wärmeliebenden Pflanzen wie zum Beispiel Hirse, Sonnenblume oder Soja ist eine Option. Für Europa ergeben sich dadurch Chancen auch Produkte anzubauen, welche sich bisher aufgrund der Temperaturen nicht für diese Regionen geeignet haben. Gemeinsam mit Lieferantin oder Lieferant können Verarbeitungsunternehmen nach Sorten und Arten suchen, welche dem Unternehmen die Möglichkeit bieten, das Produktportfolio zu erweitern. So kann es sich mit neuen Produkten am Markt profilieren. Zum Beispiel ergeben sich im Bereich vegane Lebensmittel viele neue Möglichkeiten auf Basis von Rohstoffen, welche die Wärme mögen. Auch gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten durchgeführte Projekte zur Erhöhung der Sortenvielfalt und Biodiversität sind eine gute Möglichkeit, um mögliche Klimaauswirkungen so gering wie möglich zu halten.

Rechtliche Unterstützung

Die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau sehen Ausnahmemöglichkeiten für Katastrophenfälle und Ausnahmesituationen vor. Artikel 22 der Verordnung (EG) 834/2007 stellt dar, in welchen Fällen solche Ausnahmen greifen können. Dies trifft zum Beispiel zu, wenn aufgrund von klimabedingten Beschränkungen, die biologische Produktion nicht weitergeführt werden kann oder Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs nicht mehr aus biologischer Erzeugung verfügbar sind. Auch für Katastrophenfälle gibt es eigene Ausnahmemöglichkeiten, insbesondere im Fall von Tierseuchen. Zudem können Genehmigungen für den Einsatz von nicht-ökologischen landwirtschaftlichen Zutaten erteilt werden, wenn diese ökologisch nicht verfügbar sind. Die neue Öko-Verordnung, welche ab 2021 gilt, wird solche Ausnahmemöglichkeiten weiterhin ermöglichen. Für weitere Informationen zu diesen Ausnahmen kontaktieren Unternehmen am besten die eigene Öko-Kontrollstelle.


Letzte Aktualisierung: 24.04.2018