Verarbeitung


Neue Bioverordnung: Vorgaben für die Reinigung und Desinfektion in Verarbeitungsbetrieben

Hofkäserei, Foto: Dominic Menzler, BLE
Eine verbindliche Liste für Reinigungs- und Desinfektionsmitteln, die in der Bioverarbeitung eingesetzt werden dürfen, gibt es bisher noch nicht. Foto: Dominic Menzler, BLE

Gesundheitlich und hygienisch einwandfreie Lebensmittel – das ist für alle, die Lebensmittel herstellen, ein Muss. Zum Selbstverständnis der Biobranche gehört es aber auch, dass die beim Reinigen und zum Desinfizieren eingesetzten Mittel die Umwelt nicht belasten. Im Rahmen des Projektes "Umweltfreundliches Reinigungs- und Hygienemanagement in Lebensmittelbetrieben", gefördert durch das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN), hat das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) eine Betriebsmittelliste erstellt. Hierbei handelt es sich um eine Handelsproduktliste von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln für lebensmittelverarbeitende Gewerke wie etwa Molkereien, fleischverarbeitende Betriebe oder auch Großküchen. Dennoch gibt es noch Wissenslücken und fehlt es an Lösungsansätzen, um ohne problematische Substanzen die hohen Anforderungen in punkto Hygiene und Umweltschutz zu erfüllen.

Aktuell sieht die Rechtslage so aus: Die Durchführungsverordnung listet ausschließlich die für tierhaltende Biobetriebe erlaubten Reinigungs- und Desinfektionsmittel auf. Dagegen fehlt eine solche Liste für den Bereich der Lebensmittelverarbeitung. Das will die EU-Kommission nun – mit Blick auf die neue EU-Öko-Basisverordnung 2018/848 – ändern. Sie strebt eine Positivliste an, die im Detail auflistet, welche Substanzen und/oder Wirkstoffe für die Bioverarbeitung zulässig sein sollen.

Bei dem BÖLW-Fachgespräch wurde deutlich, wie komplex das Thema ist. Das Spektrum der betroffenen Biounternehmen reicht von kleinen Handwerksbetrieben bis hin zu großen Biounternehmen mit einer sehr vielfältigen Produktpalette. Naturgemäß sind bei der Fleischverarbeitung die hygienischen Risiken besonders groß, während für Bäckereien die Reinigung der Produktionsstätten und -anlagen wesentlich leichter zu bewerkstelligen ist. Relevant ist das Thema darüber hinaus für den LEH und den Naturkostfachhandel, wo neben Bedienungstheken zunehmend gastronomische Angebote sowie Aufback- und Prepackstationen zu finden sind.

Aus Sicht von Friedhelm von Mering vom BÖLW muss es daher zunächst darum gehen, die Komplexität dieses Themenbereiches gegenüber der EU-Kommission und den zuständigen deutschen Behörden zu vermitteln. Primäres Ziel müsse es sein, praktikable Lösungen für die betroffenen Unternehmen zu finden, um Kontinuität sicherzustellen. Im Interesse der Praxis sei eine "weitgefasste Lösung" anzustreben, forderte auch Manon Haccius von Alnatura und verwies darauf, dass für die Lebensmittelunternehmen selbst wie auch für die Lebensmittelaufsichtsbehörden der Verbraucherschutz und die Lebensmittelsicherheit absoluten Vorrang haben. Zudem sei der Reinigungs- und Desinfektionsmittelmarkt durch eine überraschend große Anzahl von Anbietern und Substanzen gekennzeichnet. So wurden bei einer Befragung von nur etwa 60 Bioverarbeiterinnen und -verabeitern bereits 80 Herstellerfirmen von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln und mehr als 400 Produkte aus etwa 15 Stoffklassen identifiziert, mit denen in den Biobetrieben gereinigt und desinfiziert wird.

Die Biobranche favorisiert deshalb eher eine Negativliste der für die Bioverarbeitung verbotenen Stoffe in Reinigungs- und Desinfektionsmitteln. Gegen eine Positivliste spricht zudem, dass es bei einer Auflistung der zulässigen Reinigungs- und Desinfektionsmittel schwierig sei, die unterschiedlichen Gewerke komplett zu berücksichtigen und die große Vielfalt der Biobranche abzubilden, betonte Johanna Stumpner von der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL).

Die Teilnehmenden des Fachgesprächs waren sich darin einig, dass die Umweltverträglichkeit der eingesetzten Reinigungs- und Desinfektionsmittel natürlich nicht aus dem Blick geraten dürfe. Bei deren Zulassung für den Ökosektor, so Friedhelm von Mering, sei perspektivisch eine laufende Verschärfung zugunsten einer höheren ökologischen Unbedenklichkeit denkbar – entsprechend der gängigen Praxis der EU-Kommission mit Blick auf Düngemittel, Pflanzenstärkungsmittel oder Futtermittel. Doch zunächst käme es darauf an, die neuen Regeln auf eine praxisgerechte Grundlage zu stellen, betonte von Mering: "Es muss auf jeden Fall verhindert werden, dass Verarbeitungsunternehmen in das Dilemma geraten, Hygiene-Herausforderungen wegen fehlender zulässiger Optionen im Öko-Recht nicht oder nicht wirksam bewältigen zu können. Dies könnte schnell existenzbedrohende Konsequenzen für Lebensmittelhersteller nach sich ziehen."


Letzte Aktualisierung: 05.07.2019