Rationelle Energienutzung

Rationelle Energienutzung

Durch eine verbesserte Energienutzung können Bäcker die steigenden Kosten für fossile Energieträger teilweise kompensieren. Die Maßnahmen reichen von einer besseren Auslastung der Öfen bis hin zur Umstellung auf den Energieträger Holz.

Rund zwei bis drei Prozent der Kosten in Bäckereien fallen für den Energieeinsatz an ­- mit steigender Tendenz. Dieser Anteil lässt sich in vielen Fällen reduzieren, denn in den meisten Bäckereien schlummern erhebliche Einsparpotentiale. Es gibt drei Gruppen von Maßnahmen, mit denen die Energiekosten gesenkt werden können.

Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten

Organisatorische Maßnahmen

Sparen durch bessere Auslastung: Eine effektive Maßnahme, die keine Kosten verursacht, ist die Optimierung des Back­prozesses. Wird beispielsweise die Back­fläche nur zu 50 Prozent ausgelastet, werden je kg Backprodukt 20 Prozent mehr Energie verbraucht als bei einer 100-prozentigen Auslastung. Viele Betriebe arbeiten mit einer niedrigen Backflächenauslastung – etwa 2 kg Mehl/m2 Backfläche und Stunde. Mit einer höheren Auslas­tung, von etwa 6 kg Mehl/m2 Backfläche und Stunde, würden sie schon eine Menge Energie sparen.
Kälteanlagen sind Stromfresser, vor allem, wenn sie schlecht gewartet sind. Mit zwei Maßnahmen kann man ihren Stromverbrauch senken:

  • Den luftgekühlten Verflüssiger regelmäßig reinigen und warten;
  • Kältezellen bewusst beschicken. Mit jedem Öffnen der Tiefkühlzelle trägt man Wärme und Feuchtigkeit ein, was zur Vereisung der Verdampfer führt.

Aufrüstung von bestehenden Anlagen

Der zweite Schritt auf dem Weg zur Energiereinsparung sind technische Maßnahmen, wie die Rückgewinnung der Wärme der Backöfen. In der Bäckerei entsteht viel Wärme, die oft ungenutzt verpufft. In einigen Fällen lohnt es sich, diese Wärme zurückzugewinnen und zu nutzen. Ob sich die Rückgewinnung lohnt, erfährt man anhand einer Wärmebedarfsbilanz.

Bei der Wärmebedarfsbilanz wird zunächst ermittelt, wie viel Energie für Heizung und Warmwasser, zum Beispiel für Spülmaschine, Gärräume, Büro und Duschen, benötigt wird. Auch Nachbargebäude können berücksichtigt werden, wenn die Entfernung nicht zu groß ist (Nahwärmenetz). In einem zweiten Schritt wird die potentiell zurückgewinnbare Energie an den Backöfen, die durch Abgase und Schwaden freigesetzt wird, gemessen. Das gleiche erfolgt für die Kältemaschinen.

Kostet die zurückgewonnene Energie nach Berücksichtigung der Kapital- und Betriebskosten zwischen zwei und drei Cent/kWh, lohnt sich der Umbau. Zum Vergleich: Die durch einen Heizungskessel verursachten Gesamtkosten liegen bei etwa sieben Cent/kWh, also doppelt so hoch wie bei einem optimierten System zur Wärmerückgewinnung. Zu einem System der Wärmerückgewinnung gehören neben den Wärmetauschern auch die Pufferspeicher, Rohrleitungen und die Steuerung.

Neuplanung und weitreichender Umbau

Neubau und Umbau mit hohen Investitionen in neue Anlagentechnik (Backen und Kälte) bieten die beste Möglichkeit, wirtschaftlich die Energieeffizienz in der Bäck­erei zu erhöhen. Zum einen können bereits bei der Planung Aspekte der rationellen Energienutzung berücksichtigt werden, beispielsweise Standorte der Anlagen und Rohrleitungslängen. Dies verursacht dem Bäcker keine Kosten. Zum anderen ist der Aufwand für die direkte Installation von technischen Aggregaten sehr viel niedriger als beim nachträglichen Einbau.

Das A und O eines effizienten und umweltfreundlichen Energiekonzeptes in Bäckereien ist die Verknüpfung der unterschiedlichen Energieströme. Das heißt, dass Energie- oder Wärmeverbundsysteme geschaffen werden, die es beispielsweise erlauben, die Abwärme der Back­öfen für die Warmwasserbereitung zu nutzen, zum Beispiel für eine Spülmaschine. Ein weiterer wichtiger Baustein des Energiekonzeptes kann der Ersatz der fossilen Brennstoffe Gas oder Heizöl durch Holz in Form von Holzpellets oder Hackholzschnitzel sein. Holz als Energieträger hat verschiedene Vorteile:

Wirtschaftlichkeit

In der Regel liefern Biomasseanlagen die Backofenenergie unterm Strich günstiger als die Heizöl- oder Erdgasvarianten. Die hohen Investitionskosten für Brenngutlagerung, Beschickung und Feuerungsanlagen, die mit Holz betrieben werden, schrecken zunächst viele ab, denn die Kosten sind oft drei- bis fünfmal höher als bei konventionelle Feuerungssystemen.
Den hohen Investitionskosten stehen allerdings niedrigere Brennstoff- und Wärmegestehungskosten gegenüber. Die Brennstoffkosten für Holz sind im Schnitt halb so hoch wie für Gas oder Heizöl. Die Wärmegestehungskosten berücksichtigen alle Kosten (Kapital-, Betriebs- und Verbrauchskosten) und belaufen sich bei Biomasseanlagen auf etwa 40 bis 50 €/MWh und liegen somit etwa 20 bis 40 Prozent unter den Wärmegestehungskosten von Heizöl oder Gas, die in der Regel bei 60 bis 70 €/MWh liegen. Die höheren Investitionskosten für Biomasseanlagen amortisieren sich also nach drei bis acht Jahren. Auf jeden Fall sollte man eine betriebsindividuelle Wirtschaftlichkeits­analyse vornehmen.

Preisstabilität und regionale Wirtschaftskraft

Zwischen Hackholzschnitzeln und fossilen Brennstoffen besteht ein Preisunterschied von etwa 30 €/MWh. In den vergangenen Jahren ist der Preis für fossile Energieträger wesentlich schneller angestiegen als für Holz. Auch wenn man damit rechnet, dass Holz in Zukunft teurer wird, werden die Kosten fossiler Brennstoffe schneller ansteigen, die Preisschere wird somit größer. Dies allein ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit. Darüber hinaus ist das Preisrisiko bei der heimischen und regionalen Biomasse wesentlich geringer als bei Heizöl oder Erdgas. Hackholzschnitzel kann theoretisch jeder Landwirt herstellen und liefern, so dass sich hier schnell eine "gesunde" Konkurrenzsituation einstellen wird.

Hackholzschnitzel haben allerdings den Nachteil, dass ihre Qualität schwankt, beispielsweise ihr Wassergehalt, der für den Energiegehalt ausschlaggebend ist. Im Vergleich zu Heizöl, Erdgas und Holzpellets muss man für Hackholzschnitzel mehr Kontrolle und Aufwand bei der Beschaffung aufbringen.

Obgleich Lagerung, Transport und Feuerung von Biomasse auch mit Thermoölkesseln erprobt sind, liegen für das Back­en auf Thermoölbasis bisher keine Erfahrungen vor.

Entscheidungshilfen

Ob der eigene betriebliche Energieverbrauch hoch oder niedrig ist und wie hoch das Kosteneinsparpotential ist, kann jeder Bäcker individuell im Internet unter www.buda.de für sich berechnen lassen. Das Internetportal bietet den Bäckern die Möglichkeit, sich dort ein anonymes und geschütztes Benutzerkonto einzurichten und mittels Kennzahlen für Strom und Brennstoffe ihre betrieblichen Werte mit so genannten Benchmarkwerten zu vergleichen.

(Quelle: Andreas Kötter, creative umwelt konzepte, koetter@buda.de)

Hinweis:

Dieser Beitrag ist auch in "bioland - Fachmagazin für ökologischen Landbau" erschienen.

bioland - Fachmagazin für ökologischen Landbau


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Letzte Aktualisierung 31.07.2015

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