Verarbeitung


Bioaromen

Eine Alternative zur Aromatisierung von Bioprodukten mit natürlichen Aromen sind die Bioaromen. Seit 2009 können gemäß der Verordnung (EG) Nr. 889/2008 auch Aromen biozertifiziert werden. Bioaromen sind natürliche Aromen mit einer Bioauslobung. Dadurch fallen sie in den Geltungsbereich der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau.

Anforderungen

Erntereife Erdbeeren. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Das Aroma von Erdbeeren verfeinert so manches Bioprodukt. Foto: Dominic Menzler, BLE

Im Vergleich zu konventionellen natürlichen Aromen unterliegen Bioaromen strengeren Anforderungen:

  • Es handelt sich um natürliche Aromen oder Aromaextrakte gemäß der EG-Aromenverordnung.
  • Sie werden überwiegend aus Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs hergestellt.
  • Diese Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs stammen zu mindestens 95 Prozent aus biologischem Anbau.
  • Nichtbiologische Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs, die in Anhang IX gelistet sind, dürfen bis zu maximal 5 Prozent zugesetzt werden.
  • Alle Zusatzstoffe inklusive Träger- und Verarbeitungshilfsstoffe, die in Anhang VIII gelistet sind, dürfen verwendet werden. (Hier hat es 2016 einige Änderungen des Anhang VIII gegeben und es wurden einige Anwednungsbedingungen mit speziellem Hinweis auf die Herstellung von Bioaromen hinzugefügt)
  • Zutaten nicht landwirtschaftlichen Ursprungs (zum Beispiel natürliche Aromastoffe oder Mineralstoffe) dürfen zugesetzt werden, wenn sie für die Verwendung in der biologischen Produktion zugelassen worden sind.
  • Eine biologische Zutat darf nicht mit der gleichen nicht biologischen Zutat in einem Erzeugnis auftreten.
  • Biolebensmittel können als Trägerstoffe fungieren (zum Beispiel Bioethanol).
  • Regelmäßige Kontrollen durch Öko-Kontrollstellen müssen stattfinden.

Schwachstellen

Die Zertifizierung von Aromen weist noch einige Schwachstellen in den rechtlichen Vorgaben auf. Auch manche technologische Aspekte sind mangelhaft.

  • Natürliche Aromastoffe fließen nicht in die Berechnung der 95 Prozent mit ein und können somit einem Bioaroma in großen Mengen zugegeben werden. Dadurch kann es sich um einen biologischen Träger und eine konventionelle, natürliche Aromakomponente handeln. Der eigentliche Fokus sollte auf der Aromakomponente liegen, welche hier allerdings außer Acht gelassen wird.
  • Konventionelle, natürliche Aromen dürfen weiterhin in Biolebensmitteln eingesetzt werden. Dadurch besteht keine Notwendigkeit für Bioaromen, welche teurer sind und technologisch schlechtere Eigenschaften aufweisen. Doch durch konventionelle, natürliche Aromen gelangen Trägerstoffe und Extraktionslösungsmittel, welche für den Biobereich nicht zugelassen sind, in das Enderzeugnis.
  • Aufgrund der kurzen Bestandszeit von Bioaromen konnte sich noch kein einheitliches Bild entwickeln. Dadurch kommt es zu unterschiedlichen Interpretationen des Begriffs Bioaroma.
  • Der Austausch von natürlichen Aromen mit Bioaromen kann nicht in jedem Produktbereich erfolgen. Denn Bioaromen können bestimmten technologischen Anforderungen, wie Haltbarkeit, Hitzestabilität, Intensität und Vielfalt, nicht ausreichend standhalten. Dies resultiert aus den limitierten Aromazusätzen. Dadurch, dass notwendige Trägerstoffe und Lösungsmittel für Bioaromen (bisher) nicht zugelassen sind, fehlen die funktionellen Aspekte des Aromas.

Eine Ökologisierung von Zutaten wie Aromen führt zu einer konsequenten Weiterentwicklung der Qualität von Biolebensmitteln.

Letzte Aktualisierung: 05.07.2017