Verarbeitung


Bioverarbeiter in der EU

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Jedes Jahr kommen neue Bio-Verarbeiter hinzu Quelle: Eurostat

Die meisten Bioverarbeiter in der EU finden sich mit Abstand in Italien (28.300), gefolgt von Frankreich (17.800) und Deutschland (15.000). Italien und Frankreich sind auch die Länder mit den größten Zuwächsen: 2.700 beziehungsweise 2.500 Verarbeiter sind dort 2017 in die Verarbeitung von Biolebensmitteln eingestiegen. Prozentual kamen die höchsten Zuwächse aus Estland, Slowenien und Portugal, so eine AMI-Auswertung der Eurostat-Statistiken über die Branchenverteilung nach NACE der Bioverarbeiter in der EU.

Anders als in Deutschland und Österreich erfassen alle anderen Länder der EU die Hersteller von Biolebensmitteln nach Branchenzugehörigkeit. Die Kontrollstellen müssen bei der Meldung an die zuständigen Behörden unterscheiden, ob die Betriebe beispielsweise Fleisch verarbeiten, Futtermittel herstellen oder Gemüsekonserven produzieren.

Die am meisten genannten Branchen in der europäischen Bioverarbeitung sind die Hersteller von sonstigen Nahrungsmitteln (10.200), die Obst- und Gemüseverarbeiter (9.700) und die Hersteller von Back- und Teigwaren (9.300). Die größten Zuwächse verzeichneten 2017 die Schlachtereien und Fleischverarbeiter mit einem Plus von 14,6 Prozent. Danach folgten die Futtermittelhersteller und Hersteller von sonstigen Nahrungsmitteln mit jeweils 13 Prozent Plus. Auch die Anzahl der Molkereien wuchs um neun Prozent. Das zeigt die europaweit große Dynamik in der Verarbeitung tierischer Produkte, mit denen auch die Futtermittelhersteller mithalten. Gleichzeitig steigt die Zahl der Hersteller sonstiger Nahrungsmittel, die sich nicht in die anderen Kategorien einordnen lassen, aber auch zeigen, dass die Produktvielfalt immer größer wird.

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Bioverbeitung in der EU ist sehr pflanzlich geprägt. Quelle: Eurostat

Die Bioverarbeitung ist nach wie vor sehr pflanzlich geprägt. So kommen die Schlachtereien und Fleischverarbeiter auf nur 4.100 Betriebe oder acht Prozent der Bioverarbeiter. Auch die Molkereien und Käsereien stellen nur vier Prozent der Bioverarbeiter (2.150). Könnten Deutschland und Österreich Daten zur Branchenverteilung ihrer Verarbeiter liefern, dürften die Anteile sicher größer ausfallen, weil beide Länder stark in der Milch- und Fleischverarbeitung sind. Interessant sind die strukturellen Veränderungen, die sich bei der Ökoverarbeitung ergeben. Während früher eher kleine Unternehmen ausschließlich Biolebensmittel hergestellt haben, gibt es zunehmend große konventionelle Betriebe, die eine Bioschiene etablieren. Molkereien wie Arla sind hier beispielhaft zu nennen. Auch gibt es viele Handwerksunternehmen wie Bäckereien und Fleischereien, die in einer zweigleisigen Produktion sowohl Bio als auch konventionelle Lebensmittel herstellen.

Unter den bei Eurostat gezählten 4.100 Fleischverarbeitern sind allein 1.500 in Frankreich ansässig. Handwerkliche Metzgereien haben dort häufiger ein Biozertifikat als in Deutschland. Im BÖLN-Projekt "Mehr Transparenz auf dem deutschen Bio-Markt" hat die AMI in Deutschland gut 300 Biofleischereien ermittelt, hinzu kommen außerdem gewerbliche Fleischverarbeiter. In der EU finden sich nach Frankreich in Italien, im Vereinigten Königreich und Spanien je 500 Biofleischverarbeiter, gefolgt von den Niederlanden, Dänemark und Schweden mit je 200.

Die Molkereien und Käsereien sind in allen Ländern stärker konzentriert. Von den 2.100 bei Eurostat gemeldeten Milchverarbeitern befinden sich allein 700 in Italien, gefolgt von 430 in Frankreich und je rund 150 in den Niederlanden und Spanien.

Das ist ganz anders bei den Herstellern von Back- und Teigwaren, zu denen die Bäcker oder auch die Getränkehersteller zählen. Unter den 5.900 Getränkeherstellern sind allein 4.200 Winzerinnen und Winzer erfasst. Davon finden sich allein 2.000 in Italien, knapp 1.000 in Frankreich und 900 in Spanien. In Deutschland zählt allein die Plattform bioweinportal.de 350 Biowinzerinnen und -winzer. Bei den 9.400 Herstellern von Back- und Teigwaren hat Frankreich mit 6.400 Bäckerinnen und Bäckern und Teigwarenherstellern die Nase vorn, gefolgt von den italienischen Teigwarenherstellern. Hier dürfte ein größerer Teil Pasta produzieren. Das oben genannte BÖLN Projekt der AMI hat in Deutschland allein 720 Biobäckerinnen und -bäcker gezählt.

Ein wichtiger Betriebszweig ist auch die Herstellung von Ölen und Fetten mit 6.800 Unternehmen. Allein in Italien gibt es 4.400 Ölmühlen, dort ist die Herstellung von Olivenöl schon lange handwerkliche Tradition. Spanien folgt mit 900 und Griechenland mit 700 Ölmühlen. In allen Ländern aber ist Zahl der Ölhersteller rückläufig, eine gewisse Konzentration wird hier sichtbar.

9.700 Unternehmen in der EU verarbeiten Bioobst und -gemüse. 3.700 davon finden sich in Italien 2.400 in Spanien und 1.100 in Frankreich. Eingelegtes oder getrocknetes Obst- und Gemüse sind dort die Hauptprodukte, genauso wie die Konzentrate aus Tomaten, Äpfeln oder Orangen. In Ost- und Nordeuropa gibt es viele Beerenfrostereien oder auch Safthersteller.

Neben den Lebensmittelverarbeitern gibt es noch 860 Futtermittelhersteller. Hier hat Italien mit 194 Betrieben die Nase vorn, gefolgt von Spanien mit 166 und Frankreich mit 148. In Deutschland gibt es 202 Futtermittelhersteller.


Letzte Aktualisierung: 07.02.2019