Marktanalyse EU

Jährlich mehr Bio-Verarbeitungsunternehmen in der EU

Die meisten Bio-Verarbeitungsunternehmen in der EU finden sich in Italien (20.100), gefolgt von Frankreich (16.700) und Deutschland (15.400). Italien und Frankreich sind auch die L√§nder mit den gr√∂√üten Zuw√§chsen: 2.000 beziehungsweise 1.800 Verarbeitungsunternehmen sind dort 2018 in die Produktion von Bio-Lebensmitteln eingestiegen. Prozentual kam der h√∂chste Zuwachs aus Polen (+ 17 Prozent), wobei Frankreich und Italien mit 12 und 11 Prozent auf den weiteren Pl√§tzen folgen, so eine AMI-Auswertung der Eurostat-Statistiken √ľber die Branchenverteilung nach NACE der Bio-Verarbeitungsunternehmen in der EU.

Anders als in Deutschland und √Ėsterreich werden in allen anderen L√§ndern der EU die Herstellungsunternehmen von Bio-Lebensmitteln nach Branchen unterschieden. So k√∂nnen Betriebe einfacher danach unterschieden werden, ob sie beispielsweise Fleisch verarbeiten, Futtermittel herstellen oder Gem√ľsekonserven produzieren.

Die am meisten genannten Branchen in der europ√§ischen Bioverarbeitung sind die Hersteller von sonstigen Nahrungsmitteln (14.700), die Obst- und Gem√ľseverarbeitungsunternehmen (13.700), die Hersteller von Back- und Teigwaren (10.100) und die Hersteller von √Ėlen und Fetten (ebenfalls 10.100). Die gr√∂√üten Zuw√§chse verzeichneten 2018 die Hersteller von sonstigen Nahrungsmitteln (+8,4 Prozent). Ein Hinweis darauf, dass die bestehenden Kategorien die zunehmende Branchenvielfalt nur noch unzureichend abbilden k√∂nnen. Auf die sonstigen Nahrungsmittel folgten die Obst- und Gem√ľseverarbeiter (+6,5 Prozent) und die Mahl- und Sch√§lm√ľhlen (+5 Prozent). Anders als 2017, als die Zahl der Verarbeitungsunternehmen von tierischen Produkten am st√§rksten stieg, wurde 2017 vor allem die Verarbeitung von pflanzlichen Produkten vorangetrieben. Auch in Deutschland war dies der Fall.

In der Bio-Branche spielt nach wie vor die Herstellung pflanzenbasierter Produkte die gr√∂√üte Rolle. So kommen die Schlachtereien und Fleischverarbeiter auf nur 4.700 Betriebe ‚Äď das sind nur 7 Prozent aller Bio-Verarbeitungsunternehmen. Auch Molkereien und K√§sereien stellen nur 3 Prozent der Bio-Herstellungsunternehmen (2.300). W√§ren f√ľr Deutschland und √Ėsterreich Daten zur Branchenverteilung der Verarbeiter bekannt, d√ľrften die Anteile sicher gr√∂√üer ausfallen, weil beide L√§nder stark in der Milch- und Fleischverarbeitung sind. Die vergleichsweise geringe Anzahl dieser Unternehmen im Vergleich zur Umsatzbedeutung dieser Produkte zeigt, dass die Fleisch- und Milchverarbeiter in der Regel gr√∂√üer sind und ein einzelnes Unternehmen gr√∂√üere Ums√§tze generiert. Dagegen sind beispielsweise √Ėlhersteller, zu denen die vielen Oliven√∂lpressen in S√ľdeuropa z√§hlen, oder die vielen Weing√ľter verschiedenen L√§ndern kleinteilig organisiert.

Konventionelle Betriebe machen auch Bio

Insgesamt ist es in den vergangenen Jahren zu strukturellen Ver√§nderungen in der √Ėko-Verarbeitung gekommen. W√§hrend fr√ľher eher kleine Unternehmen ausschlie√ülich Bio-Lebensmittel hergestellt haben, gibt es zunehmend gro√üe konventionelle Betriebe, die eine Bio-Schiene etablieren. Auch gibt es viele Handwerksunternehmen wie B√§ckereien, die sowohl Bio als auch konventionelle Lebensmittel herstellen.

Unter den bei Eurostat gez√§hlten 4.700 Bio-Fleischverarbeitungsunternehmen sind allein 1.500 in Frankreich ans√§ssig. Handwerkliche Metzgereien haben dort h√§ufiger ein Biozertifikat als in Deutschland. Im B√ĖLN-Projekt "Mehr Transparenz auf dem deutschen Bio-Markt" hat die AMI in Deutschland rund 380 Biofleischereien ermittelt, hinzu kommen gewerbliche Fleischverarbeitungsunternehmen. In der EU finden sich au√üerdem in Spanien 920 Bio-Fleischverarbeitungsunternehmen, in Italien 700, im Vereinigten K√∂nigreich 460 und in den Niederlanden D√§nemark und Schweden je 200.

In allen Ländern unterscheiden sich die Molkereien und Käsereien stark hinsichtlich ihrer Größe. Die Spannbreite in dieser Branche reicht von kleinen Hofkäsereien bis zu großen Milchverarbeitungsunternehmen. Von den 2.100 bei Eurostat gemeldeten Milchverarbeitern befinden sich allein 980 in Italien, gefolgt von 430 in Frankreich, 180 in Spanien und 150 in den Niederlanden.

Viele kleinere Unternehmen gibt es dagegen bei den Herstellern von Back- und Teigwaren oder auch bei Getr√§nkeherstellern. Unter den 7.000 Getr√§nkeherstellern sind allein 4.700 weinproduzierende Unternehmen erfasst. Davon finden sich allein 2.300 in Italien, je 1.000 in Spanien und Frankreich. In Deutschland z√§hlt allein die Plattform bioweinportal.de 350 Bio-Winzer. Bei den 10.100 Herstellern von Back- und Teigwaren hat Frankreich mit 6.400 B√§ckereien und Teigwarenherstellern die Nase vorn, gefolgt von den italienischen Teigwarenherstellern (1.900). Hier d√ľrfte ein gr√∂√üerer Teil Pasta produzieren. Das oben genannte B√ĖLN Projekt der AMI hat in Deutschland allein 768 Bio-B√§ckereien gez√§hlt.

S√ľdeuropa ist stark bei √Ėlm√ľhlen

Ein wichtiger Betriebszweig ist auch die Herstellung von √Ėlen und Fetten mit 10.100 Unternehmen. Allein in Italien gibt es 6.600 √Ėlm√ľhlen, dort ist die Herstellung von Oliven√∂l schon lange handwerkliche Tradition. Spanien folgt mit 2.000 und Griechenland mit 700 √Ėlm√ľhlen.

13.700 Unternehmen in der EU verarbeiten Bio-Obst und -Gem√ľse. 5.500 davon finden sich in Spanien, 4.500 in Italien und 1.100 in Frankreich. Eingelegtes oder getrocknetes Obst und Gem√ľse sind dort die Hauptprodukte, genauso wie die Konzentrate aus Tomaten, √Ąpfeln oder Orangen. In Ost- und Nordeuropa gibt es viele Beerenfrostereien oder auch Safthersteller.

Neben den Lebensmittelverarbeitern gibt es noch 940 Futtermittelhersteller. Hier hat Italien mit 230 Betrieben die Nase vorn, gefolgt von Spanien mit 170 und Frankreich mit 150. In Deutschland gibt es 195 Futtermittelhersteller. 

Mittel- und osteuropäische Länder hinken bei Verarbeitung hinterher

W√§hrend in vielen L√§ndern Mittel- und Osteuropas die Bio-Produktion in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen ist, tut sich hier bei der Zahl der verarbeitende Bio-Unternehmen noch vergleichsweise wenig. So werden zwar in gro√üen Mengen Getreide, H√ľlsenfr√ľchte oder Beeren nach √Ėko-Richtlinien erzeugt, die Produktion flie√üt aber in den Export ‚Äď ma√ügeblich nach Deutschland und in die skandinavischen L√§nder. Der Inlandsmarkt als Absatzkanal hinkt immer noch hinterher. Die dortigen Strukturen werden erst nach und nach aufgebaut, um die wachsenden Bio-Rohstoffe vor Ort verarbeiten zu k√∂nnen. So steigen beispielsweise Tschechien, Polen, Rum√§nien und Lettland im Bio-Fl√§chenranking von Jahr zu Jahr auf, w√§hrend die elf mittel- und osteurop√§ischen L√§nder der EU bei den verarbeitenden Bio-Unternehmen 2018 noch weniger als f√ľnf Prozent der europ√§ischen Betriebe stellen. Dem kritischen Agrarbericht 2019 zufolge steht einer Ausdehnung des Bio-Markts oft die unzureichende Verarbeitungsinfrastruktur im Weg. Viele Verarbeitungsprodukte m√ľssten daher importiert werden.


Letzte Aktualisierung 05.03.2020

B√ĖLW ‚Äď Branchenreport 2020

Grafik: Weltkugel

Zahlen und Fakten zur Bio-Branche in Deutschland.

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