Der Markt für Bio-Tiefkühlgemüse

Markt für tiefgekühltes Bio-Gemüse wächst

Der Anbau von Bio-Gemüse für die Verarbeitung nimmt seit Jahren zu. Die Landwirtinnen und Landwirte gehen in der Regel mit dem Verarbeitungsunternehmen langfristige Verträge ein, die beide Seiten absichern. Das frische Gemüse wird unmittelbar nach der Ernte bei sehr tiefen Temperaturen schockgefrostet. Im Vergleich zu Konservierungsverfahren wie Einkochen, Trocknen und Einlegen bleiben Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiß, Fette, Vitamine und Mineralstoffe beim Tieffrieren weitgehend erhalten. Auch die Bio-Kundinnen und Bio-Kunden schätzten den schnellen Griff in die Tiefkühltruhe und nutzen das tiefgekühlte Gemüse als Beilage oder als Basis für Suppen und vieles mehr.

Für 2020 ergab die Trendbefragung des Deutschen Tiefkühlinstituts (dti), dass Regionalität und Bio weiter starke Trends im TK-Sortiment bleiben. Die Hersteller greifen diese Trends durch die bewusste Wahl der Rohstoffherkunft zum Beispiel bei Kartoffel- und Gemüseprodukten auf. Im COrona-Jahr 2020 haben die Haushalte rund 14 Prozent mehr Tiefkühlgemüse gekauft.

Die Einkaufsmenge an Bio-Tiefkühlgemüse ist 2020 sogar um 36 Prozent gestiegen. Der Bio-Anteil an der Verkaufsmenge von TK-Gemüse ist somit auf 20 Prozent im Jahr 2020 gestiegen. Die Verkaufsmengen von tiefgekühltem Buttergemüse, Gemüsepfannen, Bohnen und Rotkohl sind sogar jeweils um rund 50 gewachsen, so die AMI-Analyse des GfK-Haushaltspanels.

Bedeutendste Tiefkühlgemüsearten waren 2020 mit 19 Prozent Anteil Spinat, gefolgt von Erbsen mit 14 Prozent Anteil. Bio-Spinat aus der Tiefkühltruhe ist sowohl bei allen konventionellen Handelsketten zu finden – auch Discounter haben eine Bio-Variante in der Kühlauslage – als auch im Naturkosthandel. Der "Biotrend Bio Blattspinat" von Lidl und "Gut Bio Blattspinat" von Aldi Nord können mit den niedrigsten Packungspreisen aufwarten.

Tiefgekühlter Bio-Spinat dominiert

Die Bio-Verarbeitungsunternehmen haben sich zunehmend auch den Erbsen für die Verarbeitung gewidmet. Weitere Trendgemüsearten sind Kürbis, Brechbohnen, Broccoli, Blumenkohl, Grünkohl und Zuckermais. Auch in fertigen Gemüsemischungen bestehend aus mehreren Gemüsearten wie Möhren und Erbsen hält das Bio-Gemüse Einzug in die Tiefkühltruhe.

Langfristige Partnerschaften bieten Sicherheit

Die Bio-Verarbeitungsunternehmen schließen oft langfristige Verträge mit den Landwirtinnen und Landwirten ab, um sich nach beiden Seiten abzusichern. Einige verarbeitenden Unternehmen übernehmen zum Teil bereits die Anbauplanung (Sortenauswahl, Mengen, Qualitäten, Erntezeitpunkt). Dafür können sich die Vertragslandwirtinnen und -landwirte auf die Abnahme ihres Produkts verlassen.

Die steigende Nachfrage nach TK-Gemüse in Bio-Qualität sieht auch Wilfried Schaffer, Verkaufsleiter Bio der Meyer Gemüsebearbeitung GmbH, im Gespräch mit Freshplaza.de. Auf Produktebene ist die Möhre weiterhin vorn, gefolgt von Kartoffeln und Zwiebeln. Weitere gefragte Produkte – neben den klassischen Rohwaren – sind Sellerie, Porree, Bohnen und Hokkaido-Kürbisse und viele mehr. Diese Produkte werden in der hauseigenen Produktionsstätte verarbeitet. Andere Artikel wie Paprika, Tomaten, Broccoli und so weiter kauft Meyer in vorgefertigter Form zu. Die Firma lässt bei einem polnischen Tochterunternehmen Zwiebeln, Porree und Hokkaido-Kürbisse verarbeiten. Demzufolge wurde in den letzten Jahren speziell in die Bio-Produktion investiert. Derzeit werden noch Verträge mit einzelnen Landwirtinnen und Landwirten geschlossen, während im konventionellen Bereich regionale Erzeugergemeinschaft als Vertragspartner auftreten.

Die ausschließliche Frostung von Bio-Gemüse betreibt nur ein deutsches Verarbeitungsunternehmen: Die BIO-FROST Westhof GmbH in Schleswig-Holstein verarbeitet seit ihrer Gründung 1998 ausschließlich Gemüse von zertifizierten Bio-Betrieben. Da die Produktionsstätte mitten in einem der größten europäischen Anbaugebiete für Bio-Gemüse liegt, kann das Gemüse gleich nach der Ernte verarbeitet und gefrostet werden.

Neben TK-Produkten in Kleinverpackungen für LEH und Naturkosthandel bieten viele Bio-Verarbeitungsunternehmen auch Großgebinde für die weiterverarbeitende Industrie an. Auch Hersteller von Babykost erhalten wichtige Bestandteile für ihre Gläschen als tiefgekühlten Bio-Rohstoff. Das Bio-Gemüse kann dann in der Lieferkette ohne große Verluste von Nährstoffen und Vitaminen weiterverarbeitet werden. Auch Kantinen und die Gastronomie fragen Großgebinde von tiefgefrorenen Bio-Gemüse nach.

Verbandsware rückt in den Fokus

Zunehmend wird im Handel auch Bio-Tiefkühlgemüse mit der Herkunft Deutschland ausgelobt. Die heimische Herkunft der Rohware ist für die Bio-Kundinnen und -kunden ein zusätzlicher Kaufanreiz. Noch begehrter ist das Tiefgekühlte, wenn das Gemüse nach Verbandsrichtlinien erzeugt wurde. Während Marktkenner die Versorgung mit EU-Bioware als unproblematisch bezeichnen, ist es schwieriger, Rohstoffe mit Verbandslabel in ausreichenden Mengen zu erhalten.

Dem Anbau und der Verarbeitung von biologisch-dynamischem Biogemüse hat sich die Demeter-Felderzeugnisse GmbH verschrieben. Als erstes brachte das Unternehmen im Jahr 1995 Bio-Tiefkühlprodukte auf den Markt. Mittlerweile wird ein großes Sortiment an Bio-Gemüse in Demeterqualität unter anderem für die Marke "Natural Cool" angebaut und im Naturkosthandel vertrieben. Auch Tiefkühlprodukte für die Gastronomie gehören zum Kerngeschäft. Das von der Erzeugergemeinschaft verarbeitete Bio-Gemüse kommt auch als Zutat in Tiefkühlpizza oder in Convenience-Produkten wie Cannelloni mit Spinat zum Einsatz. Demeter Felderzeugnisse bauen auf Wunsch für ihre Kundschaft auch Exoten wie Brennnesseln, Kräuter, Sauerampfer, Schwarzwurzeln oder Pastinaken in Demeter-Qualität für die Verarbeitung an. Die seit mittlerweile drei Jahrzehnten bestehende Erzeugergemeinschaft von Bio-Landwirtinnen und -landwirten hat mit Unterstützung von Liefer- und Verarbeitungsunternehmen bis heute über 600 Tiefkühlprodukte in Demeter-, Bioland und Bio-Qualität entwickelt.

Auch Westhof Bio sieht eine Tendenz hin zu tiefgekühltem Verbandsgemüse. Demnach wollen die führenden Supermärkte sowie Fachhandelsketten ihr Produktportfolio erweitern und mehr Demeter-Artikel ins Sortiment bringen. Unter anderem Rote Bete, Möhren, Broccoli und Blumenkohl können von dem Unternehmen bereits als Demeter-Produkte angeboten werden. Westhof Bio bietet zudem Verbandsware von Naturland und Bioland an.

Gemüse mit Biolandzertifizierung bietet auch der deutsche Tiefkühlhersteller Frosta an. Das Bioland-Logo findet sich prominent auf der Packung. Von der Marke Frosta gibt es aktuell nur drei reine Sorten Bio-Gemüse sowie ein Sommergemüse tiefgekühlt. Um die Rückverfolgbarkeit und Qualität zu sichern, bezieht Frosta das gesamte Bio-Gemüse frisch von den Feldern der Vertragsbäuerinnen und -bauern aus Deutschland; die Verarbeitung erfolgt an den Produktionsstandorten im Elbtal und im Rheintal.

Wachsender Export – vor allem in die USA

Das Marktpotenzial von verarbeitetem Bio-Gemüse ist europaweit noch bei Weitem nicht ausgeschöpft. Um dem Anbau von Bio-Gemüse für die Verarbeitung bis hin zum Produkt im Glas oder in der Konserve eine Lobby zu geben, wurde 2017 die European Organic Processing and Trade Association (OPTA, Europäische Vereinigung für Biologische Weiterverarbeitung und Handel) gegründet. Die OPTA möchte europaweit eine starke biologische Lieferkette mit aktiven Verarbeitern und Händlern aufbauen. Der Vorstand der OPTA besteht aus fünf Mitgliedern aus vier europäischen Ländern. Die Niederlande sind mit sechs von 15 Gründungsmitgliedern stark in der Vereinigung vertreten.

Der Export auf europaweiter Ebene sowie in Drittländern ist ein sehr bedeutendes und wachsendes Standbein mancher Bio-Verarbeitungsunternehmen. So erzählt auch Jan Groen, CEO von Green Organics in den Niederlanden, vom Wachstumsmarkt USA. In den USA steigt die Nachfrage nach Bio-Produkten – frisch und verarbeitet – massiv.

Das Potenzial ist auch in Deutschland noch nicht ausgeschöpft. Noch listen die konventionellen Handelsketten meist ein schmales Sortiment an Bio-Tiefkühlgemüse. Die größte Auswahl findet sich bislang im Naturkosthandel. Export und LEH bieten demnach noch verschiedenste Ausbaumöglichkeiten.


Letzte Aktualisierung 14.12.2021

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