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Nachhaltig auf ganzer Linie?

Winzer bei der Kontrolle der betriebseigenen Solaranlage. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Unter dem Aspekt Energie wird im Nachhaltigkeitsbericht offengelegt, inwieweit alternative Energiequellen genutzt werden. Foto: Dominic Menzler, BLE

Was haben die Brauerei Neumarkter Lammsbräu und die Biobäckerei Märkisches Landbrot mit Großunternehmen, wie beispielsweise der BMW Group oder der Siemens AG, gemeinsam? Sie veröffentlichen bereits seit einigen Jahren regelmäßig einen Nachhaltigkeitsbericht. Sie haben erkannt, dass die Berichterstattung entscheidend dazu beiträgt, gesellschaftlich verantwortungsvolle Unternehmensstrategien umzusetzen.

Durch die hohe Transparenz schafft der Nachhaltigkeitsbericht eine Basis für Vertrauen und einen breiten zukunftsbezogenen Dialog - und das sogar über die Unternehmensgrenzen hinaus. Im Unternehmen selbst fördert die Berichterstattung die kontinuierlichen Verbesserungsprozesse in einem hohen Maß. Damit der Nachhaltigkeitsbericht die gewünschten Wirkungen erreicht, müssen die Unternehmen die unter Nachhaltigkeitsaspekten wesentlichen Themen wahrheitsgemäß, klar und vergleichbar sowie öffentlich zugänglich darstellen.

Kerninhalte der Nachhaltigkeitsberichterstattung bieten Orientierungshilfe

Die Anzahl der Nachhaltigkeitsberichte, vor allem von kleinen und mittelständischen Unternehmen, ist in den letzten Jahren merklich gestiegen. Nachhaltigkeitsberichterstattung ist die Weiterentwicklung bzw. die Erweiterung der klassischen Umweltberichterstattung um ökonomische und soziale Inhalte. Sie legt ihren Schwerpunkt auf die externe und interne Kommunikation der Nachhaltigkeitsstrategien.

Die Auffassung darüber, wie detailliert ein Nachhaltigkeitsbericht sein soll, ist sehr unterschiedlich. Leitfäden für die Umsetzung bieten neben den sustainability Reporting Guidelines der Global Reporting Initiative (GRI) auch das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und "future e. V. - verantwortung unternehmen" sowie einzelne branchenspezifische Veröffentlichungen.

Bürobesprechung zwischen junger Mitarbeite-rin und einem Mitarbeiter.
Die Investition in Nachwuchskräfte sowie die Möglichkeiten zur Weiterbildung der Mitarbeitenden sind Leistungen, die im Nachhaltigkeitsbericht erwähnt werden können. Foto: Dominic Menzler, BLE

Der Mindeststandard für die Nachhaltigkeitsberichte ist in allen Leitlinien gleich und wird durch grundsätzliche Kerninhalte gebildet, unabhängig von der Größe oder der Branchenzugehörigkeit des berichtenden Unternehmens. Neben dem Unternehmensprofil und der Darstellung der Unternehmensführung sind dies die Aspekte zur Verantwortung gegenüber den Beschäftigten, den Akteuren in der Lieferkette und dem gesellschaftlichen Umfeld. Herzstück ist die Offenlegung ökologischer, ökonomischer und sozialer Auswirkungen der Unternehmung mit konkreter, ambitionierter Ziel- und Maßnahmenformulierung in den einzelnen Unternehmensbereichen.

Empfehlungen für den Einstieg in die Nachhaltigkeitsberichterstattung

Je präziser die Nachhaltigkeitsleistungen des Unternehmens bestimmt werden, desto erfolgreicher können diese aktiv gesteuert und beeinflusst werden. Für den Einstieg in die Thematik empfiehlt es sich, von den eigenen Unternehmenswerten, Geschäftsprozessen und Produktcharakteristika ausgehende Schwerpunkte in der ersten Berichterstattung zu setzten und in den Folgeberichten die Informations- und Datenbasis sukzessive auszubauen. Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex, der vom Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) verabschiedet wurde, erleichtert beispielsweise die Nachhaltigkeitsberichterstattung mithilfe von 20 Kriterien, die unternehmerische Nachhaltigkeit im Kern beschreiben.

Externe Prüfung des Nachhaltigkeitsberichts

Entscheidend für die Wirkung eines Nachhaltigkeitsberichts ist nicht allein die Darstellung der wesentlichen Themen, sondern ebenso seine Glaubwürdigkeit. Ein Abgleich der gesetzten Ziele mit den erreichten Leistungen der Folgeberichte macht schnell deutlich, wie ernsthaft und kontinuierlich ein Unternehmen an seiner Vision für ein nachhaltiges Wirtschaften arbeitet.

Ein möglicher Weg, die Richtigkeit, Vollständigkeit und Angemessenheit des Berichts darüber zu gewährleisten, ist die Prüfung der Aussagen durch Externe. Bei einer Umwelterklärung nach EMAS, dem Gemeinschaftssystem der Europäischen Union für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung, erfolgt dies über die Validierung durch den Umweltgutachter. Bei einem Nachhaltigkeitsbericht ist eine externe Prüfung der Aussagen dagegen bisher freiwillig, bei der Anwendung der GRI-Leitlinien jedoch angedacht. Analog zur Testierung der Geschäftsberichte bieten große Wirtschaftsprüfungsgesellschaften auch für Nachhaltigkeitsberichte eine Prüfung an (Prüfungsstandard IDW PS 821).


Anja Grothe (Hrsg.): Nachhaltiges Wirtschaften für KMU - Ansätze zur Implementierung von Nachhaltigkeitsaspekten
oekom-Verlag München, 2012
Leseprobe und Bestellmöglichkeit

Katja Noll M.Sc.
Beratung für nachhaltige Entwicklung

Letzte Aktualisierung: 12.07.2017