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Nachhaltigkeitsbewertung: Tue Gutes und rede darüber

"Wie nachhaltig ist mein Unternehmen und wie kann ich dies überprüfen und glaubwürdig nach außen vertreten?" Viele Unternehmen der Biobranche stellen sich dieser Herausforderung. Eine gesetzliche Vorgabe für ein nachhaltiges Wirtschaften ist nicht gegeben, einige Privatlabels ermöglichen jedoch eine Nachhaltigkeitsbilanzierung und -zertifizierung.

Die Nachhaltigkeit eines Unternehmens erfasst nicht nur ihre Umweltleistungen (zum Beispiel CO2-Bilanzierung), sondern ebenso die sozialen und gesellschaftlichen, wie auch die ökonomischen Leistungen. Die Stärke eines komplexen Nachhaltigkeitsbewertung ist, dass das Unternehmen umfassend und in allen Bereichen bewertet und geprüft wird.

Ein guter Einstieg in eine Nachhaltigkeitsbewertung ist eine bereits vorhandene Umweltbilanzierung im Unternehmen. Werden Umweltdaten über ein Umweltmanagementsystem erfasst und bewertet, kann das Unternehmen leichter darauf aufbauen und diese angelegnten Strukturen und Managementsysteme weiterentwickeln. Aber auch der direkte Einstieg in ein Nachhaltigkeitsmanagement ist möglich.

Dass Nachhaltigkeitsbewertung ein Trendthema ist, machen auch die verschiedenen Tools auf dem Markt deutlich. Einige sind spezifisch auf bestimmte Unternehmensformen oder Produktionsrichtungen angepasst. Ein Tool, welches speziell für Betriebe im Lebensmittelsektor entwickelt wurde, ist SMART.

Mit SMART einen umfassenden Einblick erhalten

SMART steht für “Sustainability Monitoring and Assessment RouTine” und ist ein Verfahren zur Bewertung von Nachhaltigkeitsleistungen von landwirtschaftlichen Betrieben und Unternehmen im Lebensmittelsektor. Besonderheit von SMART ist, dass es auf Leitlinien der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization - FAO) zur Nachhaltigkeitsbewertung von Lebensmitteln (SAFA) aufgebaut ist (siehe Abbildung). Diese ermöglichen eine nachvollziehbare, umfassende Herangehensweise und vergleichbare Ergebnisse. Zur Umsetzung der SAFA-Leitlinien für verschiedene Zwecke braucht es aber praxisnahe Tools. SMART ist quasi die Übersetzung in die Praxis.

Grafik: Vier Dimensionen
Abbildung 1: Die vier Dimensionen der Nachhaltigkeit

Funktionsweise und Ergebnisse einer SMART-Bewertung

Die Bewertung erfolgt anhand der drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, Ökologie, Ökonomie und Soziales. Als vierte Dimension kommt die so genannte Governance hinzu, das heißt die Art und Weise der Unternehmensführung. Diese vier Dimensionen werden in 21 Themenbereiche wie zum Beispiel "Biodiversität" oder "Arbeitsverhältnisse" eingeteilt. Im Einzelnen werden 58 Kriterien bewertet, wie zum Beispiel "CO2-Emissionen". Das Ziel wird mit 100 Prozent bezeichnet, in diesem Fall würde das einer absoluten CO2-Neutralität entsprechen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die SMART-Bewertung auch die Betriebe im indirekten Einflussbereich des Unternehmens berücksichtigt (siehe Abbildung 2). Für Verarbeiter fallen hierunter vor allem die Erzeuger, die bei Lebensmittel verarbeitenden Betrieben einen großen Einfluss auf die Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie und Soziales haben. Diese können ergänzend mit dem SMART-Farm-Tool bewertet werden.

Beispielhafte Darstellung des direkten und Indirekten Einflussbereichs eines Unternehmens, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Abbildung 2: Der direkte Einflussbereich umfasst die Bereiche der Wertschöpfungskette, auf die das Unternehmen unmittelbaren Einfluss hat. Der indirekte Einflussbereich schließt die Auswirkungen ein, die sich durch unternehmerische Entscheidungen ergeben, die aber nicht unter vollständiger Kontrolle des Unternehmens sind. Foto: FiBL

Am Ende der SMART-Bewertung steht kein Siegel, sondern ein Ergebnisbericht. Die Unternehmen erhalten Grafiken, in denen sie auf den ersten Blick Stärken und Defizite erkennen können. Zudem erhalten sie zu jedem Punkt schriftliche Bewertungen, aus denen direkt Maßnahmen abgeleitet werden können. Außerdem bildet der Bericht eine Möglichkeit, bestehende Leistungen an Geschäftspartner und Kunden zu kommunizieren und sich mit anderen Betrieben zu vergleichen. Ein großer Schritt hin zu einem nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen ist gemacht.


Letzte Aktualisierung: 31.01.2018