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Der ökologische Fußabdruck im Fokus

Olivenölflaschen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Eine der Pilotstudien der EU Kommission zum Vergleich verschiedener ökologischen Fußabdrücke ist Olivenöl. Foto: EU Kommission

Bio ohne Umweltleistungen ist kaum vorstellbar. Viele Unternehmen der Bio-Branche haben ein Umweltmanagementsystem etabliert und etliche lassen sich auch zum Beispiel nach EMAS, ISO 14000ff oder QuB (Qualitätsverbund umweltbewusster Betriebe) zertifizieren. Einige gehen auch noch weiter, haben ein Nachhaltigkeitsmanagementsystem implementiert und berichten zum Beispiel nach den Statuten von Global Reporting Initiative (GRI) oder Gemeinwohlökonomie.

Basis dieser Systeme ist, dass sie das Unternehmen als Ganzes betrachten zum Teil inklusive der vorgelagerten Landwirtschaft und des nachgelagerten Handels. Dabei werden die Umweltleistungen nicht auf das einzelne Produkt berechnet, sodass Aussagen zu Umweltfreundlichkeit beziehungsweise Nachhaltigkeit nur in Bezug auf das Unternehmen getroffen werden können.

Auch bei produktspezifischen Umweltkennzeichnungen wie zum Beispiel RSPO (Round Table on Sustainable Palm Oil) für Palmöl werden die Anbaumethoden und Produktwege insgesamt betrachtet, können jedoch am Produkt gekennzeichnet werden.

Initiative "Schaffung eines Binnenmarktes für grüne Produkte"

Einen anderen Weg will die EU-Kommission mit dem Umweltfußabdruck von Produkten (englisch: product Environmental Footprint (PEF)) gehen, wie sie in ihrer Empfehlung vom neunten April 2013 veröffentlicht hat. Aufgrund der Vielzahl an unterschiedlichen Methoden und Initiativen zur Bewertung und Darstellung von Umweltleistungen, welche nach Ansicht der Kommission nicht mehr durchschaubar sind, sowie zu Misstrauen gegenüber Umweltleistungsdaten führen, hat die Kommission eine Initiative zur Schaffung eines Binnenmarktes für grüne Produkte ins Leben gerufen. Sie plädiert dafür, einen gemeinsamen methodischen Ansatz festzulegen, damit die Umweltleistungen der Unternehmen am Produkt und der Organisationen in den EU-Mitgliedsstaaten bewertet, anzeigt und verglichen werden können. Dafür hat sie Methoden für die Berechnung eines Umweltfußabdrucks für Produkte (PEF) und eines Umweltfußabdrucks für Organisationen entwickelt. Dieser Beitrag konzentriert sich ausschließlich auf den Produkt-Umweltfußabdruck (PEF).

Aktuell läuft die Testphase

Die Idee hinter dem PEF ist, die ökologischen Fußabdrücke in einzelnen Produktgruppen (bei Lebensmitteln beispielweise Bier, Olivenöl, Pasta oder Milchprodukte) miteinander zu vergleichen. Die EU-Kommission hat dazu Pilotstudien gefördert, die für die einzelnen Lebensmittelgruppen Standards und Benchmarks entwickelt haben. Diese Pilotstudien fanden von 2013 bis 2016 statt und befinden sich nun in der Auswertung. Anhand dieser Standards und Benchmarks können Unternehmen ihre einzelnen Produkte bemessen und bewerten. Gleichzeitig fand eine Testphase für verschiedene Kommunikationsmittel statt, um herauszufinden, wie der Umweltfußabdruck am besten nach außen dargestellt werden kann. Denn die Bewertung soll dann letztendlich an die Endkundschaft kommuniziert werden, um ihm die Möglichkeit zu geben, sich für ein umweltfreundlicheres Produkt zu entscheiden. Eine legislative Umsetzung wird für Ende 2018 angestrebt.

Vergleichbarkeit durch Standardisierung

Grafik zu den vorgeschlagenen Kommunikationsmöglichkeiten für PEF. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die EU Kommission hat verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten für den PEF vorgeschlagen, diese werden momentan getestet und bewertet. Quelle: EU Kommission

Ganz so einfach ist es jedoch nicht mit der Bewertung und könnte bei einer Marktdurchdringung große Auswirkungen für die Bio-Branche haben. Bislang wird die Bemessung und Bewertung der Produkte ausschließlich an Effizienzparametern festgemacht. Das bedeutet: Je standardisierter ein Produkt hergestellt wird und je größer die Produktionsmenge ist, desto besser wird es in diesen vorgegebenen Parametern abschneiden. Allerdings sind Parameter wie der Erhalt und die Förderung der Biodiversität, die nicht quantitativ bemessen werden können, wichtige Elemente in der Umweltleistungsbewertung und müssen in eine Bewertung zwingend mit einfließen. Weiter entspricht der im PEF primär angelegte Blick auf ökologische Faktoren nicht den Verbraucherwünschen nach einer Kennzeichnung umweltfreundlicher Produkte. Verbraucherinnen und Verbraucher unterscheiden nicht zwangsläufig nach Umweltgesichtspunkten und nach Nachhaltigkeitsgesichtspunkten und erwarten somit, dass ein mit dem PEF ausgezeichnetes Produkt auch weitere Parameter im fairen und sozialen Bereich erfüllt. Insbesondere die biologische, aber auch die handwerkliche Produktion, lässt sich gerade eben nicht nur über Effizienzparameter am Produkt bemessen. Es spielen auch Themen wie Biodiversitätserhalt, fair gehandelte und regionale Rohstoffbeschaffung und Tierwohl eine wichtige Rolle, die jedoch bei der PEF-Bemessung kaum beziehungsweise nicht berücksichtigt werden wird.

So eröffnet der PEF die Chance eines einheitlichen Regelwerks für den europäischen Markt und könnte die Verbraucherinnen und Verbraucher mit kurzen prägnanten Informationen zu den Umweltleistungen des Produkts aufklären.

Die Schwachstelle dabei ist jedoch, dass diese Informationen zu kurz greifen und das Bedürfnis der Verbraucherinnen und Verbraucher auch nach fairen und sozialen Leistungen nicht erfüllen. Hier wäre im weiteren Entwicklungsprozess des PEF noch Spielraum.

Konstruktiv mitwirken ist notwendig

Die Bio-Branche muss sich deshalb intensiv mit den Vorgaben der EU für die Produktpiloten auseinandersetzen und sich konstruktiv einbringen, um ihre Forderungen zu platzieren. Ein mögliches Marktlenkungsinstrument wie der PEF sollte rundum umweltfreundliche Produkte protegieren und damit die Umwelt schonen, die Biodiversität erhalten, gleichzeitig aber auch weiterhin die Vielfalt in der Produktion und im Lebensmittelangebot gewährleisten.


Letzte Aktualisierung: 18.10.2017