Verarbeitung


Praktikum in der ökologischen Lebensmittelverarbeitung

Zwei Personen begutachten Getreidesäcke. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Viele Bereiche im Betrieb sind erklärungsbedürftig. Wie gut ist hier für einen Außenstehenden Transparenz zu schaffen?#Foto: D. Menzler

Zum Ende eines Bildungsabschlusses stehen junge Menschen vor einer Reihe existenzieller Fragen: Was fange ich an mit meiner Zukunft nach dem Abschluss? Wo habe ich Chancen? Was ist zukunftsfähig? Auch viele Betriebe der ökologischen Verarbeitung werden von Jahr zu Jahr mit der gesellschaftlichen und unternehmerischen Verantwortung konfrontiert, der jungen Generation eine Möglichkeit zum Einblick oder Einstieg in das Berufsleben zu ermöglichen. Ein kurzer Umriss der Biobranche zeigt ganz klar auf, dass dieser Bereich für den Bildungs- und Arbeitsbereich junger Menschen prädestiniert ist: stetig und solide wachsend, ressourcenschonend, vielfältig, nachhaltig und innovativ, mit dem Potenzial, die Welt ernähren zu können…also rundum zukunftsfähig. Allem voran jedoch sind zahllose Betriebe der ökologischen Lebensmittelverarbeitung von ihrer Sache mit gutem Recht voll und ganz überzeugt – diese Überzeugung gilt es auch an die nachfolgende Generation weiterzugeben.

Entschließt sich ein Unternehmen, jungen Menschen zu praktischer Bildung zu verhelfen, ist das Praktikum ein gut geeignetes Mittel. Dabei reicht das Spektrum vom Schülerpraktikum über Praktika im Zuge der Ausbildung bis zu orientierenden Praktika während oder im Anschluss an ein Hochschulstudium.

Das Erkunden von Berufsfeldern durch ein Schülerpraktikum

Praktikum ist nicht gleich Praktikum. Schülerpraktika zum Beispiel ziehen sich ab der achten bis zehnten Klasse meist nur über ein bis drei Wochen. Auch wenn sich die Interessenten aus eigener Initiative erkundigen (sollten), gibt es auch für die Unternehmen die Möglichkeit, sich in diese Richtung zu engagieren. Eine gute Übersicht über entstehende Vorteile sowie Initiativen, wie zum Beispiel Schulpartnerschaften und Sponsoring, ist auf der Seite des "Arbeitskreises SchuleWirtschaft" gegeben. Hier finden sich auch bundeslandspezifische Informationen.

Auf kommunaler Ebene sind die "Beiräte Schule - Beruf" verankert, die eng mit der jeweiligen Agentur für Arbeit zusammenarbeiten. Zu finden sind diese beispielsweise bei Schulämtern oder Kreisverwaltungen – online mit den entsprechenden Stichworten, dem betreffenden Landkreis und gängigen Suchmaschinen.

Schülerinnen und Schüler bringen zwar nur in seltenen Fällen fachlichen Bezug mit und sind aufgrund ihres Alters und des kurzen Aufenthalts in der Firma nur bedingt einsetzbar. Sie können für das Unternehmen dennoch eine große Bereicherung darstellen: Wie transparent ist mein Unternehmen oder der Produktionsprozess? Wie gut kann auf unerwartete oder unkonventionelle Fragen geantwortet werden? Welche Arbeitsprozesse gibt es im einfach strukturierten Bereich, die von qualifiziertem Personal abgegeben werden können? Welcher Mitarbeitende ist besonders für die Betreuung geeignet? Solche und ähnliche Fragen haben in den meisten Fällen positive Auswirkungen auf ein Unternehmen – sei es, dass in Zukunft das Personal effizienter in seinem Qualifikationsbereich arbeiten kann (durch Auslagerung weniger qualifizierter Tätigkeiten) oder durch besondere pädagogische beziehungsweise didaktische Fähigkeiten des Personals, die im geeigneten Rahmen allen Mitarbeitenden zugute kommen können. Für eines sind unbedarfte Schülerpraktikanten auch immer gut: Sie bringen frischen Wind in das Unternehmen.

Eine gute Verbindung: Ausbildung und Studium mit Praxisbezug

Die Information bei regionalen Berufsfachschulen zu beispielsweise einer Kooperation ist lohnenswert. In diesem Rahmen können Schülerinnen und Schüler der Berufsfachschulen, die speziell auf einen Ausbildungsgang (zum Beispiel Fachkraft für Lebensmitteltechnik oder Bäckerin/Bäcker) vorbereitet werden, die im schulischen Rahmen erworbenen Kenntnisse zum ersten Mal in der Praxis anwenden.

Für Praktika von Studierenden lohnt sich das Einholen von Information an den entsprechenden Hochschulen. Für den Bereich Lebensmitteltechnologie beispielsweise wurde von der Universität Hohenheim eine Übersicht der Studienorte erstellt. Weitere entsprechende Studienstandorte lassen sich über allgemeine Studiengang-Verzeichnisse finden.

Fachhochschulen führen für vorgeschriebene Praxissemester der Studierenden oftmals Verzeichnisse interessierter Unternehmen. Neuzugänge sind dabei meist hoch erwünscht. Das Internetportal greenjobs.de führt neben den herkömmlichen Stellenanzeigen auch Praktikumsstellen, Abschlussarbeiten, Stellen für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) oder ähnliches (inklusive Gesuche). Selbiges gilt auch für den Internetauftritt der Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL). Auch der Blick in diese Richtung lohnt sich für Unternehmen der ökologischen Lebensmittelverarbeitung.

Angemessene Betreuung gehört grundsätzlich dazu

Zu bedenken seitens der Unternehmen ist bei der Einrichtung einer Praktikumsstelle vor allem eine Sache: Wie und durch wen findet die Betreuung der Praktikantin beziehungsweise des Praktikanten statt?

Zwei Frauen bei Besprechung im Büro. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Eine persönliche Betreuung ist wichtig für ein auf beiden Seiten zufriedenstellendes Praktikum und beschert den regulären Mitarbeitern einen gewissen Grad an Abwechslung zu den alltäglichen Aufgaben. Foto: Dominic Menzler, BLE

Im Hinblick auf die Betreuung sollten im Vorhinein mit dem betroffenen Personal klare Zuständigkeiten definiert werden. Im Mittelpunkt sollten dabei die Neigungen, Kompetenzen und der Wille zur Weiterentwicklung im Bereich Bildung stehen.

Grundsätzlich soll ein Praktikum jungen Menschen ermöglichen, Einblick in die Berufspraxis zu erhalten und allen Mitarbeitenden über die Schulter sehen zu können. In vielen Fällen entsteht im Laufe eines Praktikums eine echte Win-win-Situation: Der Praktikant beziehungsweise die Praktikantin lernt den Arbeitsalltag kennen und kann dann, besonders bei längeren Praktika, bei verschiedenen Aufgaben helfend beiseite stehen. Im Optimalfall können abgegrenzte Aufgabengebiete übertragen werden. Dies entlastet das Unternehmen und lässt die Praktikantin beziehungsweise den Praktikanten Wertschätzung spüren und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln. Gerade ökologische Verarbeitungsunternehmen sollten sich an dieser Stelle der sozialen Verantwortung eines Arbeitgebers und Kompetenzvermittlers bewusst sein. Dabei sollte es nicht um die Beschaffung von billigen Arbeitskräften gehen, sondern um eine Investition in die Zukunft der Biobranche.


Letzte Aktualisierung: 30.01.2018