Verarbeitung


Superfoods – ein Muss für Bioverarbeiter?

Chiasamen, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Chia-Samen gehören zu den beliebtesten Superfoods am Markt. Foto: FiBL

Seit 2015 sind Superfoods ein großer Trend, auch am Biomarkt. Unter Superfoods sind Lebensmittel zu verstehen, die mit positiven gesundheitlichen Wirkungen in Verbindung gebracht werden. Von Chia-Samen über rohen Kakao, Kokosöl, Acaibeeren bis zu Gojibeeren - die Liste der Superfoods ist lang. Genauso wie die Liste gesundheitlicher Wirkungen, die ihnen zugeschrieben werden: Chia-Samen zum Beispiel sollen das Herz schützen, die Hautalterung verlangsamen und sogar die Leistungsfähigkeit des Gehirns steigern. Einen hohen Anteil an Antioxidantien besitzt die Acaibeere und hat somit einen positiven Effekt bei Bluthochdruck, Arthritis oder zu hohen Cholesterinwerten. Es klingt, als wären die "Superlebensmittel" wahre Wundermittel. Aber ist es unbedingt sinnvoll, all diese angepriesenen Zutaten zu verwenden?

Marktbedeutung

Im Naturkostfachhandel erfreuen sich Superfoods großer Beliebtheit. Ob verarbeitet in Müslis, getrocknet oder als Pulver zum Einrühren in Smoothies oder Wasser, in fast jedem Biosupermarkt ist eine breite Palette an Superfoods vertreten. Selbst die Regale der großen Drogeriemärkte wie dm und Rossmann haben inzwischen eine breite Auswahl an Biosuperfoods im Angebot.

Superfoods im Biolebensmittel

Müsli, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Statt Goji- oder Acaibeeren lassen sich für den gleichen Gesundheitseffekt auch Brombeeren ins Müsli mischen.
Foto: Dominic Menzler, BLE

Welches Potenzial bieten diese Lebensmittel für Bioverarbeiter? Vor allem sind sie reizvoll, um zum Beispiel als Biomüslihersteller neue Kreationen mit Cranberries, Gojibeeren und Amaranth herzustellen. Aber auch im Getränkesortiment und Sortiment an Müsliriegeln, sowie weiteren Snacks für zwischendurch haben Superfoods längst einen festen Platz im Regal. Die Nachfrage ist vorhanden, dennoch sollte ein Verarbeiter von biologischen Lebensmitteln sich gut überlegen, ob die nicht ganz unumstrittenen Superfoods tatsächlich verarbeitet werden sollen. Denn neben all den möglichen gesundheitlichen Vorteilen und der Nachfrage, haben Superfoods für gewöhnlich sehr langen Transportwege. Auch ist die Gesundheitswirkung der "Superlebensmittel" bisher nicht zu einhundert Prozent geklärt. Vor allen Dingen sind sie aber beim Thema Bio-Authentizität mit großer Vorsicht zu genießen.

Der Ökomonitoring Bericht des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden – Württemberg (MLR) legt seit 2015 einen besonderen Augenmerk auf Superfoods. Dabei wurde festgestellt, dass diese stark mit Pestiziden belastet sind. Im Bericht des Jahres 2016 kam das MLR sogar zu dem Schluss, dass 33 Prozent der untersuchten Superfoods irreführend gekennzeichnet und keine ökologische Ware waren. 2017 sah die Situation zwar schon besser aus, besonders bei Chia-Samen, dennoch ist die Produktkategorie weiterhin auffällig.

Superfoods aus der Heimat

Es gibt Wege für Verarbeitungsunternehmen, sowohl Regionalität der Produkte als auch den Einsatz von Superfoods miteinander zu vereinbaren. Die Lösung sind heimische Alternativen, wie zum Beispiel Leinsamen. Sie stellen eine gute Alternative zu Chia-Samen dar, ihr Omega-3-Gehalt ist ähnlich hoch und die Menge an Ballaststoffen und somit die Sättigungswirkung identisch. Auch zu Acaibeeren und Cranberries finden sich heimische Pendants: Heidelbeeren, Johannisbeeren oder Brombeeren enthalten viele Vitamine und Antioxidantien.

Wer sich also gegen den Einsatz der neuen Superfoods entscheidet, findet in der heimischen Rohstoffauswahl genügend Alternativen.


Letzte Aktualisierung: 22.07.2018