Demonstrationsbetriebe


Billesberger Hof: Gib deinem Bauern die Hand!

Der Bauer Amadé Billesberger steht in Tracht auf der Wiese. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Amadé Billesberger baut Gemüse, Kartoffeln und Getreide an, das er ausschließlich regional vermarktet.

Im Internet regionale und nachhaltige Lebensmittel bestellen, sie dann um die Ecke abholen und dabei ins Gespräch mit dem Erzeuger kommen: Das alles geht mit einer Food Assembly. Der Billesberger Hof hat bereits erste Erfahrungen mit dieser neuen Form regionaler Wertschöpfung gemacht. Es passt perfekt in das Hofkonzept des Demonstrationsbetriebs und bietet Betriebsleiter Amadé Billesberger kurze Vermarktungswege, eine verpackungsfreie Vermarktung und Transparenz für die Kundschaft.

Plastikfreie Zukunft

Amadé Billesberger ist Idealist. "Ich gebe Natron in den Kaffee, um mein Gewissen ein bisschen basischer zu machen", scherzt der sympathische Landwirt mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Sein Spitzname ist Mogli, das passt gut zu jemandem, der im Konsumdschungel seine Ideale bewahrt. Moglis Hofladen besteht aus Metallbehältern, aus denen er lose Ware in Form von Nudeln, Mehl und Getreide abfüllt. Die Behältnisse dafür bringt die Kundschaft selbst mit. Wer nichts dabei hat, bekommt Papiertüten, die man problemlos mehrmals verwenden kann. "Ich weiß noch nicht genau wann und wo, aber ich werde garantiert einen verpackungsfreien Laden eröffnen“, berichtet Mogli von seinen Zukunftsplänen. 

Ich weiß noch nicht genau wann und wo, aber ich werde garantiert einen verpackungsfreien Laden eröffnen.

Kundin steht vor Bauer und unterhält sich mit ihm, während sie eine vollgepackte Einkaufskiste hält. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Die Food Assembly findet in der ehemaligen Mühle statt. Die Kundin kommt schnell mit Mogli ins Gespräch über eine plastikfreie Welt.

Seit neuestem veranstaltet er eine Food Assembly, eine Art modernen Bauernmarkt. Die funktioniert so: Ein Gastgeber – in diesem Fall Mogli – stellt Räumlichkeiten zur Verfügung, in denen die Kundschaft einmal pro Woche ihre vorher im Internet bestellte Ware abholt. Das kann von Mehl, Nudeln und Gemüse über Eier bis zu Fleisch, Wurst und Käse reichen. Neben Mogli bieten fünf weitere Bauern aus der Region hier ihre Ware an und sind selbst vor Ort: ganz nach dem offiziellen Food Assembly-Motto "Gib deinem Bauern die Hand". Inzwischen sind über 400 Kundinnen und Kunden in der Food Assembly vom Billesberger Hof registriert: Manche kommen nur sporadisch, andere wöchentlich.

Ohne Zwischenhandel

Unterschiedlichstes Gemüse ist nebeneinander angerichtet worden. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Billesberger baut 40 verschiedene Gemüsesorten an. Restaurants und Privatkundinnen und -kunden schätzen die hohe Qualität.

Veronika Schwarzbauer gehört beispielsweise zu der Kundschaft, die regelmäßig dienstags abends in die alte Mühle kommen. Sie kauft hier ein, weil sie Plastik vermeiden will. Außerdem spielt für sie der Tierschutz eine wichtige Rolle. "Ich weiß, dass die Tiere es auf den Höfen, die in der Food Assembly mitmachen, gut haben", erklärt Schwarzbauer ihre Motivation. 50 Cent für ein Bioei findet sie nicht viel. Schließlich weiß sie, dass Mogli Billesberger Zweinutzungshühner hält und will das unterstützen. Die Bruderhähne der Legehennen werden nicht – wie vielerorts üblich – getötet, weil sie zu wenig Fleisch ansetzen. Der Gastgeber der Food Assembly und die Kundin kommen schnell ins Fachgespräch über ein plastikfreies Leben. Von Lebensmitteln wie Mozzarella und Quark im Glas über Kosmetik wie Deostein und Shampoo, bis zum Toilettenpapier.

Verpackung mit Nudeln. Klick führt zu Groaßnsicht in neuem Fenster.
Die Billesberger Regional Pasta besteht aus 100 Prozent hofeigenem Dinkel.

Ziemlich stolz ist Mogli allerdings auf eine kleine Ausnahme in seinem verpackungsarmen Leben: die neuen Papierverpackungen seiner Dinkelnudeln. Er hat lange daran gearbeitet, bevor Design und Text ganz nach seinem Geschmack waren und auch den lebensmittelrechtlichen Vorschriften entsprachen. Das Ergebnis: Billesberger Regional Pasta aus 100 Prozent hofeigenem Dinkel. Die Körner dafür werden in der Wolfsmühle in Forstinning (nur 15 Kilometer entfernt) schonend zu Dinkelmehl und -grieß vermahlen. Anschließend werden die Rohstoffe vom Lärchenhof, einer Nudelwerkstatt im Umkreis, zu bayerischer Dinkelpasta verarbeitet. Kundin Veronika kennt die Nudeln schon lange und gerät ins Schwärmen: "Kein Vergleich mit den normalen Nudeln. Sie schmecken kernig und sind in drei bis vier Minuten gar."

Zusammenarbeit in der Region

Hühner laufen auf der Wiese, auf der ebenfalls ein Hühnermobil steht. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Billesberger hält aus Überzeugung Zweinutzungshühner, deren Brüder im Biohof Schubert gemästet werden.

Mogli Billesberger brennt für seine Sache und setzt sich in der Non-Profit-Organisation Slow Food dafür ein, die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen und lebendig zu halten. Er kommt leicht mit anderen Visionären ins Gespräch. Da ist zum Beispiel die Zusammenarbeit mit der Kaffeerösterei Emilo in München. Eigentlich wollte er dort "nur" losen Kaffee kaufen. Die Inhaber waren von seinen Ideen so begeistert, dass sie den hausgemachten Kuchen in ihren beiden Cafés nur noch aus Moglis Dinkelmehl und mit Eiern seiner Zweinutzungshühner backen. Ein Beispiel von vielen, wie Mogli seine landwirtschaftlichen Produkte vermarktet.

Zu Moglis Kunden gehören zudem viele Restaurants in München. "Sie wissen, dass sie bei mir Top-Ware bekommen und feilschen nicht über den Preis", berichtet er zufrieden. Auch "Promis" wie Andreas Schweiger aus der RTL-Sendung "Die Kochprofis" kaufen bei ihm ein. "Seit Andi auf meinem Hof war und tatkräftig bei der Gemüseernte geholfen hat, ist seine Wertschätzung gegenüber Biolebensmitteln noch gestiegen. Und Gedanken über unnütze Verpackungen macht er sich jetzt auch", erzählt Billesberger – wieder mit verschmitztem Lächeln.

Restaurants wissen, dass sie bei mir Top-Ware bekommen und feilschen nicht um den Preis.

Erlebnisangebote

Weißes Schaf steht auf der Wiese. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Die Bergschafe des Biobetriebs halten die Wiesen am Fluss in Schuss. Sie sind sehr robust und bei Wind und Wetter draußen.

Seitdem geben Mogli und Andi gelegentlich gemeinsam Kochkurse in der Schule von Schweiger. "Das ist mal eine herrliche Abwechslung", freut sich Mogli. "Dort kann ich gleichzeitig Geld verdienen und wissensdurstigen Städtern etwas über alte Gemüsesorten und Biolandbau erzählen", freut er sich und bekommt Lust auf mehr. Jetzt will er die alte Mühle nach und nach umbauen, so dass neben der Food Assembly auch Seminare, Hochzeiten und andere Veranstaltungen dort stattfinden können – und eventuell auch der ein oder andere Kochkurs.

Autorin: Hella Hansen

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken.

Letzte Aktualisierung: 18.01.2017