Demonstrationsbetriebe


Biohof Bakenhus: Wurst schützt Trinkwasser

Kühe auf einer Weide. KLick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Die Rinder leben in extensiver Mutterkuhhaltung und bekommen besonders viel Platz und Zeit zum Leben.

Wer sich dem Biohof Bakenhus nähert, sieht bereits von der Ferne was extensive Mutterkuhhaltung bedeutet. Eine großzügige Weidelandschaft mit grasenden Kühen und ihren Kälbern säumt den Weg zum Hof. Dieses Bild ist auch auf der Verpackung der verarbeiteten Produkte zu sehen. Denn der Biohof Bakenhus will zeigen, wo Lebensmittel herkommen und was artgerechte Tierhaltung heißt. Deswegen organisiert er sich in drei Teilbereiche: Landwirtschaft, Vermarktung und Vermittlung.

Ein Mann hält eine Liste in der Hand. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Die Nährstoffversorgung stimmt: Dabei stellt Gustav Wolters, gelernter Kaufmann, sein Geschick mit Zahlen unter Beweis.

Platz und Zeit zum Leben

Der Biohof Bakenhus liegt in Großenkneten bei Oldenburg, Betriebsleiter Gustav Wolters bewirtschaftet die Fläche mit Mutterkuh- und Rinderhaltung sowie Schweinemast nach Naturland-Richtlinien. Viel Platz zum Leben, im Freien und im Stall, bietet Gustav Wolters seinen Rindern und Schweinen: "Zur artgerechten Tierhaltung gehört für mich, dass die Tiere sich jederzeit frei entscheiden können, ob sie sich drinnen oder an der frischen Luft aufhalten möchten." Er bietet den Tieren eine Extraportion Platz, mehr als  in den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau vorgeschrieben.  

Zur artgerechten Tierhaltung gehört für mich, dass die Tiere sich jederzeit frei entscheiden können, ob sie sich drinnen oder an der frischen Luft aufhalten möchten.

Doch nicht nur genug Raum, sondern auch mehr Zeit zum Leben wird hier geboten: Die Kälber bleiben nach der Geburt bei ihrer Mutter und werden von ihr die ersten sechs bis neun Monate gesäugt. Vom Frühjahr bis zum Winteranfang laufen alle Masttiere und die Kühe mit ihren Kälbern auf den großen Weiden des Hofes. Weil die Rinder viel Weidegang haben, bauen sie langsamer Gewicht auf und werden erst in einem Alter von zwei bis zweieinhalb Jahren geschlachtet. Das macht sich auch im Aroma bemerkbar: Das reifere, saftigere Fleisch sorgt für mehr Geschmack.

Fleischer bedient einen Kunden. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Der Hofladen ist für den Fleischermeister die Schnittstelle zum Kunden, vom Austausch profitieren beide.

Fleischer mit Botschaft

Das Fleisch der Tiere und das anderer regionaler Biohöfe wird in der Biofleisch Bakenhus GmbH verarbeitet und über sie direkt vermarktet. Dies geschieht über einen Online-Versand und durch die Belieferung des Großhandels. Einen Vor-Ort-Verkauf gibt es natürlich auch. "Der Hofladen ist das Gesicht des Hofes", sagt Rainer Breuer, gelernter Fleischer und Geschäftsführer.  "Hier kommen wir mit den Kunden ins Gespräch."

Der Dialog ist Breuer wichtig, er tauscht sich gern mit den Kundinnen und Kunden an der Ladentheke aus. So inspirierte ein Gespräch den gelernten Fleischer vor zwei Jahren, Wurst ganz ohne tierische Produkte herzustellen. Ein Kunde hatte ihn mit den Worten "Mach mir doch mal eine vegetarische Pinkel!" herausgefordert. "Ob mit oder ohne Fleisch – Die Würzung ist entscheidend und als Fleischer ist das mein Handwerk", dachte sich Breuer und machte sich ans Werk. Er tüftelte an den Zutaten und der Mischung solange, bis es ihm und seinen Mitarbeitern schmeckte. Zwei Monate später erreichte Breuers erste fleischlose Wurst Marktreife. Die kam so gut an, dass heute weitere fleischlose Produkte wie die "Feuerpfanne", der "Bauernschmaus" und vegane Aufstriche in der Auslage liegen. 

Uns ist es wichtig, den Wert von Lebensmitteln zu vermitteln.

Ein Mann zeigt etwas auf einem Schild. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Auch auf dem Schild vorm Laden ist der Hinweis über den aktiven Trinkwasserschutz vermerkt.

Den Kontakt zu seinen Kundinnen und Kunden nutzt Breuer zudem, um ihnen zu zeigen, wo die Produkte herkommen: "Uns ist es wichtig, den Wert von Lebensmitteln zu vermitteln. Unsere Kunden sollen verstehen, dass für jedes Schnitzel, das sie essen, ein Tier sterben musste." Deswegen empfiehlt er jeder Verbraucherin und jedem Verbraucher, sich anzuschauen, wo die Lebensmittel herkommen. "Und was eignet sich da besser als ein Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau?" fragt er, denn als solcher öffnet der Hof Interessierten regelmäßig Türen und Tore und lässt sie "Bio live erleben".

Ein besonderes Highlight: Jedes Jahr im September lädt der Hof ein zu "PommesMcSelf". Ein Fest bei dem Besucherinnen und Besucher ihre eigene Portion Pommes zubereiten. Ernten, waschen, schälen, stiften und frittieren: Groß und Klein absolvieren alle Arbeitsschritte und können dann schmecken, was selbstgemachte Biopommes ausmachen.

Ein tropfenförmiges Tor im Wald. Klick führt zu Groaßnsicht in neuem Fenster.
Der Lehrpfad: Zahlreiche Stationen auf dem bewaldeten Gelände führen die Besucherinnen und Besucher in das Thema Trinkwasserschutz ein.

Aktiver Trinkwasserschutz 

Immer wieder findet sich das Thema Trinkwasserschutz auf dem Hof wieder. Kein Wunder: Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) hat den Hof in den neunziger Jahren gekauft, um sicher zu gehen, dass die Ackerflächen im Einzugsgebiet der örtlichen Trinkwasserbrunnen ökologisch bewirtschaftet werden. Durch chemische Düngung und übermäßigen Gülleeintrag bestünde die Gefahr, dass giftige Stoffe durch die Böden ins Grundwasser sickern würden und diese aufwendig gefiltert werden müssten.

Der Biohof verzichtet selbstverständlich darauf und leistet damit einen wichtigen Beitrag für langfristig unbelastetes Trinkwasser. Rainer Breuer betont deswegen gerne, dass Biolandwirtschaft und Trinkwasserschutz zusammen hängen. Deswegen steht auf jedem Produkt ein Hinweis dazu. Außerdem werden diese komplexen Zusammenhänge auf zahlreichen Informationsstationen des bewaldeten Hofgeländes erklärt. Ein großer tropfenförmiger Bogen lädt Kinder und Erwachsene dazu ein, einen Lehrpfad über Trinkwasserschutz zu erkunden. Dieser klärt Besucherinnen und Besucher spielerisch über die Zusammenhänge  auf.

Autorinnen: Annika Lapp, Karin Wilhelm

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken (PDF-Datei).

Letzte Aktualisierung: 14.04.2015