Demonstrationsbetriebe


Biohof Lex: Von Luxushennen und Leguminosen

Großaufnahme von Hülsenfrüchten. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Viele unterschiedliche Hülsenfrüchte erhalten die Bodenfruchtbarkeit und sind voll im Trend der vegetarischen und veganen Ernährung.

Der Biohof Lex nahe Erding in Bayern war 1979 der erste und einzige Biohof weit und breit. Lorenz Lex galt damals als Sonderling. Seit einigen Jahren hat seine Tochter Bernadette viel Verantwortung übernommen, profitiert jedoch weiter von der fast 40-jährigen Erfahrung ihres Vaters. Gemeinsam sind sie inzwischen zu Botschaftern des Ökolandbaus geworden. Allen voran zeigen sie Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie den Medien, wie Speise und Futterbohnen, Sojabohnen, Lupinen und die verschiedenen Linsensorten angebaut und verarbeitet werden.

Landwirtin und Tierfreundin

Nahaufnahme von den Wurzeln einer Sojapflanze mit Knöllchenbakterien. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Knöllchenbakterien in der Wurzel von Leguminosen binden den Luftstickstoff und machen den Nährstoff im Boden verfügbar.

Wenn Bernadette Lex etwas nicht gefällt, dann ändert sie es. Die Landwirtin und Vegetarierin hatte beispielsweise ein flaues Gefühl im Bauch, als sie vor 10 Jahren die erste Legehennenherde des bis dahin viehlosen Betriebes zum Schlachthof fuhr. Sie dachte nach und fand schnell eine Lösung: Seither fahren die Hühner nach ein bis zwei Jahren, in denen sie Eier legen, nicht mehr zum Schlachthof, sondern in ein neues Zuhause – zu Hobbyhalterinnen und -haltern. Echte Luxushühner. Doch sie heißen nicht nur so, weil sie an Altersschwäche sterben, sondern auch, weil sie Belugalinsen, Buchweizen, Braunhirse und Dinkel aus dem eigenen Anbau fressen. Selbstverständlich nur die zu klein geratenen Körner, zerbrochene und leichte Teilchen. Alles, was in der Produktion von wertvoller Speiseware und Saatgut am Rande abfällt, von den Inhaltsstoffen aber genauso wertvoll ist. "Bei uns gibt es keinerlei Abfall", kommentiert Bernadette die nachhaltige Wirtschaftsweise. Selbstverständlich tun die Hühner auch etwas für dieses Luxusleben: Sie liefern Eier, die im Hofladen verkauft werden, und wertvollen Mist.

Bei uns gibt es keinerlei Abfall.

Vielfalt an Hülsenfrüchten

Nahaufnahme einer Sojapflanze mit Sojabohnenschoten. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Ungefähr 50 Prozent der angebauten Leguminosen werden als hochwertiges Saatgut vermarktet.

Auch wenn es 400 Hühner sind: Der Dünger, den sie produzieren, reicht nicht aus, um die 114 Hektar bewirtschaftete Ackerfläche zu düngen. Bernadettes Vater, Lorenz Lex, hat schon vorher - ganz viehlos - den Boden in Schuss gehalten: mit vielfältigen Maßnahmen und vor allem Hülsenfrüchten. Hülsenfrüchte, auch Leguminosen genannt, sind die einzigen Pflanzen, die ihren eigenen Dünger produzieren. Dabei helfen ihnen sogenannte Knöllchenbakterien in der Wurzel. Die sind in der Lage, den in der Luft reichlich vorhandenen Stickstoff zu binden und für Pflanzen verfügbar zu machen. In der Regel verbleibt sogar mehr Stickstoff im Boden, als die Pflanze selbst verbraucht. Davon profitiert dann die nachfolgende Kultur.

Auf dem Demonstrationsbetrieb werden Speise- und Futterbohnen angebaut, Sojabohnen, Lupinen und verschiedene Linsensorten, wie Beluga, grüne und Tellerlinsen. Dreschen, Trocknen, Säubern, Verpacken, Mahlen – alles bleibt in einer Hand. Die Ware kann man dann im hofeigenen Laden kaufen und selbst zubereiten. Wer erst mal sehen will, was man mit bayerischen Linsen so alles machen kann, geht im Biorestaurant "Karins" in Erding essen. Dort stehen beispielsweise eine Linsen-Moussaka und eine Linsenpasta mit Belugalinsen vom Lexhof auf der Speisekarte. Eine Bayerische Minestrone-Mischung mit Linsen, Soja- und Borlottibohnen finden Kunden in vielen Münchener Bioläden.

Jedes Jahr eine neue Pflanze, gerne auch ungewöhnliche.

Auch die wärmeliebende Sojabohne wächst auf den Lexschen Feldern. Insgesamt neun verschiedene Sorten, fünf davon großflächig, mit vier Sorten experimentieren Vater und Tochter noch. Eine davon hat enttäuscht und wird es nicht ins Kultur-Repertoire der Biolandwirte schaffen. "Jedes Jahr eine neue Pflanze, gerne auch ungewöhnliche", ist das Motto der Familie. Sie haben Lust, neue Pflanzen und Sorten auszuprobieren, und sie müssen es auch. Leguminosen dürfen nur alle sechs bis sieben Jahre auf demselben Acker angebaut werden. Bei kürzeren Abständen leiden die Pflanzengesundheit und der Ertrag.

Vermarktung im Blick

Schale voll abgepackter Hülsenfrüchte; im Hintergrund liegen Kürbisse zur Dekoration. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Die zweite Hälfte der Ernte verkauft der Biohof Lex als Speiseware im eigenen Hofladen und an den regionalen Bio-Großhandel.

"Es fällt uns beiden schwer, immer im Blick zu behalten, wie wir das Angebaute wieder loswerden", scherzt Tochter Bernadette. "Loswerden" ist dabei charmant tiefgestapelt, denn die Hülsenfrüchte sind im Kommen. Sie gelten als wertvolle pflanzliche Eiweißquelle und passen perfekt in den heutigen Trend der veganen und vegetarischen Ernährung. Die Familie hat im Großraum München keinerlei Schwierigkeiten, die Hülsenfrüchte zu vermarkten: im Hofladen, im Online-Shop und über den lokalen Großhandel.

Dinkelähren im Sonnenschein. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Der Dinkel braucht viel Stickstoff. Er profitiert von den Nährstoffüberschüssen nach dem Anbau von Leguminosen.

Ungefähr 50 Prozent der Ernte werden zu Saatgut. Die produzierte Ware muss sehr hohen Qualitätsstandards entsprechen. "Das bedeutet viel Handarbeit, beispielsweise in der Beikrautregulierung", erklärt Bernadette Lex. Die Hülsenfrüchte und Getreidekörner werden sofort nach der Ernte schonend getrocknet, um die Keimfähigkeit zu erhalten. Die anschließende Reinigung und Aufbereitung sämtlicher Kulturen erfolgt in der hofeigenen Mühle.

Vater und Tochter freuen sich, dass sie in 37 Jahren Biolandwirtschaft von Sonderlingen zu Botschaftern für den Biolandbau geworden sind. Bernadette staunt so manches Mal, wie groß das Interesse beispielsweise von Verbraucherinnen und Verbrauchern an Feldbegehungen und Pflanzenkunde ist. Zeitschriften wie Landlust und Landidee wollen auf dem Hof Reportagen machen, das Fernsehen fragt regelmäßig nach, ob es zu pflanzenbaulichen und Gesundheitsthemen drehen darf. "Das macht Spaß", freut sich Bernadette Lex. Statements vor der Kamera sind für die selbstbewusste Landwirtin kein Problem. Stress hat sie nur, "wenn ein Gewitter am Himmel steht und die Ackerbohne gedroschen werden muss." Das geht vor: Dreh hin oder her.


Autorin: Hella Hansen (FiBL)

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken.

Letzte Aktualisierung: 15.02.2017