Demonstrationsbetriebe


Biolandhof Reiser: Sandy und der moderne Biohof

Vater und Sohn vor Trecker auf dem Feld. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Die Richtung ist klar: Immer nach vorne, auch in der nächsten Generation.

Sich auf Erfolgen ausruhen, kommt für Familie Reiser nicht infrage. Selbst, wenn es Preise gab, wie den des Landes Baden-Württemberg für eine vorbildliche Tierhaltung, geht der Betrieb auch in der neuen Generation seinen Weg konsequent und zeitgemäß weiter. Die Hofübergabe an Sohn Silvan ist erfolgreich vollzogen, das Herzstück des Betriebes, die Direktvermarktung, wird engagiert vorangetrieben. Brüder und Schwestern der Zweinutzungsrasse "Sandy" leben seit neuestem auf dem Hof, neben Rindern, Pensionspferden und exotischen Tieren wie Lamas. Mit stets neuen Ideen und Offenheit empfängt der Biolandhof am Rande des Nordschwarzwalds mit seiner Vielfalt seine Besucherinnen und Besucher.

Direktvermarktung als Markenkern

Mobiler Legehennen Stall und Hühner im Auslauf. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Viel Platz für die neuen Hühner der Rasse Sandy: Der Mobilstall beherbergt die etwa 2.000 Legehennen.

Ohne zufriedene Kundschaft kein zufriedenstellender Betrieb. Das weiß Familie Reiser und setzte von Beginn an auf Direktvermarktung. Kein Blatt sollte zwischen Erzeugerinnen und Erzeugern und Kundschaft passen und tut es seit fast 30 Jahren nicht. Beredtes Zeugnis hierfür ist der große "biobauer"-Laden in Straubenhardt-Conweiler, unweit des Hofes. Auf 300 Quadratmetern Einkaufsfläche bieten hier 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sechs Tage pro Woche ein komplettes Angebot an Bioprodukten. Bistro-Ecke mit Mittagstisch sowie Kaffee und Kuchen inklusive. Für Eilige steht an der Post im Ort ein neuer "Regiomat" zum Kauf von Eiern und Milch bereit.

Weißlich gefiederte Sandy Hähnchen unter freiem Himmel. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Die Hähnchen wachsen in zirka 18 Wochen zur Schlachtreife heran. Wie ihre "Schwestern" sind die Tiere weißlich gefiedert.

"Wir können nicht jammern. Das neue Ladenkonzept wird gut angenommen und wir wollen jedem was bieten. Die Herausforderung ist dabei, unser Motto ‚Gesund, natürlich und frisch, von unserm Hof sofort auf Ihrem Tisch‘ jeden Tag neu unter Beweis zu stellen." Kurze Wege, Erzeuger-Transparenz, hohe Verlässlichkeit und, wann immer möglich, Regionalität sind die entscheidenden Stichworte. Wer will, kann darüber eine Menge lernen. Bei Führungen, Feldrundgängen, Brotbackseminaren, Feiern und Kindergeburtstagen. Den Reisers geht es immer darum, mit Spaß einen Zugang zum biologischen Landbau zu schaffen und die vielen Zusammenhänge darzustellen. Bestes Beispiel für die Innovationskraft des Biolandbaus ist die Hühnerhaltung auf dem Betrieb. 

Sandy: Neues und Bewährtes vereinen

Hofladen mit Warenregalen und Frischetheke. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Jedem etwas bieten: Der Biobauernladen in der Stadt lässt kaum Kundenwünsche offen.

"Sandy" heißt die Rasse, die hier seit neuestem gehalten wird – Hennen wie Hähne. Die Tiere selbst kommen aus Österreich. Ziel ist einerseits, das Töten von männlichen Küken zu vermeiden und diese gleichzeitig als Fleischrasse aufzuziehen und zu vermarkten. Sohn Silvan hat sich dabei als neuer Betriebsführer hervorgetan. Die Problematik um die Zweinutzungsrassen waren bereits Thema in seinem Studium zum Landwirtschaftsmeister. Nun geht es an den vielversprechenden "Live-Versuch" mit Sandy. "Viele kennen wohl Les Bleues, mit denen die gemeinsame Ökologische Tierzucht von Bioland und Demeter einen ähnlichen Weg geht. Um die kaum rentable Hähnchenmast zu unterstützen, zahlen die Konsumenten für die Eier der ‚Schwestern‘ dann ein paar Cent mehr", umreißt Silvan das Konzept, auch unter "Bruderhahninitiative" oder "Hahnenglück" bekannt. Allerdings sei Sandy keine der neuen Zweinutzungsrassen: Sie stellen nämlich weder eine richtige Legehenne, noch ein Masthähnchen bereit.

Bei Sandy ging es darum, eine robuste, legebetonte und gleichzeitig fleischansetzende Hühnerrasse zu finden.

Rinder auf der Weide. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Vielfalt auch bei den Tieren: Neben Rindern gibt es unter anderem Schweine, Lamas und Ziegen auf dem Hof.

"Im Grunde ist jede Hühnerrasse wiederum doppelt nutzbar. Es ging also einfach darum, eine robuste, legebetonte und gleichzeitig fleischansetzende Hühnerrasse zu finden." Sandy ist eine solche. Das Gefieder ist beigeweiß, die Eier leicht cremefarben und etwas spitzzulaufend. So kommt der Vermarktungsgedanke gleich mit ins Spiel: "Es ist ein leicht erkennbares Produkt. Der Kunde weiß sofort: Das ist ein Ei, bei dem der Hahn überlebt hat." 

Sandy ist eine Kreuzung der Rassen White Rock und Rhodeländer, zwei verschiedener genetischer Linien. Bei der Legeleistung gibt es keine Einbußen. Die Mastleistung der Hähnchen ist ähnlich der anderen Rassen und braucht seine Zeit. "18 Wochen müssen wir ihnen bis zur Schlachtreife geben", berichtet Silvan. Wenn mit den Kunden vereinbar, soll ab 2020 ausschließlich die Rasse Sandy auf dem Hof leben.

Kühe, Schweine – und Lamas

Zwei Schafe grasen auf einer Wiese vor den Photovoltaikanlagen. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Schafe begutachten eine der Photovoltaikanlagen. Zukünftig soll es auch E-Tankstellen für die Hofbesucher geben.

Was den Biohof Reiser zu einem modernen landwirtschaftlichen Betrieb macht, ist die Vielfalt, die man auf allen Ebenen antrifft. Auf der großen Weide grast eine Herde extensiv gehaltener Rinder. Besuch übernachtet in den beiden Ferienwohnungen und kann den Minischweinen, Pensionspferden, Wachteln und Lamas zuschauen. Lamas? Diese Exoten aus Mittelamerika sind als Therapietiere auf dem Hof. Ein weiterer Punkt, der die zahlreichen Möglichkeiten des modernen Biobetriebs unterstreicht. "Manches an Ideen ergibt sich einfach, anderes erfordert eine längere Planung", sagt Horst Reiser.

Der Kunde weiß sofort: Das ist ein Ei, bei dem der Hahn überlebt hat.

Stillstand? Ausgeschlossen! Sobald es mal gut läuft, so gewinnt man den Eindruck, wird gleich weitergeschaut. Und alle ziehen mit, das ist entscheidend. So entstehen zwei weitere Ferienwohnungen am Hof. "Außerdem wollen wir E-Tankstellen einrichten, denn in Zukunft werden nicht nur wir selbst sondern auch unsere Gäste Elektroautos fahren", ist sich Reiser Senior sicher. Photovoltaikanlagen befinden sich schon lange auf den Dächern und sammeln Sonnenenergie. Die Zukunft, so scheint es, hat auf dem Biohof Reiser längst begonnen. Trotz allem hat man das Gefühl, vieles vom Guten bleibt dabei erhalten.


Autor: Oliver Z. Weber

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Letzte Aktualisierung: 22.10.2018