Demonstrationsbetriebe


Birkenhof: Landsicherung für den Ökolandbau

Zwei Männer stehen auf der Weide neben einer Kuh. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Gemeinsam mit der e.G. BioAcker wollen Eckard Jungclaussen und Florian Jahn Land für den Ökolandbau sichern.

Eckard Jungclaussen vom Demonstrationsbetrieb Birkenhof im Siegerland ist überzeugt: Die Nutzung von landwirtschaftlichem Grund und Boden für den ökologischen Landbau darf nicht von Spekulation bestimmt werden. Deswegen engagierte er sich für die Gründung der "Bio-Acker e.G.". Dahinter steht die Idee, landwirtschaftlich nutzbare Fläche für den Ökolandbau dauerhaft verfügbar zu machen. Das Siegerland und die angrenzenden Regionen sind aus erbrechtlichen Gründen geprägt durch kleine Parzellen und nicht zusammenhängendes Land. Dieser Entwicklung will die eingetragene Genossenschaft durch ein innovatives Pachtmodell entgegenwirken.

Streubesitz im Siegerland

Blick auf Acker an dem Menschen arbeiten. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Von etwa 400 Parzellen zu bewirtschaftender Fläche gehören lediglich 30 Prozent dem Verein, der Rest ist im Streubesitz.

Eine zusammenhängende Bewirtschaftungsfläche ist für viele landwirtschaftliche Betriebe selbstverständlich – doch nicht für den Birkenhof. Zwar bewirtschaftet der Hof über 100 Hektar Nutzfläche, doch lediglich 30 Hektar gehören dem Trägerverein der Betriebsgemeinschaft. Der Rest befindet sich im Streubesitz. Der ehemalige Aussiedlerhof in Wilnsdorf bei Siegen wurde 1994 vom eingetragenen Verein "Landwirtschaftliche Gemeinschaft Siegerland" erworben und wurde im gleichen Zuge auf die demetertypische biologisch-dynamische Wirtschaftsweise umgestellt.

Das Erbrecht steht der Bewirtschaftung im Wege.

In den Regionen Siegen und im Sauerland sowie im Westerwald ist der Landbesitz sehr kleinstrukturiert. Im Vergleich zu anderen Regionen, erhalten Erben hier grundsätzlich den gleichen Anteil an Land. Deswegen werden die Parzellenflächen immer kleiner. In der Regel sind sie nicht größer als 0,2 bis 0,25 Hektar. "Das Erbrecht steht der Bewirtschaftung im Wege", beschreibt Jungclaussen die Situation. Um trotzdem eine zusammenhängende Fläche bewirtschaften zu können, muss sich der Hof mit den zahlreichen Eigentümern der unterschiedlichen Flurstücke einigen.

Dadurch ergibt sich für den Betrieb in Wilnsdorf ein besonders hoher Pachtanteil mit über 250 verschiedenen Eigentümern, die teilweise sogar in Erbgemeinschaften ein Grundstück verwalten. "Viele von den Erben wussten gar nicht, dass sie überhaupt Land im Siegerland haben", erklärt Florian Jahn, der seit 2014 mit seiner Familie ebenfalls zur Betriebsgemeinschaft sowie dem Vorstand der BioAcker e.G. zählt. Eine weitere Besonderheit ist nämlich, dass traditionell selten bis gar keine Pachten für die Landstücke erhoben werden. Die folgende Erbgeneration hat so den Bezug zum Land verloren. Der Verkauf beziehungsweise die Verpachtung an den Hof bedarf dadurch weniger Überzeugungskraft. Doch die Eigentümerinnen und Eigentümer der einzelnen Landstücke zunächst ausfindig zu machen, setzt ein gewisses Durchhaltevermögen und zeitlichen Aufwand voraus.

Kaufen statt Pachten

Hofladen. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Der Birkenhof ist ein Anziehungspunkt in der Region. Dazu gehören auch der Hofladen und das Hofcafé.

Über ein Jahr lang beschäftigte sich der Initiativkreis des Vereins mit der Frage: "Wie können wir nicht nur für uns, sondern auch für andere Biobetriebe langfristig Land sichern?". Er kam zu dem Entschluss, lieber Land zu kaufen, statt es zu pachten. Aus diesem Ansatz heraus entstand 2015 die BioAcker e.G. Sie verfolgt von Anfang an das Ziel, landwirtschaftliche Fläche zu sichern. Um langjährige Pachtverträge mit immer wechselnden Erben zu vermeiden, kauft die Genossenschaft mithilfe der Mitglieder die verstreuten Stücke und verpachtet diese zusammenhängend zugunsten des ökologischen Landbaus. 

Wie können wir nicht nur für uns, sondern auch für andere Biobetriebe langfristig Land sichern?

Bewachsener Acker mit verschiedenem Gemüse. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Durch den Verkauf von Genossenschaftsanteilen kann die BioAcker e.G. Land für den Öko-landbau erwerben.

Die Mitglieder der Genossenschaft arbeiten ehrenamtlich. Sie sind überzeugt vom Ökolandbau und wollen Geld investieren, um regionale Biobetriebe zu unterstützen. Damit sie in die eingetragene Genossenschaft eintreten können, erwerben die Mitglieder einen Genossenschaftsanteil im Wert von 525 Euro. Dieser hat in erster Linie einen ideellen Wert, da keine finanzielle Ausschüttung vorgesehen ist – jegliche Gewinne werden zum weiteren Landkauf eingesetzt.

Damit die BioAcker e.G. wächst und dem regionalen Ökolandbau mehr Fläche zur Verfügung stellen kann, informiert die Genossenschaft vor Ort. Mit Flyern, Aushängen, Informationsveranstaltungen, Feldbegehungen sowie auf Wochenmärkten macht sie auf die erbrechtliche Situation aufmerksam.

Flexible Landgestaltung

Mann hält Landkarte in der Hand. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Betriebsleiter Eckard Jungclaussen klärt Interessierte gerne über die erbrechtliche Situation auf – ob auf dem Hof oder auf Wochenmärkten.

Vorteil dieses Pachtmodells ist die Flexibilität beim Grundstücksverkauf. Steigen Genossen aus der BioAcker e.G. aus, bekommen diese nach einer zweijährigen Kündigungsfrist das Geld von ihren Anteilen zurück. So erhalten die Genossen beziehungsweise die Genossenschaft die Möglichkeit, einen Nachfolger für die Anteile zu finden. Gelingt dies nicht, muss die BioAcker e.G. Land verkaufen – der Clou dabei: Sie können variieren und ein Randstück statt dem zentralen Flurstück verkaufen. So reißen sie die zu bewirtschaftende Fläche nicht unnötig auseinander. Weitere Vorteile sind zudem, dass beim Wechsel von Genossen weder ein Notar, noch Grunderwerbssteuer gezahlt werden müssen und der Eigentümer im Grundbuch nicht angepasst wird – dieser bleibt grundsätzlich die BioAcker e.G.

Weiter Blick auf Feld und Wiesen. NeuesFenster: Beitrag auf Oekolandbau.de
Beim Verkauf kann die BioAcker e.G. zwischen verschiedenen Flurstücken variieren und vermeidet somit das Auseinanderreißen der Fläche.

Bislang konnte die eingetragene Genossenschaft schon einige Erfolge verbuchen: Die bisher angekaufte Nutzfläche von zwei Hektar wird vom Birkenhof bearbeitet. Geplant ist, dass weitere Flächen an unterschiedliche regionale Betriebe verpachtet werden. Voraussetzung hierfür ist lediglich, dass diese nach zertifizierten biologischen Richtlinien arbeiten. Außerdem reichte die Genossenschaft ihre Idee beim Wettbewerb "BodenWertSchätzen" des Rats für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ein. Daraufhin erzielte das Pachtmodell in der Kategorie "Ausgestaltung von Pachtverträgen" den 2. Platz im Jahr des Bodens.

Autorin: Laura Wittemann

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken.

Letzte Aktualisierung: 10.10.2016