Demonstrationsbetriebe


Bunde Wischen: Natur, Landwirtschaft & Mensch

Mann sitzt zwischen Pferden auf der Weide. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Für Betriebsleiter Gerd Kämmer ist klar: "Naturschutz hat bei uns höchste Priorität!"

Egal ob seltene Kleearten oder der vom Aussterben bedrohte Lila-Goldfalter – Dank Bunde Wischen und seiner extensiven Tierhaltung finden zahlreiche Tier- und Pflanzenarten in Schleswig-Holstein wieder ein Zuhause. Gerd Kämmer und sein Team begannen mit ein paar Hektar Orchideenwiese. Inzwischen beweiden Galloways, Highland Cattles, White Park Cattles, Angler Rinder und Koniks die Naturschutzflächen des Bioland-Betriebes im Norden Schleswig-Holsteins. Durch das typische Weideverhalten der verschiedenen Nutztiere und Rassen ergibt sich ein charakteristisches Landschaftsbild einer halboffenen Weidelandschaft. Das unterstützt aktiv den Naturschutz und erhält die Artenvielfalt und Biodiversität.

Bunte Wiesen 

"Naturschutz hat bei uns höchste Priorität!", erklärt der Betriebsleiter Gerd Kämmer und verrät damit schon die erste und durchaus wichtigste Säule, auf die das Betriebskonzept des Bioland-Betriebs aufbaut. Dass der Schutz der Natur ein grundlegender Schwerpunkt ist, beweist ebenfalls der Name der Genossenschaft: Aus dem Plattdeutschen übersetzt, bedeutet "Bunde Wischen" nichts Geringeres als "bunte Wiesen" und spielt auf das Ergebnis des Konzepts "Beweidung für den Naturschutz" an. "Die ganzjährige Beweidung ist der Schlüsselfaktor für Artenvielfalt", stellte der gelernte Biologe Gerd Kämmer während seiner praktischen und theoretischen Untersuchung unterschiedlichster Landschaften fest. Mit einem beispielhaften Blick nach Afrika fand und suchte Kämmer dort den Grund des großen Pflanzen- und Artenreichtums. Ihm fiel auf, dass die rinder- und pferdeartigen Tiere für die artenvielfältigen Landschaften sorgen.

Die ganzjährige Beweidung ist der Schlüsselfaktor für Artenvielfalt.

Eingang des Hofladens
"Ökologie ohne ein ökonomisches Konzept macht keinen Sinn – nur beides zusammen ist nachhaltig."

Da in Mitteleuropa die großen Weidegänger-Wildarten nicht mehr vorhanden sind, war für Kämmer und sein Team schnell klar, es gibt nur einen Weg die biologische Vielfalt auch im eigenen Land zu unterstützen und zu erhalten: Möglichst sehr naturnahe Haustierrassen zur Beweidung der heimischen Landschaften einsetzen! Den Tieren sollen viel Platz und Freiheit zur Verfügung stehen, um genau diese Flächen naturnah zu gestalten und die Artenvielfalt wieder anzukurbeln.

Selbstfinanzierender Naturschutz

Rinder und Pferde grasen auf der Weide. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Rund 200 Rinder werden im Jahr vermarktet. Das Besondere dabei: Die Tötung per Kugelschuss auf Distanz.

In den achtziger Jahren ahnte noch niemand, was die fünf Hektar große Orchideenwiese, die Gerd Kämmer und sein Team erhalten wollten, auslösen würde. Das Ziel war klar: ein sich selbstfinanzierender Naturschutz. So entstanden Stück für Stück die mittlerweile 1.500 Hektar Weideland, die von unterschiedlichen vierbeinigen Naturschützern beweidet werden. Dazu zählen die robusten Galloways, die zotteligen Highland Cattles und genügsamen White Park Cattles – die im Übrigen die vermutlich älteste heute noch existierende Hausrinderrasse sind – wie auch die anpassungsfähigen Angler Rinder der alten Zuchtrichtung und die menschen-freundlichen Wildpferde Koniks. Zu den größten Gebieten zählt vor allem die Geltinger Birk: Auf 500 Hektar zusammenliegender Fläche halten die Rinder und Pferde Gewässer und Uferbereiche von Gehölzbewuchs frei und sorgen somit für eine massive Zunahme von Laubfrosch, Rotbauchunken und Co.

Landwirtschaft, die zweite Säule, und Naturschutz sind auf Bunde Wischen fest miteinander verbunden. Doch dabei ist sich Gerd Kämmer bewusst: "Ökologie ohne ein vernünftiges, langfristiges und tragfähiges ökonomisches Konzept macht keinen Sinn, denn nur beides zusammen ist nachhaltig." Deswegen läuft die Kombination über die Fleischvermarktung des Hofes. "Nutztiere und deren Produkte schützt man nur, wenn man sie auch wirklich nutzt!", erklärt Kämmer und zielt dabei ganz direkt auf die Verarbeitung ab. Rund 200 Rinder werden im Jahr vermarktet – das Besondere dabei: Alle werden per Kugelschuss auf Distanz getötet. Diese sehr stressfreie Tötung beruht auf jahrelanger Forschung gemeinsam mit der Uni Kassel und wird von Bunde Wischen als bisher größter Betrieb in voller Konsequenz durchgeführt.

Wissen weitergeben 

Naturschutz hat auf Bunde Wischen Priorität – doch praktizieren alleine reicht dem Biobetrieb nicht: Das Wissen muss weitergegeben werden. Deswegen setzt sich der Hof auch aktiv für die Umweltbildung ein und geht damit auf die dritte Säule des Betriebssystems ein: den Menschen. "Artenvielfalt und die damit verbundene Insektenvielfalt und Bestäubung sind unmittelbare Themen, mit denen wir viel mehr Menschen erreichen müssen", erklärt Gerd Kämmer

Artenvielfalt ist unmittelbares Thema, mit dem wir viel mehr Menschen erreichen müssen.

Drei Kälber laufen über die Weide. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Galloways, Highland Cattles und Co. beweiden die Naturschutzflächen in der Umgebung von Schleswig.

Die Umweltbildung fängt bei den Kleinen an und hört bei den Großen auf: Seit 2015 hat der Waldkindergarten Schleswig seinen festen Standort auf Bunde Wischen. Hier lernen die Kinder den Umgang mit Hühnern, Schweinen und Co. und erfahren, wie wichtig die Natur und der Kreislauf für unser tagtägliches Leben ist. Wie die schützenswerte Natur aussieht, zeigen die zahlreichen Erlebnis- und Wanderwege durch die Naturschutzgebiete. Eigenständig oder im Rahmen von geführten Touren können sich Interessierte hier selber von der Vielfalt der Tiere und Pflanzen sowie der Notwendigkeit, diese zu schützen, überzeugen lassen.

Ein geschmückter Wohnwagon mit Sitzplatzecke. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Umweltbildung fängt bei den Kleinen an: Der Waldkindergarten Schleswig hat seinen festen Standort auf dem Hof.

Als anerkannter Ausbildungsbetrieb bietet die Genossenschaft außerdem Ausbildungen zur Landwirtin oder zum Landwirt und Werker an. Die Aufrechterhaltung und Förderung der Artenvielfalt und Biodiversität sind dabei wesentliche Lehrinhalte, die sie bei den Roten Mangalitza Wollschweinen, dem Deutschen Sperber oder im Versuchsgarten erfahren. Mit viel Eigenverantwortung schöpfen die Auszubildenden hier neue Erkenntnisse, die letztendlich zugunsten des Naturschutzes eingesetzt werden können.


Autor: Laura Wittemann

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken.


Betriebsporträt: Bunde Wischen

Kälber auf der Weide. Klick führt zur Großansicht in neuem Fenster.

Die Genossenschaft Bunde Wischen eG ist in SchleswigHolstein am Ostseefjord Schlei beheimatet. Der plattdeutsche Name steht für „bunte Wiesen“, sein ungewöhnliches Programm geht auf die Erhaltung einer Orchideenwiese in den 80er Jahren zurück.
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Letzte Aktualisierung: 29.08.2017