Demonstrationsbetriebe


Gut Wulfsdorf: Vielfalt an der Schnittstelle Stadt und Land

Gruppenbild mit dem Team von Gut Wulfsdorf. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Das Team um Georg und Elisabeth Lutz lebt das Prinzip des offenen Hofes.

Gerade der städtischen Bevölkerung geht der Kontakt zur Landwirtschaft verloren. Wo kommen eigentlich die Lebensmittel her, wie leben die Tiere und was braucht Biogemüse zum Wachstum? Im Großraum der 1,7 Millionen Metropole Hamburg bietet das Gut Wulfsdorf Landwirtschaft pur. Schweine, Rinder, Schafe und Gänse, eine Bäckerei und Metzgerei sowie ein großer Hofladen mit Café machen jeden Besuch zu einem Erlebnis.

Sag mir wo die Tiere sind …

Kühe im Stall. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Rinder mit Futter vom eigenen Hof: Das Konzept des offenen Hofes zeigt die Tierhaltung in allen Facetten.

… wo sind sie geblieben? Diese Frage stellt sich auf dem Gut Wulfsdorf nicht. Das Prinzip des offenen Hofes wird von Georg Lutz und seinem 80-köpfigen Team leidenschaftlich gelebt. Alle Kunden sind eingeladen, über das Hofgelände zu streifen, solange sie sich an die Öffnungszeiten des Hofladens halten. Für Besuchergruppen ist dies im Rahmen einer Führung möglich. Auf dem Hof in Ahrensburg bei Hamburg räkeln sich gleich links vom künstlerisch gestalteten Hofplatz die Schweine im Stroh. Sie nutzen bei (fast) jedem Wetter gerne den Außenbereich der Ställe. Farbige Informationstafeln geben Auskunft zu den Rassen, zur Lebensweise und dem Biofutter vom Hof.

Alle Stallanlagen sind umgebaute Altställe, die den Anforderungen der Tiere und den Demeter-Richtlinien entsprechen. Hier gilt das Prinzip, dass die Ställe den Tieren angepasst werden und nicht umgekehrt. Das mag manchen irritieren, der aus seinem neu gebauten  Einfamilienhaus mit aufgeräumtem Garten mal Landluft schnuppern möchte. Doch es kommt nicht auf das Alter des Stalles an, sondern auf das Tierwohl in der gesamten Anlage.

Die meisten Fragen kommen zu den Tieren.

Menschen beim Feiern auf der Wiese. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Zum alljährlichen Kartoffelfest kommen Groß und Klein aus dem Großraum Hamburg.

Warum leben die Kälber in extra Hütten? Was fressen die Schweine den ganzen Tag? Und warum liegen die nur rum? Das Team vom Gut Wulfsdorf kennt mittlerweile alle Fragen zum Thema Tierhaltung, denn seit vielen Jahren gehören hier Hofführungen zum Konzept. "Ob Kind oder Erwachsener, die meisten Fragen kommen natürlich zu den Tieren", so Martina Sträßer, die seit mittlerweile 18 Jahren mit dem Hof verbunden ist.

"Gerade am Rande einer Großstadt wie Hamburg erfüllen wir eine wichtige Funktion zum Thema Herkunft von Lebensmitteln. Es gibt viele Kinder, die zum ersten Mal in ihrem Leben bei uns ein 'richtiges' Schwein sehen. Das macht einerseits betroffen, andererseits bestätigt es uns, wie wichtig die Transparenz unseres Hofes ist." Durch die Anbindung des öffentlichen Nahverkehrs nutzen gerade viele Schulen und Kindergärten das Angebot.

Öko-soziale Dorfprojekte

Zwei Frauen im Hofladen. Klick führt zu Großanischt in neuem Fenster.
Das Hofcafé lädt alle Besucher ein und ist in einen großen Hofladen integriert.

1989 suchte die Stadt Hamburg für ihre zwei städtischen Güter (Gut Wulksfelde und Gut Wulfsdorf) jeweils einen Pächter, der den Betrieb auf ökologischen Landbau umstellt. Georg Lutz und seine Frau Elisabeth nahmen die Herausforderung an und leiten nun seit 26 Jahren den Ökobetrieb. Schritt für Schritt erweiterten sie den Betrieb beispielsweise um eine Bäckerei, eine Metzgerei oder ein an den Hofladen angeschlossenes Café.

Kinder spielen im Sand. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Zum Dorfprojekt „Allmende-Wulfsdorf“ gehört auch ein Kindergarten.

Ein Herzensanliegen von Georg Lutz und seinem Team ist die Vernetzung des Hofes mit der Nachbarschaft und der Region. Der lebendige Stadt-Land-Austausch funktioniert mit der intensiven Direktvermarktung und dem breiten Angebot von Hofführungen. Im direkten Umfeld des Hofes entwickelten sich die zwei öko-sozialen Dorfprojekte "Allmende-Wulfsdorf" und "Wohnprojekt Wilde Rosen". Hier entstanden seit 2005 um die 170 Öko-Wohnungen gekoppelt mit Gewerbeeinheiten, die Künstlerwerkstätten, einen integrativen Kindergarten, eine Sporthalle und sogar ein Gesundheitszentrum beheimaten.

Hände halten Kartoffeln. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Frisch vom Acker: Über 50 Gemüsearten und Kartoffeln aus biodynamischem Anbau.

Eine Öko-Saatgutwerkstatt für samenfeste Sorten wurde als Kooperationsprojekt von Allmende und dem Gut Wulfsdorf eingerichtet und sorgt für Salat, Möhren und Mangold aus eigener Züchtung. Diese leckeren Sorten gibt es auch im Hofladen und auf Wochenmärkten zu kaufen. "Gemeinsam wachsen, sich gegenseitig helfen, neue Ideen zusammen verwirklichen, das macht die Kraft und Lebendigkeit des Allmende-Projektes aus", bilanziert Martina Sträßer die letzten zehn Jahre. Natürlich wohnt sie selbst in einer der Wohnungen und ist Teil des Nachbarschaftsnetzes.

Selber gärtnern

Passend zum offenen Hofkonzept bietet das Gut Wulfsdorf seit 2014 Parzellen zum selber Gärtnern an. Auf 50, 100 oder 150 Quadratmetern können Interessierte vom Single bis hin zur Familie ein "eigenes" Stück Land bewirtschaften und Gemüse anbauen. Der "Wulfsdorfer Gemüsegarten" steht allen offen, die selbst jäten, hacken, bewässern und ernten wollen. Einen Teil der Parzelle säen und bepflanzen Mitarbeitende des Hofes mit Freilandgemüse, Kräutern und Blumen. Zudem gibt es Platz für eigene Wünsche.

Die Pflege obliegt jedem selbst. "Selbstverständlich unterstützen wir alle Hobbygärtner zu den Fragen rund um Anbau und Ernte", erzählt Kerstin Meyer, die das neue Projekt auf dem Hof betreut. "Das erste Jahr lief sehr vielversprechend, unser Stadt-Land-Konzept mit Bürgerbeteiligung ist um einen weiteren  Baustein reicher", freut sich Georg Lutz mit Blick auf zukünftige  Projekte. Denn das wird einem bei dem Besuch auf dem Gut Wulfsdorf klar: Hier handelt es sich um einen lebendigen  Hoforganismus, der Freude macht, inspiriert, vielfältig und hervorragend vernetzt ist. Dies wurde auch mit dem Nachhaltigkeitspreis des Landes Schleswig-Holstein gewürdigt.

Autor: Carsten Veller

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken.

Letzte Aktualisierung: 29.04.2015