Demonstrationsbetriebe


Heinrich Hof: Bäuerin mit Klasse

Die Bäuerin hält ein junges Tier. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Besonders am Herzen liegt der Naturpädagogin, dass alle Kinder mit den Tieren in Kontakt kommen.

"Lebendiges Lernen – praktische Mitarbeit": Unter diesem Motto zeigt Maria Perktold-Heinrich Schülerinnen und Schülern auf dem Heinrich Hof, wie ökologischer Landbau funktioniert und wo die Lebensmittel herkommen. Gemüse mit geschlossenen Augen ertasten, im Paprika-Beet wühlen und die Hände schmutzig machen: Das ist mehr als nur eine Führung. Hier kommen die Klassen richtig ins Schwitzen und erkunden mit allen Sinnen die Tier- und Pflan-zenwelt auf dem Demonstrationsbetrieb.

Mit der Kuh per du

"Ich fand‘s toll, dass wir die Tiere füttern durften. Die Zunge von der Kuh hat sich witzig angefühlt", berichtet einer der Schüler der fünften Klasse des Gymnasiums Walldorf von den Begegnungen mit Schweinen und Kühen im Stall. "Und ich habe einen neuen Freund gefunden: die 79 799!", fügt ein anderer begeistert hinzu. Maria Perktold-Heinrich gab den Mädchen und Jungen extra Zeit, die Tiere kennen zu lernen und mit ihnen warm zu werden. Am Anfang noch zögerlich, dann vorsichtiges Herantasten und schließlich ließ sich einer sogar die Hand ablecken. Die Fragen dazu, was mit den Tieren passiert, kommen von ganz allein. Dann wird auch die Schlachtung besprochen. "Das ist die Realität und die wird auch nicht bagatellisiert. Der Kontakt zu den Tieren ist mir besonders wichtig", beschreibt die Betriebsleiterin ihr Ziel für den ersten Teil des Tages: "Jedes Kind soll in Berührung mit den Tieren kommen."

Der Kontakt zu den Tieren ist mir besonders wichtig, jedes Kind soll in Berührung mit den Tieren kommen.

Junge mit Schubkarre. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Damit die Kinder richtig in Bauernarbeit eintauchen, werden sie voll in den Hofalltag integriert.

In der Anfangsrunde führt sie die Kinder zunächst mit ein paar Fragen heran: "Wer war denn schon alles mal auf einem Bauernhof? Und wer isst von euch gerne Fleisch? Wer hat Zuhause einen Garten?" Alle, die zustimmen, sollen aufstehen. So gewinnt sie einen ersten Einblick über das Vorwissen der Gruppe. Dann verteilt sie Fühlsäckchen. Die Kinder ertasten ein Kuh-Horn, einen Kugelschreiber, Schafwolle und andere Utensilien, die in Verbindung mit dem Hof stehen. Anhand dieser erklärt Perktold-Heinrich den Hof-Alltag.

Eintauchen

Schülerinnen und Schüler sitzen in einem Kreis zusammen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
"Dass wir die Tiere füttern durften…" – In der Schlussrunde erzählen die Schülerinnen und Schüler, was sie am spannendsten fanden.

Gartenerzeugnisse stehen im Mittelpunkt des zweiten Teils der insgesamt vierstündigen Veranstaltung. Verschiedenes Obst, Gemüse und Salate werden an alle Kinder verteilt. Mit geschlossenen Augen ertasten sie es. "Ich weiß es!", ertönt es aus dem Sitzkreis. Als ein Junge seinen vermeintlichen Salat vorstellt, werden die Augen groß als er erfährt, dass es sich um frischen Spinat handelt.

Dann ist ihr Vorstellungsvermögen gefragt: "Was glaubt ihr, wie sieht euer Gemüse in drei Monaten aus, wenn ihr es jetzt in den Kühlschrank legt?" Alle Produkte werden nun nach ihrer Lagerungsfähigkeit sortiert.

Drei Mädchen sitzen auf Strohballen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Mit geschlossenen Augen ertasten die Schülerinnen Gurke, Kürbis und Co.

Nach dieser Sinnesreise und den Aha-Effekten vor allem beim Wintergemüse, das sogar in der kalten Jahreszeit wächst, heißt es nun: Anpacken. Die Schülerinnen und Schüler sollen teilhaben am gesamten Betriebskreislauf des Demeter-Hofs. "Damit sie richtig eintauchen, sorge ich dafür, dass sie aktiv werden, rote Backen haben und alles andere vergessen." Die Gruppe ackert im Paprika-Beet: Fleißige Hände ernten ruckzuck die Paprika-Reihe im Folienhaus, entfernen die Rank-Hilfen, ziehen die leeren Pflanzen aus der Erde und transportieren sie mit der roten Kinder-Schubkarre ab. "Warum kostet die Paprika so viel?", fragt ein Mädchen, "Da wachsen doch so viele." Perktold-Heinrich erklärt dann, wie lange der Anbau und die Pflege bis dahin dauerte. Man merkt, in den Köpfen bewegt sich was. Der Lehrer Johannes Hack ist begeistert: "Nach der Einschulung ins Gymnasium hat meine Klasse hier die Möglichkeit sich kennen zu lernen und zusammen zu wachsen. Ganz nebenbei lernen sie, wo unsere Lebensmittel herkommen."

Einen Samen säen

Maria Perktold-Heinrich will den Kindern schon früh zeigen, wo Lebensmittel herkommen und was ihren Wert ausmacht: "Diesen Samen kann man nicht früh genug säen." Wenn eine Schulklasse auf den Heinrich Hof kommt, hat die Naturpädagogin meist nur einen halben Tag, um zwei Dutzend Kindern die Ökologische Landwirtschaft näher zu bringen. "Da habe ich ja nur die Chance, so etwas wie ein Samenkorn zu pflanzen. Ich hoffe, dass sich daraus in den Köpfen etwas entwickelt", erklärt Maria Perktold-Heinrich.

[…] so etwas wie ein Samenkorn zu pflanzen.

Erlebnisangebote

Eine Kiste voll mit roter Paprika. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Alles im Zeichen der Paprika: Die Frischen gab es zum Mittag, die Alten wurden an die Tiere verfüttert.

Die ausgebildete Natur- und Bauernhofpädagogin kam als gelernte Erzieherin auf den Heinrich Hof. Seit fünfzehn Jahren kooperiert sie mit dem NABU Mosbach. Dies vereinfacht es, Leute durch Medienarbeit anzusprechen. Die Erfahrungen aus dem Wald, Kindern und Jugendlichen über ihre Sinne Wissen zu vermitteln, hat sie auf den Hof übertragen. Ihr Vermittlungsangebot ist heute breit aufgestellt. Auf der Hof-Webseite stellt sie all ihre pädagogischen Angebote vor: Ferienfreizeiten, Kochkurse für Groß und Klein, Bauernhoferlebnistage für die ganze Familie und die Walderlebnistage. Zeigen, wo Lebensmittel herkommen und wie bäuerliche Landwirtschaft funktioniert – die Bauerhofpädagogik ist schon längst Teil des Betriebskonzepts und ein wichtiges finanzielles Standbein. Und es läuft: Die Plätze für die Erlebnis- und Kochkurse sind rar. Die Ansprache gerade der jüngeren Zielgruppe fällt ihr nicht schwer. Neben dem Angebot mit dem NABU, rührt sie auch gern selbst die Werbetrommel.

Auch fürs nächste Jahr hat Maria Perktold-Heinrich einiges auf dem Plan. Um das "Gedeihen" ihrer Samenkörner möglichst früh zu starten, will sie sich in Zukunft vermehrt an Erzieherinnen und Erzieher wenden und diese zu Experten machen. "Die können das Wissen weitergeben. Sie sind die Multiplikatoren der Bauernhofpädagogik."

Autorin: Annika Lapp

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken.

Letzte Aktualisierung: 24.10.2016