Demonstrationsbetriebe


Hellweghof: Bio aus Zufall, Umstellung aus Überzeugung

Kühe auf der Weide, Klick führt Großansicht im neuen Fenster
Im Mittelpunkt der Kreislaufwirtschaft steht die Kuh: Ihr Mist nährt die Weiden, und die Weiden ernähren sie.

Er wollte schon als Kind Landwirt werden und eigentlich war für ihn klar: "konventionell, das ist es!". Heute ist Gregor Scholz vom Demonstrationsbetrieb Hellweghof in Welver bei Soest demeter-Ökolandwirt. Der unideologisch geführte Dialog zwischen ökologischen und konventionellen Landwirtinnen und Landwirten ist ihm wichtig. Scholz weiß, beide Seiten können viel voneinander lernen. Ein Ansprechpartner, der weiß, wovon er spricht. Denn sein Weg zum überzeugten "Öko" führte ihn von Vorurteilen zu einem ungewöhnlichen Kraftakt: dem Einstieg in die landwirtschaftliche Selbstständigkeit mit einer Umstellung. 

"Bio schmeckt nicht!"

Betriebsleiter Scholz am Schweineauslauf, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Der Betriebsleiter denkt nicht in Schubladen. Er kennt die Stärken und Schwächen des konventionellen und ökologischen Landbaus.

Schon von Weitem macht der Hellweghof Eindruck. Freistehend inmitten seiner rund 50 Hek-tar Acker- und knapp 70 Hektar Grünland erkennt man früh das Herzstück: ein 157 Jahre altes Backsteingebäude. Davor eine zwischen Obstbäumen grasende, bunt gemischte Kuhherde. Auf dem Hof begrüßen den Besucher Sauen mit Nachwuchs – und wenn man Glück hat auch der Chef, Gregor Scholz. Wer von ihm über den Hof geführt wird, erlebt einen genauso energiegeladenen wie gelassenen Macher, der in keine Öko-Schublade passt. 

"Schon mit sechs Jahren wollte ich Bauer werden. Und das habe ich durchgezogen", erinnert sich Scholz. Biologischer Landbau stand allerdings nicht auf seinem Zettel, ganz im Gegenteil. Nach Praktika auf konventionellen Betrieben dachte er "konventionell, das ist es: große Maschinen und Freude an der Sache!". Vorurteile gegenüber biologischer Kost nährte zudem seine Zivildienstzeit in einer Jugendherberge. Dort wurde immer wieder das gleiche Bio-Essen angeboten und Scholz dachte: "Bio schmeckt nicht!"

Neue Trecker und das Kreislauf-Prinzip

Ziegen auf grüner Wiese, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Die Ziegen gehen regelmäßig auf "Geschäftsreise": Zur Naturpflege auf den Flächen eines befreundeten Landwirts.

Dass er die Ausbildung zum Landwirt doch bei einem Biobetrieb absolvierte war Zufall. Der bio-dynamische Landwirt im Heimatort bot ihm eine Stelle und "fuhr immer die neuesten Trecker – das war natürlich hilfreich", gibt Scholz lachend zu. Vom Ökolandbau überzeugt hat ihn der Kreislauf-Gedanke: der Hof als System, das nicht mehr verbraucht als es erwirtschaftet. Im Agrar-Studium in Kassel und Berlin reifte zudem die Erkenntnis, dass alle globalen Probleme auch auf die Landwirtschaft vor Ort übertragbar sind. Um dort wirken zu können, brauchte er Gestaltungsfreiheit, die es nur mit dem eigenen Betrieb gibt. Der Hellweghof, dessen Besitzer ökologische Pächter suchten, erwies sich nach Jahren der Suche als Glücksfall. Er bot Fläche und Bausubstanz zur Verwirklichung.

Unternehmer und Umsteller

Eine Sau und ihre Ferkel im Stroh, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Hier fühlen sich die Schweine "sauwohl", denn sie haben mehr Platz, als die Richtlinien vorschreiben.

"Mit einer Umstellung in die unternehmerische Selbstständigkeit zu starten, ist ungewöhnlich", weiß Gregor Scholz. Zu finanzieren gab es alles: Tiere, Maschinen und Bauarbeiten. Hierbei halfen "Genussrechte": Kredite von Privatpersonen, bei denen die Zinsen in Form von Hofprodukten ausgezahlt werden. Dass die Milch des Hellweghofs sofort als Biomilch vermarktet werden konnte, da die eingekauften demeter-Kühe durch eine Futter-Kooperation versorgt wurden, erleichterte die Situation. Dennoch stellt Scholz rückblickend fest: "Eine Umstellung kostet wohl immer mehr: Geld und Nerven."

Kräftezehrend waren die Diskussionen mit Kammer und Kontrollstelle – beispielsweise über die Auslegung von Öko- Richtlinien. Arbeits- und umsatzmäßig habe man sich etwas überschätzt, da man weniger herstellen konnte als erwartet. Dennoch gab es auch Meilensteine: wenn Kontrollen gut liefen, bauliche Maßnahmen fertig gestellt wurden und die Tiere sie gut annahmen – oder kurz: "wenn man merkte, dass ein Plan funktioniert". 

Eine Umstellung kostet wohl immer mehr: Geld und Nerven.

Faktoren einer erfolgreichen Umstellung

Hofgebäude, Wiese mit Obstbäumen und Bienenstöcke, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Eine gelungene Kooperation: Die Bienenstöcke eines benachbarten Imkers bereichern das Angebot um leckeren Honig.

"Das Entscheidende bei einer Umstellung ist, dass man einen Plan hat!", unterstreicht Scholz. Landwirte müssen ihren Betrieb kennen und wissen, was sie wollen – wirtschaftlich und persönlich. Man braucht eine Zukunftsvision, eine Ist-Analyse und muss den Weg dazwischen realistisch gestalten. Dass man sich den Prozess in Form von einzelnen Schritten vergegenwärtigen kann, ist hilfreich. "In der Praxis kommt dann allerdings vieles gleichzeitig zusammen. Sowohl die Kammer als auch die Kontrollstelle sollte man zum Beispiel früh einbeziehen", rät der Demeter-Landwirt. Mittlerweile ist er selbst UmstellungsBerater. Den Erfahrungsaustausch mit ebenfalls in der Umstellung befindlichen Höfen hält er für besonders wichtig. Wie in seinem Fall, sollte man sich zudem auch die vielen Möglichkeiten bewusst machen, Verbraucher in die Hofentwicklung einzubeziehen. 

Ohne meine Erfahrung in der konventionellen Landwirtschaft hätte ich das nicht gekonnt.

Letztlich gibt es, so Scholz, keine Bereiche, die einfacher umzustellen sind als die anderen. Einstellen müsse man sich überall auf eine Verdopplung des Kontrollaufwands. Für Scholz lohnen sich jedoch alle Mühen: "Man lernt, mit den Kontrollen zu leben." Außerdem sei er "Versteher und Gestalter" aller Abläufe und "das hat mich ausgeglichener gemacht." Geholfen hat ihm auch sein konventioneller Hintergrund: "Ohne meine Erfahrung in der konventionellen Landwirtschaft hätte ich das nicht gekonnt", betont Scholz. Seiner Meinung nach kann der Ökolandbau auch von "den Konventionellen", vor allem im strukturellen Bereich, dazulernen. Und so bringen konventionelle Betriebsleiter potenziell schon einen wichtigen Grundstein für eine erfolgreiche Umstellung mit: das Wissen um effiziente Abläufe.


Autor: Constantin Härthe

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Betriebsporträt: Hellweghof

Schwein im Stall. Klick führt zur Großansicht in neuem Fenster.

Der Hellweghof im nordrheinwestfälischen Hündlingsen in der Soester Börde ist ein vielfältiger Gemischtbetrieb mit Ackerbau, Viehzucht und Veredelung. Seit 2012 ist er an Familie Scholz verpachtet, die ihn auf biologisch dynamische Wirtschaftsweise umgestellt hat.
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Letzte Aktualisierung: 13.06.2017