Demonstrationsbetriebe


Hof Tütsberg: Hüter der Heide

Schäferin und zwei Hunde stehen vor einer Herde Heidschnucken. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Auf 4.500 Hektar hält der Landschaftspflegehof Tütsberg Heidschnucken und Ziegen in Hütehaltung. Foto: m&p: public relations

Verein und Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide (VNP) bezeichnen sich selbst als "Hüter der Heide". Deswegen setzt der zum VNP gehörige Hof Tütsberg auf eine besonders umweltschonende Bewirtschaftung und betreibt Landschaftspflege mit seinen sechs Heidschnuckenherden. Diese Arbeit erhält wertvolle Ökosysteme, ist identitätsstiftend für die Region und fördert den Naturtourismus. Nicht zuletzt ist sie auch wertschöpfend für die Vermarktung: Was der Hof produziert, wird in der Küche des am Hof angeschlossenen Hotels als regionale Spezialität zubereitet. Dort gilt das Motto "Wer die Heidschnucke liebt, der isst sie auch."

Bewahrung der Heidewirtschaft

"Wir pflegen unsere Heide – auch für Sie", steht auf den grünen Geländewagen der Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide (VNP). Eine der wesentlichen Aufgaben des VNP ist der Erhalt des Gebiets im Nordosten Niedersachsens. Vor allem zur Zeit der Heideblüte im August reisen zahlreiche Touristinnen und Touristen an, um in den Genuss dieser einzigartigen Landschaft zu kommen. Liebling und Maskottchen der Region ist die Heidschnucke. Egal, ob beim Spaziergang, auf witzigen Postkarten oder auf dem Teller im Restaurant – überall begegnet einem die sympathische und genügsame Schafrasse. Bei ihren Spaziergängen erfahren die Urlauberinnen und Urlauber von den Schäfern, dass es hier um weit mehr geht, als um "schnuckelige Gastlichkeit". Die Heidschnucken sind die Bewahrer dieses beliebten Erholungsgebietes.

Deswegen hält der Landschaftspflegehof Tütsberg sechs Heidschnuckenherden in sogenannter "Hütehaltung". Bei dieser Haltungsform führt ein Schäfer oder eine Schäferin die Schnucken tagsüber über die großen Heideflächen. Dabei fressen die Tiere Heidekraut und Gräser, zertreten Spinnennetze und verbeißen junge Bäume. Ohne diese wertvolle Arbeit der "lebendigen Rasenmäher" würde ein Wald anstelle der Heide entstehen.

Das bedeutet folglich, dass die Heidelandschaft durch den wirtschaftenden Menschen entstanden ist und nur durch ihn bewahrt werden kann. Betriebsleiter Dr. Andreas Koopmann weiß um die Bedeutung dieser Arbeit: "Bei uns erhält man einen Eindruck, wie es früher in ganz Norddeutschland aussah. Wie in einem "Lebendigen Museum" erhalten wir die Heidelandschaft für die Nachwelt." Das ist deswegen so wichtig, weil viele Heidelandschaften bereits über die Jahrhunderte verschwunden sind, doch einige Tier- und Pflanzarten auf eine magere Offenlandschaft angewiesen sind. Der Landschaftspflegehof erhält somit eine wertvolle historische Kulturlandschaft und Lebensräume, beispielsweise für das vom Aussterben bedrohte Birkhuhn.

Wie in einem "Lebendigen Museum" erhalten wir die Heidelandschaft für die Nachwelt.

Lebendiges Museum

Im Vordergrund ist eine Infotafel mit der Aufschrift „Chronist der Landschaft“ zu se-hen, im Hintergrund ist eine blühende Heidelandschaft zu sehen. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Wer den Hof als Ausgangspunkt für Wanderungen nutzt, erfährt an den "Tütsberger Erlebnispunkten" mehr über die Heide. Foto: m&p: public relations

Die Vermittlung der Naturschutzarbeit und der historischen Heidewirtschaft liegt Koopmann am Herzen. Bei Führungen erklärt er, dass die Schafe die Nacht im Stall verbringen. Der Dung, der dabei anfällt, wird auf die Ackerflächen des Demonstrationsbetriebs ausgetragen. Das ist notwendig, da der Boden nicht sonderlich fruchtbar ist. Diese Pflegemaßnahmen stehen in der Tradition einer viele Jahrhunderte alten Bewirtschaftungsform.

An den interaktiven "Tütsberger Erlebnispunkten" erfahren die Gäste mehr über das Arbeiten des Hofes und können sich insbesondere über die historische Heidebauernwirtschaft, die Hofgeschichte und die "Getreidehitparade" informieren.

Zwei Heidschnucken stehen vor einem Baum, eine hat sich auf zwei Beine gestellt um die Blätter zu fressen. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Das Wort "Schnucken" kommt aus dem Niederdeutschen von "snökern", was so viel wie "naschen" bedeutet. Foto: m&p: public relations

Wer anschließend die Hofprodukte probieren möchte, wird in der Region fündig. Was der Betrieb produziert, wird in der Küche des am Hof angeschlossenen Hotels als regionale Spezialität zubereitet. Mit der Aufforderung "Wer die Heidschnucke liebt, isst sie!" lädt Koopmann zum Probieren ein. "Das Angebot erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Heidschnucken-Gerichte haben sich schon längst vom Arme-Leute-Essen zur regionalen Spezialität entwickelt", erklärt er.

Wirtschaftlichkeit im Blick

Pferd trinkt aus einer Wasserkuhle. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Der Landschaftspflegehof hat sich dem Erhalt der gefährdeten Dülmener Pferde verschrieben. Foto: m&p: public relations

Bei allen umweltschonenden und traditionellen Maßnahmen behält Betriebsleiter Koopmann die Wirtschaftlichkeit immer im Blick. Seine Devise: "Wir machen so viel Ökologie, wie wir uns leisten können." Bereits als er 1998 den Betrieb übernahm, erlebte er, die Abhängigkeit von Ökonomie und Ökologie. Bei einer Beiratssitzung des Vereins eröffnete man ihm, dass der Landschaftspflegehof schlechte Zahlen schriebe. "Es sah so aus, dass man sich das nicht mehr lange leisten konnte. Da klappte mir spontan der Unterkiefer runter", erinnert sich Koopmann. Die Ursachen für die "roten" Zahlen waren vielfältig: Die Schafhaltung wurde massiv aufgestockt und es gab nur eine geringe Förderung für die Pflege der Heide sowie für den Stallausbau.

Mann im Buchweizenfeld. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Rund um den Tütsberg liegen die Ackerflächen, auf denen regionaltypische Arten wie Buchweizen angebaut werden. Foto: m&p: public relations

Inzwischen gibt es längst ein politisches Umdenken. 2002 wurden in Niedersachsen einige Agrar-Umweltmaßnahmen eingeführt, so dass derzeit über 4.000 Hektar der Betriebsfläche
Teil eines Naturschutzprogramms "Besondere Biotoptypen" sind. Vertragsnaturschutz ist ein wichtiges ökonomisches Standbein des Betriebs geworden.

Ich kann die biologische Vielfalt erhalten und trotzdem noch wirtschaftlich erfolgreich sein.

Blick in einen Ackerwildstreifen, im Vordergrund sind Pflanzen mit weißen und lila Blüten zu sehen, im Hintergrund ist Getreide zu sehen. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Lichte Getreidebestände schaffen Lebensraum für Ackerwildkräuter, Wachtel, Rebhuhn und Co. Foto: m&p: public relations

Darüber hinaus versucht er, ganz praktisch Ökonomie und Naturschutz zu verbinden: Indem
auf dem Hof Tütsberg lichte Getreidebestände angebaut werden, können zum Beispiel Ackerwildkräuter und gefährdete Vogelarten wie das Rebhuhn überleben. Gleichzeitig hat der Hof einen angemessenen Erlös für das Biogetreide. Deswegen ist Koopmann auch überzeugt: "Ich kann die biologische Vielfalt erhalten und trotzdem noch wirtschaftlich erfolgreich sein."

Autorin: Karin Wilhelm

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken.

Letzte Aktualisierung: 13.09.2016