Demonstrationsbetriebe


Hof zur Hellen: Ein Biobetrieb für alle …

Blick auf das alte Hofgebäude. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Am Anfang stand ein Kuhstall. Heute ist das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert das Hofcafé.

... und alle für einen – dafür steht der Hof zur Hellen. Der Demeterbetrieb im Bergischen Land funktioniert seit der Übernahme zweier Landwirtsfamilien im Jahr 2010 als Gemeinschaftsprojekt. Ihre Philosophie: Zusammen lebt und arbeitet es sich noch schöner. Das Team vom Hof zur Hellen begrüßt jedes Jahr viele Helferinnen und Helfer. Das bunte pädagogische Angebot zieht sehr unterschiedliche Menschen auf den Hof. Die Leiterin des Bereichs Pädagogik, Bettina Wamsler, berichtet, wie der Demonstrationsbetrieb die Ökolandwirtschaft als facettenreiche Gemeinschaftsaufgabe gestaltet.

Biohof als Lebensschule

Viele Fahrräder und Bobbycars stehen auf dem Hof. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Auf dem Hof zur Hellen sind alle Kinder willkommen, ob zum Spielen oder zum Mitmachen bei pädagogischen Angeboten.

Fahrräder, Bobbycars und Anhänger sind ordentlich auf ihrem eigenen Parkplatz abgestellt. Wer den Hof zur Hellen besucht, sieht gleich, wer hier im Mittelpunkt steht: "Einige Kinder kommen so oft, dass sie schon ihr Lieblingsgefährt bei uns haben", lacht Bettina Wamsler. Manche Kinder kommen zum Spielen auf den Hof, während ihre Eltern das Hofcafé besuchen. Andere machen beim pädagogischen Programm des Biobetriebs mit. Gemeinsam mit dem Umweltpädagogen Paul Wallraff leitet und gestaltet Wamsler den Bereich Pädagogik auf dem Hof zur Hellen. Neben Landwirtschaft und Tierhaltung ist die Bauernhofpädagogik ein zusätzliches und wichtiges Standbein. Um möglichst Viele anzusprechen, ist das pädagogische Angebot des Hofs breitgefächert.

Blick auf ein Sonnenblumenfeld. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Der Hof zur Hellen engagiert sich für biologische Vielfalt und hat ein Sonnenblumen-Gemenge in der Fruchtfolge.

Von März bis Oktober kommen täglich zahlreiche Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf den Hof. Hier gilt: Zupacken statt zuschauen. Ob beim Tagesausflug oder bei der Klassenfahrt, als WWOOFer oder Praktikantin, in der Ausbildung oder im Bundesfreiwilligendienst, Wamslers Erfahrung ist: "Beobachten, mitmachen, verstehen. So lernen Kinder und junge Menschen am meisten." Wer eigenhändig Roggen gesät oder gar das Feld gepflügt hat, weiß Lebensmittel und Landwirtschaft besser zu schätzen. Von Teamarbeit bis Tierpflege, von Umgangsformen bis Umweltschutz: Auf dem Demonstrationsbetrieb lernen die Kinder und Jugendlichen Dinge, die sie auch außerhalb des Hofs in ihrem Alltag anwenden können. Wamsler weiß: "Das was die Kinder bei uns erleben, ist persönlichkeitsbildend." Weil die Erlebnisse auf dem Biohof soziale Kompetenzen, Sachkenntnisse und praktische Fähigkeiten vermitteln, passen Ökolandwirtschaft und Pädagogik ideal zusammen.

Erlebnis: Biobauernhof

Zwei Schweine liegen im Stroh. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Auch artgerechte Tierhaltung ist ein wichtiger Teil der Bildungsarbeit auf dem Hof zur Hellen.

In den vergangenen Jahren haben sich Kooperationen mit "Stammschulen" etabliert. Eine davon ist das Ganztagsgymnasium Johannes Rau, eine UNESCO-Projektschule. Schülerinnen und Schüler der sechsten bis achten Klasse besuchen regelmäßig den Hof zur Hellen, um die Jahreszeiten in der Natur zu erleben. "Gerade die Kinder aus größeren Städten kommen hier her, bewundern und fotografieren den Wald. Wir merken immer wieder, dass der Naturbezug fehlt", stellt Wamsler fest. Das Fotografieren als Erinnerung reicht aber nicht aus. "Wir wünschen uns, dass sie ein inneres Bild, eine Erfahrung, mitnehmen." Erlebnisorientierte Pädagogik ist das Stichwort. Denn das Erforschen und Erkunden des Biohofs sensibilisiert die Schülerinnen und Schüler für Ökolandwirtschaft und einen nachhaltigen Umgang mit der Natur. 

Das was die Kinder bei uns erleben, ist persönlichkeitsbildend. 

Wamsler beobachtet täglich, wie fasziniert und begeistert die Kinder und Jugendlichen auf dem Demeterhof mitarbeiten. Die Theorie fließt beim Arbeiten ein. "Für die Kinder ist es leichter Fragen direkt zu stellen und gleich eine Antwort in der Situation zu bekommen." Durch die sinnliche Erfahrung und den Praxisbezug können sie sich Vieles besser einprägen. "Die Kinder aus dem Sommerzeltlager pflücken beispielsweise Äpfel, aus denen sie Apfelmus machen. Das Apfelmus brauchen sie anschließend als Füllung für ihren Kuchen, der im Hofcafé verkauft wird." Weil die Kinder selbst diesen Mini-Kreislauf gestalten und erleben, entwickeln sie schnell ein Verständnis für den gesamten Betriebskreislauf.

Gemeinschaft will gelernt sein

Kuh grast auf Weide. Im Vordergrund ist ein Apfelbaum zu sehen. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Kühe auf der Weide, Äpfel am Baum – Die Kinder lernen auf dem Hof, wie alles im Betriebskreislauf zusammenhängt.

Hinzu kommt der Gemeinschaftsgedanke, den die Kinder und Jugendlichen auf dem Hof schon früh erleben. Daher richten sich die Mitmachangebote auch an Kindergärten und Grundschulen. Eine Überlegung für die Zukunft ist, gezielt Kennenlernfahrten für Fünftklässler anzubieten. Denn so lässt sich der Klassenverband als Gemeinschaft schon zu Beginn des neuen Schulabschnitts stärken.

Ein weites Feld mit vielen Zelten. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Im Sommerzeltlager erleben die Kinder Teamgeist und Gemeinschaftsgefühl.

Besonders intensiv ist die Zusammenarbeit mit den Waldorfschulen in der Region. In mehrwöchigen Landwirtschaftspraktika durchlaufen die Schülerinnen und Schüler auf dem Demonstrationsbetrieb vier Bereiche: Tierhaltung, Acker und Gartenbau, Landschaftspflege und Holzwirtschaft. "Obwohl Holzhacken und -stapeln anstrengend ist, zählt es zu den Lieblingsaufgaben der Kinder und Jugendlichen", wundert sich Wamsler immer wieder. Ihre Erklärung: Die Kinder übernehmen Verantwortung. Sie verarbeiten Holz aus ökologisch nachhaltigem Waldbau, das wiederum den auf dem Hof lebenden Menschen und Tieren nützt. Diese Synergie in der Nachhaltigkeit gemeinschaftlich zu erleben, schafft Vertrauen in sich selbst und stärkt die gesellschaftlichen Zusammenhänge. 

Wenn man es schafft, sich als Gemeinschaft gegenseitig zu fördern, dann ist das ein Gewinn.


Autorin: Lisanne Rother

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken (PDF-Datei).


Betriebsporträt: Hof zur Hellen

Kühe und Kinder

Der Hof zur Hellen liegt im Bergischen Land und wird seit 1985 biologisch-dynamisch betrieben. Zwei Landwirtfamilien führen den Hof als Betriebsgemeinschaft seit 2010. Hinzu kommen Absolventinnen und Absolventen des Bundesfreiwilligendienstes und vor allem in den Sommermonaten zahlreiche Praktikantinnen und Praktikanten und Helferinnen und Helfer.
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Letzte Aktualisierung: 19.12.2018