Demonstrationsbetriebe


NaturErlebnisHof Hausen: Pädagogik mit Klasse

Innenhof-Ansicht mit großem, schattenspendendem Baum in der Mitte. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Blick in den Innenhof: Der NaturErlebnisHof Hausen bietet naturnahe Erlebnisse für verschiedene
Zielgruppen.

Eine ökologische Landwirtschaft zum Anfassen, Erlebnisse mit der Natur, Urlaub inmitten ländlicher Räume – Es steckt schon im Namen, was der Demonstrationsbetrieb NaturErlebnisHof Hausen in der Nähe von Erfurt alles bietet. Ob Ausflug oder Klassenfahrt, themenbasierte Projekttage oder das Zertifikat Naturpädagoge, die Bildungsprogramme sind für ganz unterschiedliche Zielgruppen konzipiert. Der Grundsatz von Umweltpädagogin Christina Peters ist dabei immer, durch das Erleben Begeisterung zu wecken und die aktive Beteiligung für eine zeitgemäße Bildungsarbeit zu nutzen.

Lernen mit Kopf, Herz und Hand

Kinder streicheln Pferde auf der Koppel. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Pferde als Lehrer: Gerade für Kinder ist die Begegnung mit Tieren mit nachhaltigen Erlebnissen verbunden.

Christina Peters und Ralf Demmerle sind "Bauern mit Klasse". Doch nicht nur Schülerinnen und Schüler kommen zu Besuch auf ihrem Hof am Rande des Thüringer Waldes. Seit gut 15 Jahren wird hier auf dem alten Mühlenhof ökologisch mit Land, Boden und Tieren gearbeitet. Genau dies bietet viele Ansätze, um tiefe Einblicke und Erlebnisse für Besucherinnen und Besucher aller Couleur zu schaffen. Stets geht es ums Anfassen und Erfahren, ums Mitmachen und Erleben. Die Angebote reichen von Kindergeburtstagen bis zum Fortbildungsseminar für Erwachsene.

Für das lern- und anwendungsorientierte Programm entwickelte Christina Peters ein eigenes, pädagogisches Konzept, das Elemente der Erlebnis- und Öko-Pädagogik miteinander verknüpft. "Hof und Landschaft dabei miteinzubeziehen ist ein Schlüsselelement unseres Seminar-Angebots", erklärt sie.

Kinder füttern Schweine mit Gras. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Anfassen, pflegen, füttern: Wer einmal eine echte Schweineschnauze angefasst hat, vergisst es nicht so schnell.

"Wir sind ein Ort der Bildung für Nachhaltigkeit und als solcher verfolgen wir das Konzept vom Lernen mit Kopf, Herz und Hand." Lernen wird als etwas Ganzheitliches verstanden, als lebendiger Prozess, der Körper und Geist erfasst. Einfacher gesagt: Wer Landwirtschaft und Naturphänomene riechen, hören und anfassen kann, lernt mehr, als wer nur darüber liest oder davon hört. Mit der Übernahme des alten mittelalterlichen Mühlenhofs am kleinen Bach Wipfra wollte Christina Peters ihre Leidenschaften Naturverbundenheit und Pädagogik miteinander verbinden. Das Potenzial des Hofs für eine vielseitige Landwirtschaft und seine perfekte Lage hatte für sie und Umweltwissenschaftler Ralf Demmerle den Ausschlag gegeben.

Die Städte Erfurt, Suhl und Gotha liegen in der Nähe. Inzwischen kommen lernwillige Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer, Erholung suchende Urlauberinnen und Urlauber sowie wissbegierige Kinder auch von weiter her. Es bestehen Kooperationen mit der Sprachschule Language Farm und dem Dachverband der Ökobauern "Thüringer Ökoherz". 2012 gab es von der Sarah Wiener Stiftung den Preis als "Bester Biohof" für den Bereich Bildungsarbeit. Die Nachfrage ist groß. Notgedrungen müssen manche Anfragen abgesagt werden.

Zusammenhänge sichtbar machen

Betriebsleiter Demmerle erklärt Kindern im Innenhof, wie der Ökolandbau funktioniert. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Wieso, weshalb, warum: Zusammenhänge werden nicht nur erklärt, sondern auch selbst hergestellt.

Jeder Besucherrundgang und alle Angebote beinhalten einen Besuch bei den Tieren. Vor allem Kinder bekommen dabei große Augen und haben viele Fragen: Warum leben nicht alle Schweine immer draußen? Warum verschlucken Hühner kleine Steine? Wie viel Gras frisst eigentlich so ein Wasserbüffel? So manche Antwort finden sie selbst heraus. Durch Rückfragen, Nachdenken und Denkanstöße von außen.

Nun fällt auf jedem landwirtschaftlichen Betrieb eine Menge Arbeit an. Dies zu zeigen, gehört fest ins Konzept und zum Programm von Gruppen, die mehrere Tage bleiben. Kinder lernen Theorie und Praxis zu verbinden, wenn sie zum Beispiel beim Zäunebauen auf der Pferdekoppel helfen, Heu aufgabeln, Brot und Brötchen aus frischem Korn backen oder Schweine, Hühner und Rinder füttern. Manchmal schauen sie sogar beim Schlachten der Kaninchen zu.

Lernen ist ein lebendiger Prozess und findet durch Erlebnisse und Erfahrungen statt.

Außerdem werden unsichtbare oder weniger offenkundige Zusammenhänge sichtbar gemacht. Beispielsweise haben alle Tiere auf dem Hof einen Namen und ein möglichst gutes Leben. Doch sie werden als Nutztiere irgendwann geschlachtet – eine sehr konkrete Auseinandersetzung mit den Themen Tod, mit- und voneinander Leben und dem Wirtschaften in Kreisläufen.

Nachhaltige Erlebnisse schaffen

Kinder sammeln Pferdemist auf der Koppel in einer Schubkarre. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Tägliche Arbeit gehört dazu: Die Kinder fassen mit an und lernen so, was auf einem Biohof alles zu tun ist.

"Lernen findet eben nicht nur durch Routine und Erzählungen statt, sondern durch Erlebnisse und Erfahrungen, die wiederum neue Fragen aufwerfen. Lernen ist ein lebendiger Prozess, nicht nur für die Besucher", erläutert Peters.

Per Selbsterfahrung rücken so weitreichende Zusammenhänge in den persönlichen Fokus und setzen Lernprozesse in Gang. Beispielsweise, wenn es um den individuellen Fleischkonsum, regionale Kreisläufe, Tierethik oder Gentechnik geht. Als Landwirt weiß Ralf Demmerle: "Wir haben mit unserem Handeln direkten Einfluss auf die Kulturlandschaften. Ökologisch wirtschaften heißt, zu verstehen, dass jede Aktion und jeder Eingriff ihre Folgen haben."

Ökologisch wirtschaften heißt, zu wissen, jede Aktion und jeder Eingriff hat Folgen.

Erwachsene wie Kinder nehmen das Erlebte nicht nur wahr, sie nehmen auch vieles mit, das bleibt und prägt. "Wir bekommen Post von Jugendlichen, die sich an einen Besuch als Grundschüler erinnern und sich nochmals bedanken", erzählt Christina Peters. "Wer bei uns zum ersten Mal ein Huhn auf dem Arm gehabt oder eine Schweineschnauze angefasst hat, vergisst das nicht so schnell." Erlebnis- und Bauernhofpädagogik setzen gezielt auf die Nähe zur Natur und das Verständnis für ihre Vorgänge. Der Mensch greift notwendigerweise in die Natur ein und trägt eine besondere Verantwortung. Wer mit solchen Gedanken den Hof verlässt, der hat schon viel gelernt.


Autor: Oliver Z. Weber

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken.


Betriebsporträt: NaturErlebnisHof Hausen

Kinder streicheln eine liegende Sau. Klick führt zur Großansicht in einem neuen Fenster.

Ein Besuch auf dem NaturErlebnisHof am Rande des Thüringer Waldes ist immer ein besonderes Vergnügen für Jung und Alt. Auf dem ehemaligen Mühlenhof bieten Christina Peters und Ralf Demmerle vielfältige Möglichkeiten, die Natur zu erleben und den Ökolandbau kennen zu lernen.
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Letzte Aktualisierung: 04.07.2017