Demonstrationsbetriebe


Oesenhof: Zurück zu den Wurzeln!

Schubkarre mit der Aufschrift "Kultgemüse". Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Das Projekt "Kultgemüse" wurde 2015 ins Leben gerufen.

"Urban Gardening" und "Essbare Städte" liegen voll im Trend. Die Sehnsucht, die hinter diesen Konzepten steckt ist allerdings sehr ursprünglich: "Zurück zu den Wurzeln!". Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher möchten ihr Gemüse selbst anbauen und ernten – es samt Wurzeln aus dem Boden ziehen. Familie Meyerhoff vom Demonstrationsbetrieb Oesenhof aus dem niedersächsischen Heidekreis bietet Hobbygärtnerinnen und -gärtnern mit ihrem "Kultgemüse" das passende Angebot. Hier darf auf einer gemieteten Parzelle nach Lust und Laune gesät, gegossen, gejätet und geerntet werden.

Zurück zum Ursprung

Frau steht auf Feld und trägt Kiste mit Pflanzen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Eva Meyerhoff ist es wichtig, bei Fragen für ihre Kultgärtnerinnen und -gärtner da zu sein.

Für viele ist es selbstverständlich geworden: das Gemüse auf den heimischen Tellern. Kartoffeln, Möhren und Co. gibt es mittlerweile zu jeder Jahreszeit im Supermarkt. Doch wem ist eigentlich noch richtig bewusst, woher seine Lebensmittel stammen? Aus dieser Frage wuchs in Eva und Jan Meyerhoff die Idee zu einem neuen Projekt: das Kultgemüse. Seither geht es auf dem Bioland-Betrieb darum, Menschen auf den Acker zu bringen, ganz nach dem Motto "Back to the Roots" – also zurück zum Ursprung: Lebensmittel produzieren nach den Regeln der Natur – saisonal und regional.

Abschließend verarbeitet man dann das, wofür man gearbeitet hat.

Weiter Blick über den bunt blühenden Acker. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
35 oder 55 Quadratmeter große Gemüseparzellen können angemietet werden.

Das Prinzip dahinter ist so einfach wie genial: Das Betriebsleiterehepaar nutzt einen bestehenden Acker, unterteilt diesen in unterschiedlich große Parzellen und bereitet sie bis zum Anfang der Saison für die Übergabe an die Kultgärtnerinnen und -gärtner vor. Die einzige Regel seit dem Beginn 2015: Jeder darf gärtnern, wie er möchte – Hauptsache biologisch. Von Mai bis Oktober arbeiten die Gärtnerinnen und Gärtner auf dem Acker und sorgen dafür, dass ihr Gemüse wächst und gedeiht. "Das Kultgemüse zielt darauf ab, dass die Leute selber ackern und ihre Hände dreckig machen. Abschließend verarbeitet man dann das, wofür man gearbeitet hat. Dadurch steigt die Wertschätzung der eigenen Lebensmitteln", erklärt Eva Meyerhoff.

Mitbestimmen statt konsumieren

Singles, Rentnerinnen und Rentner, Familien und befreundete Frauen oder Männer – so bunt, wie die Gemüseparzellen im Frühjahr blühen, so breit gefächert ist auch die Zielgruppe des Kultackers. Doch eines haben alle Hobbygärtnerinnen und -gärtner gemeinsam: Sie möchten mitbestimmen, woher die Möhren, Radieschen oder der Mangold stammen, den sie zu Hause verarbeiten. Diesen Wunsch unterstützt Familie Meyerhoff besonders gerne: "Leute müssen integriert werden, um sie für den Ökolandbau zu begeistern!", weiß Eva Meyerhoff. "So ist die Überzeugungskraft viel authentischer", verrät sie.

Verschiedene Pflanzen mit zwei Frauen, die Gärtnern im Hintergrund. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
So bunt, wie die Gemüseparzellen im Frühjahr blühen, so breit gefächert ist auch die Zielgruppe.

Der Oesenhof bietet seinen Kundinnen und Kunden 35 oder 55 Quadratmeter große Parzellen, bepflanzt mit über 25 verschiedenen Gemüsesorten, an. Mitte Mai werden die Parzellen übergeben: Steckbrief zu den einzelnen Gemüsesorten, Tipps und Tricks inklusive. Ab dann heißt es bis Oktober: Auf den Acker, jäten, ernten!

Wie viel Zeit die Mieterinnen und Mieter aufwenden und wann sie sich um ihre Beete kümmern, ist ihnen selbst überlassen. Entsprechend natürlich auch, wie sie ihre Parzelle gestalten: Vom Wildwuchs bis zur akkuraten Bepflanzung ist alles dabei. Ob sie morgens die absolute Ruhe zum meditativen Umgraben nutzen, die mittägliche Familienzeit, um mit den Kindern gemeinsam die Möhren zu ernten oder das Wochenende bei einem gemeinschaftlichen Sektfrühstück direkt neben dem Acker einläuten: Der Kultacker hat 24 Stunden, 7 Tage die Woche geöffnet.

Gartentipps per Newsletter

Frau beschriftet eine Tafel, die an einem Anhänger befestigt ist. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Das Kultgemüse steht und fällt mit der Kommunikation. Deswegen gibt es hier das Rundum-sorglos-Paket.

Eines ist für Familie Meyerhoff ganz klar: Das Kultgemüse steht und fällt mit der Kommunikation. Die Gärtnerinnen und Gärtner erhalten weit mehr, als einen bepflanzten Acker und die Möglichkeit zum Austausch mit Gleichgesinnten vor Ort. Eva Meyerhoff bietet das Rundum-sorglos-Paket: Hilft das "Spinksen" auf die Parzelle nebenan mal nicht, um herauszufinden, wann der Nachbar den Mangold erntet, dann steht Frau Meyerhoff jederzeit für Rückfragen zur Verfügung. Regelmäßig erhalten die Kultgärtnerinnen und -gärtner E-Mails mit Informationen über den Ökolandbau und was auf dem Acker gerade los ist – was geerntet, beigeschnitten oder gesät werden muss. Außerdem stellt der Demonstrationsbetrieb Gartengeräte, Wasser zum Gießen und Saatgut zum Auffüllen der abgeernteten Parzellen bereit.

Nahaufnahme eines Huhns auf der Wiese. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Eine ganz neue Idee: Seit 2017 können auch Hühnerpatenschaften abgeschlossen werden.

Schnell wird klar: Das Herzstück des Projekts ist die liebevolle Betreuung durch seine Erfinder. Viele Menschen, die auf dem Kultacker eine Parzelle gemietet haben, besitzen auch einen eigenen Garten. Doch das gemeinschaftliche Hacken, Buddeln und Ernten sowie die professionelle Hilfe überzeugen von Jahr zu Jahr mehr Menschen. So wächst der Kultacker von Familie Meyerhoff stetig: „Wir legen so viele Parzellen an, wie sich Leute anmelden.“

Acker als Toröffner

Übertragbar ist das Ganze ebenfalls. "Der Kultacker hat den Oesenhof geöffnet!", beschreibt Eva Meyerhoff. Für einen Hof, der keine Direktvermarktung betreibt, ermöglicht ein solches Projekt eine Kundenbindung. Kultgärtnerinnen und -gärtner stehen im engen Kontakt zu den Meyerhoffs – ob es für Informationen zum Gärtnern ist oder um zu erfahren, wann die nächsten Schweine geschlachtet werden.

Der Kultacker hat den Oesenhof geöffnet!

Um auch seinen Bestandskundinnen und -kunden immer etwas Neues bieten zu können und weitere Interessenten zu gewinnen, baut der Betrieb sein Angebot stetig aus. Das jüngste Projekt: Gegacker neben dem Acker. Hühner im mobilen Stall ergänzen das Angebot des Hofs und sind Teil eines fairen Deals: Die Kultgärtnerinnen und -gärtner freuen sich über frische Eier und die Hühner über die Reste von Kohlrabi und Co.


Autor: Laura Wittemann

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken (PDF-Datei).

Letzte Aktualisierung: 18.09.2018